
Ein Krater namens Kamil
Gut erhalten
Zur Studie
Der Text "The Kamil Crater in Egypt" ist online in "Sciencexpress" erschienen (doi).
Informationen zu weiteren Kratern findet man in der Earth Impact Database des Planeten- und Weltraumforschungszentrums der Universität New Brunswick in Kanada.
Laut dieser Datenbank ist der Haviland-Krater in Kansas mit 15 Metern Durchmesser der kleinste bisher bekannte; der größte ist der Vredefort-Krater in Südafrika mit einem Durchmesser von 300 Kilometern.
Eine makellos, strahlenförmige Struktur – so beschreiben Luigi Folco von der Universität Siena und seine Kollegen den erst letztes Jahr im Süden Ägyptens entdecken Krater. Denn dass die Einschlagstelle derart gut erhalten bleibt, ist selten bei kleinen Kratern. Im Normalfall sind sie bereits stark erodiert. Zudem sind kleine Krater selten. Bisher hat man nur 15 von ihnen gefunden, die weniger als 300 Metern Durchmesser haben –und das bei weltweit immerhin fast 200 Kratern, die bisher entdeckt worden sind.
Entdeckt hat den Krater Vincento De Michele vom italienischen Institut für Edelsteinkunde mittels Google Earth. Benannt hat Michele den Krater nach dem in der Nähe der Einschlagstelle gefundenen Meteoriten Gebel Kamil. Heuer im Februar hat sich eine Gruppe von Forschern auf den Weg gemacht, um den Krater näher zu untersuchen. Jetzt haben sie die Ergebnisse veröffentlicht.

Mit 64.000 Kilometern pro Stunde
Der Meteor war ein Eisenmeteorit aus der Gruppe der nickelreichen Ataxite. Über 5.000 Stücke des Meteoriten haben die Wissenschaftler in und um den Krater entdeckt. Der Krater selbst ist 16 Meter tief und mit sechs Meter Gestein gefüllt.
Der Meteorit hatte beim Aufprall vermutlich einen Durchmesser von 1,3 Metern, eine Masse von etwas mehr als neun Tonnen und dürfte mit einer Geschwindigkeit von 3,5 Kilometern pro Sekunde eingeschlagen sein. Das war noch verhältnismäßig langsam: In die Atmosphäre eingetreten ist der Meteorit wahrscheinlich mit 18 Kilometern pro Sekunde, also mit 64.800 Kilometern pro Stunde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er auch noch eine Masse von 20 bis 40 Tonnen.
Im Flug nicht zerfallen

Aufgrund der Ergebnisse zum neu entdeckten Krater müssen wahrscheinlich einige Punkte in geophysikalischen Modellen umgeschrieben werden. Bisher ging man nämlich davon aus, dass Eisenmeteorite mit einer Masse von weniger als 3.000 Tonnen in der Atmosphäre förmlich zerbröseln. Der Meteorit, der den Kamil-Krater verursacht hat, dürfte aber unfragmentiert auf der Erde gelandet sein – Masse hat er aufgrund der hohen Reibung allerdings sehr wohl verloren.
Ähnliches hat man auch schon an anderen Kratern beobachtet, wie etwa dem Whitecourt-Krater im kanadischen Alberta ("Geology", 2008, Bd. 36, S. 955). Circa 35 Prozent solcher kleiner Eisenmeteorite dürften laut Folco und seiner Kollegen im Ganzen die Erdoberfläche erreichen.
Vernachlässigte Gefahr und unbekanntes Alter
Laut Folco ist dieses Wissen entscheidend, um die Gefahr abzuschätzen, die von solchen Meteoriten ausgeht. Immerhin würde alle paar Jahrzehnte ein Meteorit in dieser Größe auf die Erde treffen: "Viele Wissenschaftler schauen gerne auf den 'big impact', aber die Bedrohung durch diese kleinen Meteoriten wird meist vernachlässigt."
Die dringlichste Frage für die weitere Arbeit ist laut Folco, den Zeitpunkt des Einschlags genau zu bestimmen. Bisher weiß man nur, dass das Ereignis im Holozän, also circa den letzten 10.000 Jahren stattgefunden hat.
Mark Hammer, science.ORF.at
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