Standort: science.ORF.at / Meldung: "Buben als Bildungsverlierer?"

Ein Schüler mit Schirmkappe lümmelt an seinem Tisch in der Schule.

Buben als Bildungsverlierer?

Mädchen haben die Burschen bei der Bildung zwar abgehängt. Von den Buben generell als Bildungsverlierern zu sprechen, ist laut einem deutschen Bildungspsychologen jedoch eine "falsche Generalisierung".

Erziehungswissenschaft 29.06.2010

Für einen Teil der Buben treffe das Prädikat wohl zu, das sei allerdings nichts Neues. Der Anteil an Schulversagern und -verweigerern sei unter diesen schon immer höher gewesen, durch die verstärkte Bildungsteilnahme der Mädchen in den vergangenen Jahrzehnten seien diese Defizite lediglich sichtbarer geworden, meinte Tim Rohrmann im Gespräch mit der APA.

"Problemgruppe" Buben

Rohrmann sieht zwei Phänomene, aufgrund derer Buben seit einigen Jahren der Stempel "Problemgruppe" aufgedrückt wird: Ein Teil von ihnen gehört tatsächlich zu den Bildungsverlierern, was, wie er hervorhebt, aber nicht mit dem Geschlecht zusammenhänge. Es sei vielmehr erklärbar durch zusätzliche Faktoren wie die Herkunft aus bildungsfernen Milieus oder Migrationshintergrund.

Der zweite Grund ist laut dem Forscher, der an der Uni Innsbruck am Institut für Erziehungswissenschaften an einem Projekt zum Thema "Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern" arbeitet, die Änderung des Systems: "Die Leistungserwartungen haben sich verändert und tendenziell kommen die Mädchen in bestimmten Schulformen anscheinend besser damit zurecht." Dabei könne auch mitspielen, dass Mädchen aufgrund ihrer typischen Sozialisierung öfter in die Rolle des "braven" Schülers passen.

Geschlechtergerechte Förderung problematisch

Eine spezielle Förderung nach Geschlechtern findet Rohrmann generell problematisch. So hätten etwa beim Lesen viele Buben Probleme, es gebe aber auch viele Spitzenleser - eine generelle Leseförderung von Buben würde demnach wenig Sinn machen. "Nach dem Gießkannenprinzip zu fördern bringt nichts." Man brauche einen genauen Blick und müsse zusätzlich berücksichtigen, ob die Schüler Migrationshintergrund haben, aus bildungsfernen Schichten kommen, etc..

Eine zeitweise Aufhebung der Koedukation, wie sie manche Bildungsexperten zur Behebung geschlechterspezifischer Lerndefizite fordern, ist aus Rohrmanns Sicht ein zweischneidiges Schwert. Der Nutzen sei bisher nicht bestätigt, Experimente und Studien hätten völlig unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Auf der Plusseite steht laut Rohrmann, dass der Unterricht in gleichgeschlechtlichen Gruppen ohne Frage in einer Art Schutzraum stattfinde, gleichzeitig bestehe dabei aber die Gefahr, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder gar Klischees verstärkt werden.

Gerade beim gemischten Unterricht würden allerdings ebenfalls bestimmte Verhaltensweisen verstärkt, die eigentlich durch die Koedukation wegfallen sollten. So würden etwa Mädchen bei technischen Fragen dem anderen Geschlecht vorschnell das Feld überlassen, während Buben bei als weiblich geltenden Kriterien (Schönschreiben etc.) mangels Hoffnung auf Erfolg das Handtuch werfen. Hinweise darauf, dass die Mädchenförderung auf Kosten der Buben gegangen sein könnte, sieht Rohrmann nicht. "Schließlich haben die meisten Mädchen davon nicht einmal direkt etwas mitbekommen."

science.ORF.at/APA

Mehr zum Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • coll oder uncool

    bergbäuerin, vor 592 Tagen, 14 Stunden, 41 Minuten

    In Bubenkreisen gilt es als uncool, in der Schule gute Noten zu haben. Sie könnten, aber sie wollen nicht. Das ist aber erst seit der Koedukation so. Warum, das zu klären wäre die interessanteste Frage. Gibt es ein unbewusstes Bestreben von Burschen, sich von Mädchen unterscheiden zu wollen? Mann werden ist ein weiterer Weg als Frau werden. Wie kann die Schule den unterstützen?

  • :-)

    klausi025, vor 593 Tagen, 1 Stunde, 31 Minuten

    Und schon wieder so ein Artikel! Burschen wissen eben, wie man Erfolg im Leben hat. Eine Eins in Geschichte und Betragen gehört vielleicht NICHT dazu! ;-)

  • solala, vor 594 Tagen, 8 Stunden, 5 Minuten

    Würde sagen, die Ursache ist noch immer ein Rollenbild das jetzt für die Mädechn zum Vorteil wird.

    Das beginnt schon bei der Werbung, auch Männer brauchen Wartung, oder jenem Bild des Lebensmitelhandels, Frauen essen Gemüse Männer Wurscht und Fleich...

    Interessanter wäre schon ob das auch der Fall ist bei Migrationshintergrund und welche Rolle hier Religionen spielen, bzw. ob die höhere Stellung von Buben in dieser Gesselschaftsordnung und deren Erwartung in der fmailie nicht genau zum Gegenteil führt von dem was eigentlcih erwartet wird weil die erwartte Leistung und der damit verbundene Leistungsdruck dann zum "versagen" führt...

    • :-)

      klausi025, vor 593 Tagen, 1 Stunde, 28 Minuten

      Es kann nicht jeder ein Genie sein. Nur gibt es viele Berufe für Burschen ohne Hirn aber mit kräftigen Armen *ggg* ... bei Frauen fällt mir nur noch eine Tugend ein, auf die sie dann bauen, die sich mit den Jahren schnell abnützt! *ggg*

  • Desinteresse beim Lesen

    hardy, vor 594 Tagen, 10 Stunden, 39 Minuten

    Hat schon jemand darüber nachgedacht, was man den Buben zum Lesen vorsetzt. Bei meinen Kindern waren es Texte von Sonne, Blümchen und Tierchen. Sachen für die sich Buben interessieren fehlen Vollständig. Ich denke, dass bei Texten über Maschinen, Motoren, Autos, Computer, Wettkämpfe, Games... die Buben auch mehr Interesse am Lesen zeigen würden. So spricht z.B. (nach meiner Erfahrung) das Thema Dinosaurier sowohl Madchen wie Buben an. Hier geht es um Grösse und Stärke (->Buben) und um Natur, Tiere, das Leben (->Mädchen).

    • jim99, vor 594 Tagen, 4 Stunden, 39 Minuten

      Motoren? Autos?? Wettkämpfe??? Ist das dein Ernst? Damit stellst du dich gesellschaftlich völlig ins Out. Schlag das mal auf einer Lehrerversammlung vor. Die lynchen dich an Ort und Stelle.

    • jim99,

      xx13, vor 594 Tagen, 2 Stunden, 49 Minuten

      darum sollte es im artikel gegangen sein - ich habe ihn wie üblich nicht gelesen.

      aber das ist exakt das problem, dass vertro... jungf... als volksschullehrerinnen und kindergartenpädagoginnen (ohne großem binnen-i - die männer in diesen berufen eingeschlossen) unsere kinder erziehen - friede, freude, eierkuchen...

    • obwohl dein lynch-einwand

      xx13, vor 594 Tagen, 2 Stunden, 33 Minuten

      nicht einer gewissen ironie entbehrt ;-)

    • balon, vor 593 Tagen, 23 Stunden, 3 Minuten

      Das wichtige ist das Interesse zum Lesen zu wecken. Das geht am besten mit jenen Themen, die das Kind interessiert.

      Also nicht durch Vorsetzen, sondern durch Ausprobieren was passt, und dann dazu vertiefende Literatur.

      Somit ist das Problem ganz einfach gelöst.

      Wenn das die Schule nicht leistet, muß man das selber machen ...

    • slartibartfast, vor 593 Tagen, 14 Stunden, 33 Minuten

      in einer kleineren buchhandlung hab ich bei den kinderbuechern ein regal mit "buecher fuer maedchen" gesehen. als ich die verkaeuferin gefragt hab, wo denn die "buecher fuer buben" sind, hat die mich angschaut, als kaeme ich von einem anderen stern: "sowas hamma ned".

    • jedi, vor 593 Tagen, 12 Stunden, 11 Minuten

      Ganz klarer Fehler! Hättest nach BubInnen fragen müssen!!

    • jim99, vor 593 Tagen, 3 Stunden, 2 Minuten

      Naja. Wahrscheinlich war der ganze Rest für die Buben.