
EU: Erstmals mehr als 500 Mio. Einwohner
Hauptfaktor: Migration
Geburten, Sterbefälle und der Saldo von Zu- und Abwanderung - diese Faktoren bestimmen normalerweise die Veränderungen in der Bevölkerung. Bei der EU kommen noch die verschiedenen Erweiterungsphasen hinzu.
Fest stehe, dass der Hauptgrund für Bevölkerungswachstum im Migrationsgewinn von außerhalb der Union liegt, betont Studienautor Wolfgang Lutz, Direktor des Instituts für Demografie der Akademie der Wissenschaften. Dieser Migrationsgewinn sei allerdings zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise zurückgegangen.
Deutlich stärker als die USA gewachsen
Daten online
Ein Vergleich mit den USA drängt sich auf: Denn die Vereinigten Staaten hatten im Jahr 1954 exakt so viele Einwohner wie zum selben Zeitpunkt die Gründungsmitglieder der EU - nämlich 163 Millionen. 2007 überschritt schließlich die USA die 300 Millionen-Grenze, während die EU durch den Erweiterungsprozess wesentlich schneller gewachsen ist und 2010 mit einer halben Milliarde Einwohner rund 7,3 Prozent der Weltbevölkerung stellt.
Nationale Statistiken
In Sachen Bevölkerungswachstum ist die Türkei im europäischen Großraum mit einem Plus von 30,2 Prozent zwischen 1990 und 2010 klarer Spitzenreiter. Auf Rang zwei liegt Irland mit plus 27 Prozent. Schlusslichter mit minus 15,7 bzw. minus 14,7 Prozent sind Lettland und Estland sowie Bosnien-Herzegowina mit minus 14,5 Prozent. Österreich liegt mit plus 9,6 Prozent im vorderen Mittelfeld.
Laut Prognosen, die für 2060 eine Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen voraussagen, wird die EU an Boden verlieren. Dann wird die gesamteuropäische Bevölkerung - also inklusive Türkei, Russland und dem Kaukasus - 7,3 Prozent betragen.
Bis 2030, so schätzen die Demografen, werden in der EU 528 Millionen Menschen leben. Der Zuwachs dürfte allerdings größtenteils auf Migration aus Ländern außerhalb der Union zurückzuführen sein.
Die Russische Föderation wird dann mit 133 Millionen Einwohnern (minus acht Millionen im Vergleich zu 2010) zwar immer noch Nummer eins in Europa sein, doch Platz zwei mit 85,5 Millionen (2010: 71,5) gehört der Türkei, die Deutschland mit 81 Millionen (2010: 82 Mio.) überholt haben wird.
Österreich wächst langsam
Österreich wächst offenbar gemächlich, aber doch: In den kommenden 20 Jahren steigt die Einwohnerzahl von 8,4 auf 9,1 Millionen. Auch für die Alpenrepublik gilt: Zuwachs ist nur mit Zuwanderung zu erzielen. Ohne Migration würde die Bevölkerung auf 8,3 Millionen sinken. Die Zahl der Geburten übertraf im Jahr 2008 jene der Sterbefälle knapp (77.800 : 75.100), die Rate lag bei 1,41.
West-Ost-Gefälle
Der Westen Europas hat in den vergangenen 20 Jahren vor allem aufgrund von Zuwanderung stark an Bevölkerung zugelegt. Im Osten war genau der gegenteilige Trend zu verzeichnen; aber nicht nur wegen Abwanderung, sondern vor allem wegen dem markanten Geburtenrückgang.
Hatte Osteuropa in den 1980er Jahren bezüglich Geburten europaweit gesehen noch deutlich die Nase vorn, bilden die Länder des ehemaligen Warschauer Paktes heute das Schlusslicht in dieser Wertung. Österreichs "Fertilitätskurve" verlief von 1974 bis 2008 vergleichsweise gleichmäßig.
science.ORF.at/APA
Mehr zu diesem Thema:


