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Eines der Fossilien unter dem Tomographen

2 Milliarden Jahre alte Fossilien von Mehrzellern

Vor zwei Milliarden Jahren bevölkerten vor allem Einzeller die Erde, wie etwa Bakterien. Es gab aber auch schon mehrzellige Organismen. Forscher haben nun die vermutlich frühesten Beweise für Mehrzelligkeit gefunden.

Paläoontologie 01.07.2010

Die Fossilien, die eine Gruppe um Abderrazak El Albani vom Hydrasa-Labor der Université de Poitiers in einer aktuellen Studie vorgestellt haben, stammen aus dem westafrikanischen Staat Gabun und sind 2,1 Milliarden Jahre alt.

Mehrfach entstanden

Bakterien und andere einzellige Organismen existieren seit rund 2,5 Milliarden Jahren. Sichtbares Leben im heutigen Sinne mit Tieren und Pflanzen hat sich erst nach der Kambrischen Explosion vor rund 540 Millionen Jahren entwickelt. Aber schon davor, im Präkambrium haben sich Organismen gebildet, die aus mehreren Zellen bestanden; Biologen gehen davon aus, dass diese Entwicklung über einen Zeitraum von eineinhalb Milliarden Jahre mehrfach eingetreten ist, sich evolutionär aber nicht durchsetzen konnte.

Wie das genau vor sich gegangen ist, ist größtenteils unklar, denn Fossilien aus dieser Urgeschichte des Lebens sind äußerst selten. Umso spannender sind die Funde, die El Albani und Kollegen im Südosten von Gabun in schwarzem Schiefergestein gemacht haben. Die fossile Lagerstätte in der Nähe der Stadt Franceville hat bereits 250 gut erhaltene Dokumente der Urgeschichte freigegeben, weitere werden vermutet.

Wie ohrenförmige Kekse

Virtuelle Rekonstruktion der äußeren (links) und inneren (rechts) Morphologie einer der Fossilien.
Virtuelle Rekonstruktion der äußeren und inneren Morphologie einer der Fossilien.

Oberflächlich betrachtet schauen die bis zu zwölf Zentimeter großen Fossilien aus wie ohrförmige Kekse mit ausgefransten Enden und einer klumpigen Mitte (links). Unter dem Blick eines hochauflösenden Mikrotomographen zeigte sich aber eine radiale, folienartige Struktur im Inneren (rechts).

Die fossilien Überreste der Mehrzeller-Kolonien.

Die fossilen Überreste der Markoorganismen-Kolonien.

Weitere Analysen ließen darauf schließen, dass der Kohlenstoff des fossilen Gewebes durch biologische Prozesse entstanden sein musste. Das Mineral Pyrit, das den Organismus ersetzt hat, wurde durch Bakterien gebildet, die sich eher von Sulfaten als von Sauerstoff ernährt haben. Die Organismen selbst dürften in flachem Ozeanwasser mit freiem Sauerstoff gelebt haben.

Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des mehrzelligen Lebens bereits benannt: Sauerstoff. "Great Oxidation Event" nennen Forscher deshalb ein Ereignis, das sich vor rund 2,4 Milliarden Jahren abgespielt hat. Während die Erdatmosphäre zu Urzeiten zum Großteil aus Wasserdampf, Kohlendioxid, Ammoniak und Methan bestanden hatte, schwenkte sie zu diesem Zeitpunkt in Richtung mehr Sauerstoff.

Urgeschichte umschreiben

Die radiale Struktur der Fossilien interpretieren die Forscher als Beweis für koordiniertes Wachstum. Gemeinsam mit ihrer Komplexität spreche dies für eine Kolonie multizellulärer Organismen. "Auch wenn wir ihre genaue Natur und Verwandtschaft nicht bestimmen können, halten wir sie für historische Repräsentanten vielzelligen Lebens, das sich erst eineinhalb Milliarden Jahre später so rasch ausgebreitet hat", schreiben sie in ihrer Studie.

Sollte die Interpretation der Forscher zutreffen, würden sie die Urgeschichte des Lebens umschreiben. Die ältesten gesicherten Fossilienfunde von Bakterien sind kaum älter als jene von El Albani und seinen Kollegen, die bisher ältesten Funde makroskopischer Vielzelligkeit waren 200 Millionen Jahre jünger.

"Ohne ihren geologischen Zusammenhang hätte man die Funde vermutlich ignoriert", schreiben Geowissenschaftler der Universität Bristol in einem "Nature"-Begleitkommentar. "Aufgrund ihres Alters und der Tatsache, dass man sie mit freiem Auge sehen kann, sind sie aber äußerst erstaunlich."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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Forum

 
  • und die Forscher waren vor 2 Mrd jahren ja selbst dabei....

    ceterumputo, vor 592 Tagen, 12 Stunden, 50 Minuten

    Deswegen wissen sie das so genau.

  • Einige interessante Links:

    karl273, vor 592 Tagen, 13 Stunden, 37 Minuten

    Schleimpilze leben abwechselnd als Einzeller und als Mehrzeller.

    Das tut der Mensch zwar auch, aber der Mensch befindet sich nur sehr kurz im Stadium des Einzellers.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dictyostelium_discoideum

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schleimpilze

    Auch die Prokaryoten, also die Bakterien und die Archaeen, bilden hartnäckig anhaftende Biofilme:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Biofilm

    • Was ist es?

      karl273, vor 592 Tagen, 9 Stunden, 24 Minuten

      Pflanze, Tier, Pilz, oder Flechte?

    • Symmetrien

      karl273, vor 592 Tagen, 9 Stunden, 14 Minuten

      Auf Oberflächen bewegliche Objekte sind deshalb bilateral symmetrisch, weil es oben und unten, sowie vorne und hinten gibt.

      Links und rechts kann ungefähr das gleiche passieren.

      Auf Oberflächen ruhende Objekte sind deshalb rotationssymmetrisch, weil es nur oben und unten gibt.

      Rundherum kann ungefähr das gleiche passieren.

      Ausser, es gibt eine vorwiegende Strömungsrichtug von Luft oder Wasser.

      Dann bewegt sich das Lebewesen aber relativ zu seiner Umwelt.

      Die den Ohren ähnliche Form ist etwas schwerer zu erklären.

      Ein bilateral symmetrisches Lebewesen, das immer im Kreise kriecht?

  • @scienceredaktion

    bravenewone, vor 592 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

    "Sichtbares Leben im heutigen Sinne mit Tieren und Pflanzen hat sich erst nach der Kambrischen Explosion vor rund 540 Millionen Jahren entwickelt."

    Nicht ganz, zumindest seit der Ediacara Biota gibt es differenzirte Lebewesen im heutigen Pflanzen oder Tiersinn.

    Steht auch bereits auf wikipedia.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ediacara-Fauna

    Also seit min. 580 Mio a - vermutlich jedoch bereits seit 600 Mio a oder sogar ein wenig mehr

    MFG

  • der liebe gott

    schiachahunt, vor 592 Tagen, 15 Stunden, 13 Minuten

    hat auch einmal klein angefangen!

    • pumpernella, vor 592 Tagen, 15 Stunden, 2 Minuten

      ...und bis jetzt net viel weitergebracht...

    • paradeiser, vor 592 Tagen, 14 Stunden, 20 Minuten

      Aber er korrigiert seine Fehler:
      Er hat den Menschen gemacht und dieser wird schon dafür sorgen,daß unser Planet wieder in seinen Urzustand zurückverwandelt wird

    • topspin, vor 592 Tagen, 14 Stunden, 12 Minuten

      und am 7. Tage schuf er den Menschen, bei einer 38 Stunden Woche wär ihm das nicht passiert

    • blabussi, vor 592 Tagen, 13 Stunden, 49 Minuten

      in der bibel heisst es "am sechsten tag schuf gott den mensch"

      richtiger müsste es heissen: "am sechsten tag wird gott den mensch schaffen"

      die biblischen tage sind nach göttlichen maßtäben millionen von jahren, und mit etwas glück sind wir grad mitten drinn im sechsten tag kurz nachdem die ersten lebewesen erschaffen wurden. bis zum menschen dauerts noch etwas...

      und nein ich nehm nicht ernst was ich hier von mir geb

    • lena47, vor 591 Tagen, 11 Stunden, 29 Minuten

      lt. Chronologie der Bibel leben wir noch in diesem siebenten Tag lt. 1.Mose 2:2,3;

    • lena47, vor 591 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

      bzw. dieser Tag hat noch nicht geendet.