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Vordergrund: Gesicht eines Nigerianers.
Im Hintergund: eine Gasfackel im Nigerdelta.

Umweltkatastrophe im Nigerdelta

Im Nigerdelta spielt sich seit Jahrzehnten eine Umweltkatastrophe ab, die jener im Golf von Mexiko um nichts nachsteht: Auslaufendes Öl zerstört lokale Ökosysteme und macht die ansässige Bevölkerung krank.

Ölpest 14.07.2010

"Wir sterben"

Nach einem internationalen Bericht aus dem Jahr 2006 verschmutzten in den vergangenen 50 Jahren bis zu 1,5 Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem in der westafrikanischen Region. Das entspricht rund 50 Mal der Menge, die 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

Der Fischer Gaagaa Giadom kommt heute mit leeren Händen nach Hause, obwohl er zwölf Stunden flussabwärts gefahren war. "Ich fahre raus, aber ich fange nichts", sagt der 60-Jährige. Der 40-jährige Mike Vipene meint: "Auch die Erde ist hier nicht mehr fruchtbar.

Verschmutzungen durch auslaufendes Öl gibt es seit 20 Jahren, aber sie werden immer schlimmer. Und wir atmen das ein, jeden Tag, und es macht uns krank." Peter Le-ele, ein örtlicher Stammesführer, bestätigt: "In unseren Flüssen fließt nur Öl. Unsere Fische sterben, unsere Ernten sterben, wir Menschen sterben."

Jeden Tag eine Ölpest

In den vergangenen Jahren lief nach Regierungsangaben durchschnittlich 300 Mal pro Jahr, also fast jeden Tag, irgendwo im Delta Öl aus, ob an Anlegebrücken, aus Pipelines oder von Bohrinseln. "Die Situation im Nigerdelta ist die schlimmste auf der ganzen Welt, schlimmer als die im Golf von Mexiko", sagt Kingsley Chinda, Umweltbeauftragter des Bundesstaates Rivers.

"Luft, Gewässer und Böden sind verschmutzt, gute Geschäfte gründen hier auf Verschmutzung." In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung sank auf 40 bis 45 Jahre, im Rest des Landes ist sie zehn Jahre höher.

Hunderte Orte kontaminiert

Auf einem Markt in Bodo feilschen Händler und Kunden um kleine Krabben und winzige Tilapia-Fische. "Das Öl hat alles verdorben, der hier kommt aus dem Ausland, aus Kamerun", sagt Theresa Kembe und zeigt auf den importierten Fisch, den sie gerade kaufen will.

"Potenziell sind eine Menge Ogonis von der Kontaminierung betroffen", bestätigt Michael Cowing vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), das die Verschmutzung wissenschaftlich untersucht. "Es gibt hunderte kontaminierte Orte, eine kleine Zahl davon stellt eine beträchtliche Gefahr für die Gesundheit und die Umwelt dar."

Sabotage und illegale Leitungen

Weil die breite Mehrheit vom Ölreichtum des Landes und damit von 80 Prozent der Staatseinnahmen nicht profitiert, richten viele Nigerianer ihre Wut gegen die Ölmultis Shell, Chevron, ExxonMobil und Total. In Kegbara-Dere bei Bodo stand kürzlich ein Bohrloch in Flammen. "Tage- und jahrelang verschmutzt Öl von Shell unser Land, und wir profitieren nicht von den Gewinnen", klagt der junge Arbeitslose Dinebari Abah.

Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten prangern seit langem Nachlässigkeiten der Ölindustrie an. Der britisch-niederländische Konzern Shell betont jedoch, mehr als 70 Prozent der Lecks entstünden durch Sabotage und illegales Anzapfen der Pipelines. Erste Ergebnisse der UNEP-Studien untermauern dies.

Der Umweltbeauftragte Chinda sieht die Schuld bei Industrie, Anwohnern und Behörden. Denn die ausländischen Unternehmen arbeiten in Joint Ventures, die mehrheitlich dem nigerianischen Staat gehören.

Susan Njanji und Sophie Mongalvy, AFP

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Forum

 
  • Gääähn!

    bergaufbremser, vor 578 Tagen, 3 Stunden, 44 Minuten

    Das Nigerdelta ist weit und geht mir übrigens voll am A***h vorbei!

  • intirius, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten

    Sorgt doch eifnach dafür das Öl nicht mehr am Dollar hängt.
    Dann würds mal richtig abgehen...

  • holdudiladio, vor 578 Tagen, 10 Stunden, 38 Minuten

    Aber wehe der Sprit wird mal um 1 cent teurer... Dann jammern wir mehr, als wir über solche Tragödien je jammern werden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Andrerseits sehe ich es als Aufgabe der Medien, über solche Dinge mehr zu berichten und weniger über das Gejammere der Autofahrerclubs...

    • himerus, vor 578 Tagen, 10 Stunden,

      Fair Trade sollte nicht nur Bananen und Orangen importieren, sondern auch Erdöl...

    • Das Nigerdelta interessiert mich Nüsse!

      bergaufbremser, vor 578 Tagen, 3 Stunden, 47 Minuten

      Für mich ist nur ein günstiger Spripreis wichtig!

    • holdudiladio, vor 577 Tagen, 7 Stunden, 14 Minuten

      Dir würd ich sowas, wie die dort unten haben, vor der Haustüre wünschen!

    • @holdudler

      bergaufbremser, vor 577 Tagen, 5 Stunden, 14 Minuten

      Ich wohne aber nicht im Nigerdelta, und daher geht mir alles, was dort abgeht, sowas von "am A***h vorbei"!
      Man kann sich schlußendlich nicht um "alles" kümmern!
      So what?

    • holdudiladio, vor 577 Tagen, 4 Stunden, 58 Minuten

      Deine provozierenden Aussagen kannst du dir sonst wohin... Ich hab alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt.

  • das laeuft seit jahrzehnten schon so

    iggi, vor 578 Tagen, 16 Stunden, 35 Minuten

    und es ist gut einmal zu lesen was sabotage und leitungsanzapfen vor ort anrichten, anstatt alle schuld immer simplistisch den KONZERNEN zu geben.

    • manfredvogl, vor 578 Tagen, 12 Stunden, 50 Minuten

      Oder wer da was bzw. wessen Ressourcen anzapft ... ?!!

      http://www.youtube.com/watch?v=I9l3JyV2DEI

    • *sick*

      fenris79, vor 578 Tagen, 11 Stunden, 44 Minuten

      - stehlen wir den Leuten ihre Ressourcen
      - unterdrücken sie
      - beliefern sie mit Waffen so das die örtlichen Konflikte eine Regierung nicht möglich machen.
      - und schlussendlich geben wir ihnen die Schuld für ein Problem das sie gar nicht hätten wären wir nicht dort

      Und jetzt behaupte ein punkt von oben ist nicht wahr.

      Außerdem sind die 70% eine Angabe von Shell, und das die Leitungen XX Jahre alt sind ist auch noch zu erwähnen.

    • nix davon is wahr, fenris79

      iggi, vor 578 Tagen, 11 Stunden, 16 Minuten

      - niemand stiehlt, wer bohren will muss dafuer zahlen.. ausserdem ist der staat miteigentuemer an projekten wie zu lesen steht.

      - waffen hin oder her, es GIBT dort seit vielen jahrzehnten eine regierung, sogar eine sehr stabile (militaerregierung)

      - waeren 'wir' nicht dort, tja - sabotage und anzapfen ist auch bei wasserleitungsprojekten in afrika ein chronisches problem: alles 'unsere' schuld ?

      ist mir zu oberflaechlich, deine kolonialkritik.

    • bravenewone, vor 578 Tagen, 7 Stunden, 33 Minuten

      @iggi: du wirfst anderen Oberflächlichkeit vor? Das ist witzig, sehr sogar.

      Wie Ölkonzerne an Sicherheitsmaßnahmen sparen weiß man schon lange, nicht erst seit deepwater horizon, es liegt ja in der NAtur, dass man Kosten minimiert. So und jetzt nehmen wir einmal ein Land wie Nigeria - arm und dadurch völlig korrupt (Nein korruption ist kein afrikanisches Phänomen). Dementsprechend dürften sich die Umweltstandards dort gestalten - die werden im Prinzip von den Konzernen vorgegeben (ja das Wort Lobyying dürftest auch schon einmal gehört haben). Und jetzt sei bitte nicht so naiv und behaupte Firmen würden das nicht machen, das macht bereits jede Provinzfirma bei uns in Ö wenn sie was vom BM oder LH will.
      Und zu behaupten die gesamte Umweltverschmutzung ginge auf Sabotage zurück ist mehr als nur lächerlich.

    • bravenewone, vor 578 Tagen, 7 Stunden, 21 Minuten

      So hat Shell in diesem Fall mit deiner ach so hochgeschätzen Militärdikatur zusammengearbeitet (=gekauft, finanziert). Der nette General Abacha hat dann die für Shell unliebsamen Bewohner vertrieben/massakriert. Toll nicht, und Shell hat damit gar nichts zu tun. Nein, nein, alles nur die bösen Afrikaner...

      Oh und manschmal kommen die Buschmänner, dann doch auf die Idee sie könnten Gesetze gegen den Willen so mancher Konzerne machen. So wie in Nigeria: Da verbietet doch der Oberste Gerichtshof einfach das Abfackeln des nicht genutzten Gases. Was macht man als nette Firma: Richtig: Ignorieren, weiter Anfackeln und gegen das Gesetz vorgehen.

    • ich habe nicht behauptet

      iggi, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 58 Minuten

      die gesamte verschmutzung entstuende durch sabotage wie du mir vorwirfst, also wer ist jetzt oberflaechlich ?
      "70 Prozent der Lecks entstünden durch Sabotage und illegales Anzapfen der Pipelines" sagt der Shell-Mann, und laut Artikel bestaetigt das die UNEP.

      militaerdiktatur war nicht geschaetzt, sondern als argument gegen die verwirrte behauptung gebracht, waffenlieferungen (von wem)?) wuerde regierungsbildung dort unten verhindern. was wurde aus der vom westen finanziell und diplomatisch unterstuetzen demokratie nach sturz der militaerregierung 1998(?) - nicht viel wie man sieht, und jetzt ist der Islam am vormarsch 'unsere' schuld ?

      wieviel oelfirmen an sicherheitsmassen einsparen oder nicht weisst du genauso wenig wie ich. wieso liebt es der westen so, sich selbst anzuschei..en? Was ist mit den Umweltpraktiken der Chinesen in Afrika? Wozu sollte ein Oelkonzern heute in neue Infrastruktur investieren (die dringend hergehoert) wenn von heute auf morgen nigerien ein islamischer gottesstaat sein kann, oder eine neue regierung vertraege storniert und an china vergibt, wie neulich in einem anderen afrikanischen land geschehen. kein schwein investiert auch nur peanuts in nigerien heute und WIR SIND SCHULD ?

    • bravenewone, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 51 Minuten

      gut, dass du wunderschön pauschalisierst. Ich habe nie von einer kollektiven Schuld gesprochen.
      Und zwecks Islam - est ist einerlei ob Islam oder Christentum, es dient immer nur radikalen Fanaten als Vorwand Macht zu erlangen - siehe Lord’s Resistance Army etc.

      Man könnte sich jetzt fragen warum ausgerechnet große Teile Afrikas so gesellschaftlich neahcteiligt sind. Nein, nicht weil Afrikaner, sowie du das vermutlch annimmst einfach unfähig sind (mehr will ich dir hier auf jeden Fall nicht nachsagen). Und ja es hat etwas mit dem europäischen Imperalismus zu tun.

    • dass ich

      iggi, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 39 Minuten

      annehme Afrikaner waeren unfaehig, kann man zwischen meinen zeilen heraushalluzionieren, das hast du recht.

      aber ins 1000ste gehe ich jetzt nicht: ich applaudierte zum ungewoehnlichen ereignis einer detaillierten analyse eines umweltproblems - welches einer gewissen fraktion der umweltbewegung nicht passt wie man sieht - und dabei bleibts ;-)

    • bravenewone, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 26 Minuten

      Ich, ein Teil dieser "Umweltbewegung"? Das ist ziemlich lächerlich. Am Ende behauptest noch ich sein einer der greenpeace kasperln

      Vieleicht sollest mal überlegen, ob nicht pauschal jedem, der dir widerspricht in die "Ökokategorie" steckst?

      Und ein Tipp (ernstgemeint): Es lohnt sich zu überlegen warum gerade die ehemaligen afrikanischen Kolonien heute so schlecht dastehen. Gerade im Vergleich zu den ehemaligen asiatischen.

    • bravenewone, vor 578 Tagen, 6 Stunden, 23 Minuten

      Und dann kann man noch Parallelen mit so manchem instabilem ex Sowjetland ziehen - in denen teils ähnliche Zustände herrschen.

      Danach wirst auch verstehen warum in Afrika Korruption, Kriminalität etc. leider die logische Folge sind

    • also bitte,

      iggi, vor 578 Tagen, 5 Stunden, 44 Minuten

      substituiere fuer 'umweltbewegung' die definition 'die menge aller menschen denen die umwelt nicht egal ist', oder bringt das neue probleme ? manche dieser menschen sind eben eher ideologisch orientiert, andere technisch. auch ist "Öko" fuer mich kein schimpfwort da ich mit dieser wissenschaft aufgewachsen bin zu einer zeit als sie noch ziemlich unbeachtet und ideologisch unbelaestigt von biologen, mathematikern und programmierern betrieben wurde ;-)

  • Warum ignorieren die Mohren, daß unser Öl, wenn ...

    manfredvogl, vor 579 Tagen, 3 Stunden,

    ... dann nur zur Rettung UNSERER Wirtschftssysteme (Währungen), gleich dem Rahm bei der Milch, abgeschöpft werden darf!
    Schließlich haben wir ihnen bereits vor hunderten Jahren Kultur gebracht!

    Ist das der Dank???

    Ich könnte mich ankotzen bei dem Gedanken, daß bei uns Westlern das Bewußtsein für die Verantwortung dafür, gegen Zweitwagen und Drittfernseher eingetauscht worden ist.

    • bravenewone, vor 579 Tagen, 51 Minuten

      ich würde mal das Wort "eingetauscht" kritisieren, um etwas eintauschen zu können, muss man es erstmal besitzen

      ;-)

    • manfredvogl, vor 578 Tagen, 18 Stunden, 24 Minuten

      Die Besitzlosen - auch unter uns in €uropa - werden nicht gefragt!

  • Shell, Chevron, ExxonMobil und Total

    manfredvogl, vor 579 Tagen, 3 Stunden, 5 Minuten

    Daß die mal genannt werdn - HUT AB!!!

    • die sauerei

      mantispa, vor 579 Tagen, 2 Stunden, 26 Minuten

      ist seit vielen jahren bekannt. zb. brachte das us-national geogr. magazine vor monaten einen krit. artikel. hats was gebracht? nee.