Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wie man die Unschärferelation umgeht"

Werner Heisenberg und seine Unschärferelation

Wie man die Unschärferelation umgeht

Deutsche und Schweizer Physiker haben eine Methode gefunden, mit deren Hilfe man das bekannte Heisenberg'sche Unschärfeprinzip umgehen könnte: Ein Quantenspeicher macht es - theoretisch - möglich.

Physik 26.07.2010

Messen und verschränken

In der sonderbaren Welt der Quanten ist es nicht immer möglich, zwei Messgrößen eines Teilchens unabhängig voneinander beliebig genau zu bestimmen. Je genauer man zum Beispiel den Ort kennt, an dem sich ein Elektron in Bezug zu seinem Atomkern befindet, desto ungenauer wird die Kenntnis über seinen Impuls - und umgekhert.

Diese so genannte Heisenberg'sche Unschärferelation lässt sich aber unter bestimmten Umständen aushebeln, wie die ETH Zürich mitteilte. ETH-Physiker haben nun mit Münchner Kollegen eine entsprechende Theorie im Fachblatt "Nature Physics" vorgestellt.

Zur Studie

The uncertainty principle in the presence of quantum memory, "Nature Physics", Online-Veröffentlichung (doi: 10.1038/nphys1734).

Die Grundidee: Man nehme eine Messung an einem Quantenobjekt vor, an einem Atom etwa, und verschränke den Messvorgang mit einem Quantenspeicher. Im Gegensatz zu den Speicherelementen handelsüblicher Computer wäre ein Quantenspeicher nicht gezwungen, Messergebnisse auf Nullen und Einsen "herunterzubrechen".

Er würde nämlich auch alle möglichen Werte zwischen 0 und 1 als Rechengröße anerkennen: "Wenn wir die Informationen eines Teilchens in einem Quantenspeicher sammeln, sind sie deshalb fundamental wertvoller als klassisch gesammelten Informationen" sagt Renato Renner, einer der Autoren der Studie.

Theorie an der Realitätsschwelle

Diese Quanten-Daten erlauben dann theoretisch beliebig genaue Voraussagen von Messgrößen - die Heisenbergsche Unschärfe würde damit beliebig klein. Bislang ist das Ganze zwar noch Theorie, eine Studie aus dem Jahr 2004 zeigt aber, dass man etwa mit Hilfe von Licht bereits einfache Quantenspeicher bauen kann. "Unsere Formel erlaubt zu quantifizieren, wie groß die Unschärfe in diesem Fall noch ist", sagt Renner.

Die Formel ließe sich auch verwenden, um die Tauglichkeit von Bausteinen für Quantencomputer zu bestimmen. Kann man nämlich mit so einem Baustein Messergebnisse erzielen, die jenseits von Heisenbergs Limit liegt, dann muss dieser notwendigerweise die "Quantensprache" verstehen.

science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • Unschärferelation umgehen ?

    eris, vor 661 Tagen, 22 Stunden, 39 Minuten

    Der Messvorgang beeinflusst das beobachtete Teilchen immer, und wenn das Teilchen sehr klein ist, wird es in Relation eben sehr stark beeinflusst, z.B. im Energiezustand, Ort usw.

    "Umgehen" kann man diese Wechselwirkung zwischen Beobachter und Objekt nur, indem man zum Messen immer schwächere Impulse einsetzt, bis das Teilchen fast nicht beeinflusst wird durch die Messung.

    Fast nicht ist aber nicht "NICHT beeinflussen".

    Schon bestimmte mittelalterliche Kloster-Universitäten lehrten (abgeleitet von den alten Griechen), dass ein "wahre". "dauerhafte" Erkenntnis von Naturgesetzen eigentlich NUR DORT möglich sei, wo NEUTRAL beobachtet wird (also OHNE dass die Beobachtungsperson einen - experimentellen, energetischen usw. - Eingriff setzt).

    Soweit diese Grundannahme stimmt, sind ALLE experimentellen Erkenntnisse IMMER VORLÄUFIGE Erkenntnisse. Und Heisenberg hat im Wesentlichen dafür die Erklärung ausgerechnet:

    Wir selber "hindern" uns am "objektiven Erkennen der Wahrheit", schon indem wir unsere Aufmerksamkeit auf ein Objekt richten, lenken.

    Was neue Messmethoden daran ändern könnten, ist eigentlich unklar.

    Das Wesentliche am Bericht dürfte eher sein, dass die Mini-Datenspeicher der Zukunft "menschlicher" (in ihren Reaktionen überraschender) werden, indem sie sensibler reagieren auf immer feinere Wechselwirkungen.

    Ob wir das Ergebnis dieser größeren Beeinflussbarkeit der Apparate dann mögen oder nicht, das wird eine subjektive Entscheidung...

    • eris, vor 661 Tagen, 22 Stunden, 39 Minuten

      das wird eine subjektive Entscheidung sein, ein Ergebnis von teils heiklen Lernprozessen.

  • da isser ja

    blabussi, vor 664 Tagen, 18 Minuten

    der heisenberg-kompensator :-)

    • jedi, vor 663 Tagen, 22 Stunden, 37 Minuten

      war auch mein erster gedanke...

  • Ein alternative Sichtweise,...

    neutrino, vor 664 Tagen, 17 Stunden, 19 Minuten

    der Heisenbergschen Unschärferelation,...

    http://www.alle24.de/archiv/15263.htm

    und folglich eines Tages werden wir vmtl. gebeamt werden, sobald alles exakt kontrolliert wird, bis zum letzten Atomteilchen,...;-)
    http://tinyurl.com/d6p6b2
    .:.

  • jim99, vor 664 Tagen, 18 Stunden, 27 Minuten

    Ich glaub, der Artikel ist nur verstehbar, wenn man den Sachverhalt vorher schon verstanden hat.

    • Ja, und eigentlich nichtmal dann

      hosenbeisser, vor 663 Tagen, 18 Stunden, 48 Minuten

      Der Artikel ist zu 99.99% zum wegwerfen. Gerade mal der letzte Satzpunkt ist brauchbar.