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Membran-Fette steuern Zelltod

Fette sind nicht nur wichtige Energieträger und Baustoffe im Körper. Sie steuern auch biologische Prozesse, etwa den Selbstmord von Zellen.

Zellbiologie 29.07.2010

Letzter Schritt zur Auflösung

Beate Boulgaropoulos vom Akademie-Institut für Biophysik und Nanosystemforschung (IBN) hat einen Mechanismus entdeckt, der beim programmierten Zelltod eine zentrale Rolle spielen könnte. Angelpunkt ist dabei die Zellmembran, die die lebenswichtigen Funktionsträger wie ein dünnes Häutchen umschließt - etwa 1000-fach dünner als ein menschliches Haar.

Eine Zelle stirbt nicht einfach zufällig, sondern erst dann, wenn sie das Signal dafür erhält. Die Arbeiten zeigten, dass der letzte Schritt des Zelltodes - wenn die Zellmembran durch Enzyme zerlegt wird und platzt - durch die Membran bzw. die sie aufbauenden Lipide selbst gesteuert wird.

Selbstorganisation der Moleküle

"Während die herkömmliche Zellbiologie Lipide nach wie vor als recht uninteressanten Kitt erachtet, der die Proteine als die Hauptfunktionsträger irgendwie zusammenhält, zeigen diese Arbeiten ganz klar, dass die Selbstorganisation der Lipide eine wesentliche Komponente biologischer Prozesse ist", erklärte Peter Laggner, Direktor des IBN.

Für die Experimente wurden künstliche Zellmembranen aus Phospholipiden nachgebaut und dem Enzym "Sphingomyelinase" ausgesetzt. Der damit eingeleitete enzymatische Umbauprozess wurde dann mittels Röntgenmethoden verfolgt.

Die Messungen lieferten den entscheidenden Hinweis: Der Umbau der Membranlipide durch das Enzym verändert die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Membranen so, dass sie die Aktivität des Enzyms selbst beeinflussen - ein Rückkoppelungsmechanismus also, der den Abbau der Membran streng kontrolliert.

Sterbehilfe für Krebszellen

Dieser Mechanismus bzw. seine Aktivierung könnte für die Zerstörung von Krebszellen, die keine Apoptose zeigen, sondern unkontrolliert weiterwuchern, von fundamentaler Bedeutung sein, sind die Wissenschaftler überzeugt. "Ziel ist es, dieses Wissen für die Entwicklung von Wirkstoffen einzusetzen, die Apoptose in Krebszellen auslösen", so Pabst.

Wenn die Zellen nicht zum Wohle des Organismus sterben wollen, dann müsse "man Sterbehilfe leisten". Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift "Biophysical Journal" als sogenanntes "Research Highlight" veröffentlicht.

science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • Sehr gute Forschungsleistung.

    alfredsinnegger, vor 38 Tagen, 3 Stunden, 50 Minuten

    Als auf die 70 zugehender, baldiger Erwerbslebenausscheidender, macht mich, in Hinblick auf die Rentenfinanzierungsdiskussion, der Satz: "Wenn die Zellen nicht zum Wohle des Organismus sterben wollen, dann müsse "man Sterbehilfe leisten", nachdenklich, obwohl ich natürlich weiß, dass dieser Satz bei Krebs zutreffend ist.

    • lena47, vor 38 Tagen, 3 Stunden, 36 Minuten

      könnzr man auch sagen, daß es einen Unterschied zw. künstl. Sterbeverlängerung und Lebensverlängerung gibt?

      Zelltod tritt auch u. a.dann ein, wenn das Enzym Telomer am Chromosomenende (das sich bei jeder zellteilung verkürzt) aufgebraucht ist.

    • lena47, vor 38 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten

      corr. könnte