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Die Füße von zwei schlafenden Menschen schauen unter der Bettdecke hervor

Schlafen "wie ein Stein"

Manche Menschen schlafen "wie ein Stein" - so dass selbst die sprichwörtliche Bombe einschlagen könnte, während andere beim geringsten Rascheln aufwachen. Einer Studie zufolge blockt das Gehirn der unerschütterlichen Schläfer störende Geräusche einfach ab. Sichtbar wird das durch ein charakteristisches Muster der Gehirnströme.

Schlafforschung 09.08.2010

Könnte man diese Aktivität gezielt steuern, wäre manchem schlechten Schläfer geholfen.

Schlafen muss sein

Nahezu ein Drittel unseres Lebens verbringen wir in schlafendem Zustand. Trotzdem ist bis heute nicht restlos geklärt, warum wir überhaupt schlafen. Es ist aber relativ sicher, dass wir schlafen müssen: Unsere psychische und körperliche Gesundheit leidet unter Schlafmangel bzw. Schlafentzug.

Abgesehen von zahlreichen krankheitsbedingten Schlafstörungen, die organische oder psychische Ursachen besitzen, gibt es noch eine Menge Umweltfaktoren, die die Schlafqualität beeinträchtigen können. Im städtischen Bereich ist das nicht zuletzt der Lärm: Tieffliegende Flugzeuge, Autoverkehr oder der zu laute Fernseher der Nachbarn zählen zu den zahlreichen Geräuschen, die einem am Ein- oder Durchschlafen hindern können.

Erstaunlicherweise werden manche Menschen davon kaum oder nur wenig gestört. Bei anderen reicht ein Knistern des Holzbodens und sie sind hellwach. Auch Ohrstöpsel helfen meist nur begrenzt, die akustischen Störungen auszublenden. Was gute Schläfer so resistent gegenüber Geräuschen macht, wollten die Forscher rund um Thien Thanh Dang-Vu von der Harvard Medical School in Boston in ihrer Studie nun herausfinden.

Zur Studie in "Current Biology": "Spontaneous brain rhythms predict sleep stability in the face of noise" von Thien Thanh Dang-Vu et al.

Gehirnwellen als Abwehrstrategie

Zwölf gesunde Freiwillige wurden zu diesem Zweck drei Nächte lang im Schlaflabor beobachtet. Dabei wurden die Gehirnwellen mittels Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. Anhand dieser Wellen kann man etwa feststellen, in welcher Schlafphase sich ein Proband befindet.

Unterschieden werden dabei vier Phasen, vom leichten bis zum Tiefschlaf sowie die sogenannte REM-Phase, in der man besonders lebhaft träumt. Im Ablauf der vier Stadien wird das Wellenmuster immer ruhiger und synchroner, die Frequenzen der Schwingungen werden immer geringer. Lediglich an bestimmten Stellen kommt es zu kurzen schnellen Ausbrüchen höherer Frequenz von etwa elf bis 15 Hertz - Schlafspindeln nennt man diese Impulse. Sie treten in Phase zwei und drei auf.

Diese Aktivitätsausbrüche entstehen im Thalamus, einem Teil des Zwischenhirns, der unter anderem bei der Verarbeitung sensorischer Informationen eine wichtige Rolle spielt. Man vermutet daher auch, dass die dort erzeugten Schlafspindeln den Einfluss externer Reize abmildern bzw. die Weiterleitung an die Großhirnrinde verhindern können. Im Umkehrschluss müsste eine höhere Rate an Schlafspindeln die Festigkeit des Schlafs bei Umgebungslärm begünstigen. Das heißt, um diese Personen zu wecken, muss es schon etwas lauter werden.

Gezielte Störung

Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, wurden die Gehirnwellen der Probanden in den drei Nächten genau aufgezeichnet. In der ersten Nacht durften sie von jeglichem Lärm unbehelligt schlafen. Dabei konnten die Forscher bereits Unterschiede bei der Rate der Schlafspindeln feststellen.

In den folgenden zwei Nächten wurde versucht, den Schlaf der Teilnehmer im REM-Stadium, Phase eins oder zwei durch verschiedene Geräusche zu stören: Telefonklingeln, sprechende Menschen und der Klang medizinisch-technischer Geräte. Diese zehn Sekunden langen akustischen Störungen wurden zuerst mit 40 Dezibel abgespielt. Der Pegel wurde bei jeder Wiederholung nach weiteren 30 Sekunden um 5 Dezibel erhöht, bis das EEG zeigte, dass der jeweilige Proband aufgewacht war.

Nicht alle Teilnehmer waren sich dieser Unterbrechung immer bewusst, Lärmbeeinträchtigungen können den Wissenschaftlern zufolge also auch unmerklich die Schlafqualität mindern.

Eingebauter Schallschutz

Die Auswertung der Gehirnwellen ergab, dass die Raten der Schlafspindeln bei allen Testschläfern in allen drei Nächten - also bei Ruhe und bei Lärm - relativ gleich blieben. Und tatsächlich waren jene mit den höchsten Raten auch am schwierigsten zu wecken. "Je mehr dieser Schlafspindeln ein Gehirn produziert, desto eher wird die Person auch bei großem Lärmpegel weiterschlafen", so der Koautor Jeffrey Ellenbogen.

Der Effekt war laut den Forschern so ausgeprägt, dass er bereits nach einer lauten Nacht eindeutig messbar war und man recht klar vorhersagen konnte, wie stark jemand von Geräuschen gestört wird. Das bestätige die Annahme, dass die Schlafspindeln das Gehirn gewissermaßen vor äußeren Reizen abschirmt.

Nun wollen die Wissenschaftler nach Wegen suchen, die von Natur aus nicht so gut ausgestatteten Menschen, künstlich zu einem entsprechenden Muster der Gehirnströme zu verhelfen - durch Verhaltenstherapie, Medikamente oder andere Technologie. Bis dahin sollten sich geräuschempfindliche Schläfer eine möglichst stille Schlafstätte suchen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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Forum

 
  • "nicht so gut ausgestattete Menschen"?

    barneyhdb, vor 650 Tagen, 2 Stunden, 36 Minuten

    Die kühne Interpretation vom "nicht so gut ausgestatteten Menschen" ist doch ein Widerspruch zur Evolution.
    Zweifellos ist in der Entwicklungsgeschichte der Menschen der überlebensfähiger gewesen, der sofort aufgewacht ist und daher beizeiten mit Abwehr oder Flucht reagieren konnte.

  • Viel wichtiger

    nordlicht911, vor 650 Tagen, 4 Stunden, 11 Minuten

    als die Antwort auf die Frage, warum der eine aufwacht, der andere bei gleichen Voraussetzungen aber nicht, scheint mir tatsächlich die Erforschung der Frage, warum der Mensch überhaupt schlafen "muß". Immerhin gibt es Lebewesen, die nachweislich niemals schlafen (z.B. der Ochsenfrosch). Könnte man diese grundlegende Frage lösen, wären sicherlich auch derartige Probleme wie das vorliegende zu lösen, ganz zu schweigen von der Regulierung von Ein- und Durchschlafproblemen...

    • logopezi, vor 650 Tagen, 2 Stunden, 52 Minuten

      wer schläft, sündigt nicht: wir schlafen also, damit wir zumindest einen teil unseres irdischen daseins sündenfrei verbringen. amen.

    • yesforever, vor 650 Tagen, 2 Stunden, 42 Minuten

      der mensch schläft, weil er einfach so beschaffen ist. ohne schlaf würde er sowieso einmal umfallen (die natur fordert ihr recht)
      genaus muß der mensch trinken und essen, wir sind eben mit gewissen natürlichen bedürfnissen erschaffen, ohne die wir nicht existieren könnten.

    • @logo: *ggg*

      nordlicht911, vor 650 Tagen, 2 Stunden, 20 Minuten

      @yes: Genau DAS soll die Forschung eben herausfinden. Deine Logik a la "...es ist so, weil es eben so ist..." ist weder recht sinnvoll noch einigermaßen zielführend. Denn das Schlafbedürfnis kannst Du mit DER Logik nicht wirklich begründen. Essen und Trinken als Vergleich heranzuziehen erscheint mir recht gewagt.

  • mhmm, beim Kübel Wasser übern Schädl

    originalerbonanzaadama, vor 650 Tagen, 7 Stunden, 38 Minuten

    ist bisher noch jeder aufgewacht.

    • blabussi, vor 650 Tagen, 2 Stunden, 51 Minuten

      nicht wenn das wasser gefroren ist...

    • in dem Fall erst recht!

      originalerbonanzaadama, vor 648 Tagen, 22 Stunden, 34 Minuten

      Sogar mit kostenlosen Schmerzen und Kratzern / Narben im Geischt von den Eissplittern noch dazu.

  • Habe auch eher eine Mischung

    marbo, vor 650 Tagen, 8 Stunden, 35 Minuten

    Einerseits weckt mich eine türe auf die leise geöffnet wird....andereseits kann ich sogar in der Früh die Melodien meines Radiowecker mitträumen.

    Und der einzige Wecker der mich wirklich weckt hat 110 Dezibel.

  • logopezi, vor 650 Tagen, 13 Stunden, 53 Minuten

    also ich kann immer und zu jeder zeit, an jedem ort und bei jeder geräuschkulisse innerhalb weniger minuten einschlafen und dann auch schlafen. das interessante jedoch ist, dass, was mich aufweckt davon abhängt, wo ich bin: wenn ich zb in irland am strand campiere, würde ich sofort hellwach sein beim leisen klang eines radios, während ich beim rohrbruch in der nachbarwohnung vom leisen plätschern sofort munter wurde, mein radio daheim aber oft die ganze nacht durchläuft ohne dass ich es höre.
    ebenso, wenn meine freundin in der nacht mal aufsteht, kriege ich das nicht mit, aber als ich allein war und der nachbarhund durch die offene schlafzimmer-terrassentür ins haus kam, war ich vom gehgeräusch seiner krallen auf dem parkett sofort hellwach. so was muss eine cortical konditionierte thalamusleistung im schlaf sein, anders kann ich mir das nicht erklären.

    • kann ich bestätigen

      toody, vor 650 Tagen, 13 Stunden, 40 Minuten

      habe 24/7 bereitschaft und muss alle paar monate den klingelton der alarmmeldungen umstellen, sonst werde ich davon nicht mehr wach

    • *staun* @ logopezi

      iniquity, vor 650 Tagen, 13 Stunden, 3 Minuten

      quasi nur bei gefahr wach zu werden, das hab ich geglaubt, ist eigentlich sowas wie der sechste sinn bei tieren!
      aber du bist wohl der lebende gegenbeweis ;-)

      ich zum beispiel wär vermutlich an rauchgasen erstickt, weil ich einen kleinen tischbrand ausgelöst durch niedergebrannte kerze, nicht selbst bemerkt hab O_o

    • jubilee, vor 650 Tagen, 12 Stunden, 40 Minuten

      @toody: interessant, das is bei mir genau umgekehrt...leise und durchaus auch gewohnte geräusche bekomm ich nicht mit, aber bei dem geräusch dass ich mit "aufstehn" verbinde (jahrelang reichte das leise klicken der sich einschaltenden stereoanlage damit ich munter wurde und abgedreht hab bevor überhaupt musik gespielt wurde) bin ich sofort munter...

    • tyrel, vor 650 Tagen, 12 Stunden, 13 Minuten

      da muss ich jubilee recht geben, auf gewisse geräusche werd ich sofort wach, egal obs mei handy is, da piepser wenn a einsatz is oder wenn mei katz oder hund ins zimmer trippelt. ansonsten schlaf ich aber bombenfest und bekomms netmal mit wenn daheim gsaugt wird oder besuch da is.

    • pallas, vor 650 Tagen, 11 Stunden, 45 Minuten

      @iniquity : Rauchgase sind auch wieder etwas anderes als Geraeusche.

      Ja, unser Gehirn sollte instinktiv Gefahren erkennen (ueber alle 5 Sinne - beim Schlafen meist halt nur 4 Sinne, da die Augen geschlossen sind) und uns aufwecken.
      Insofern ist die einschlagende Bombe immer ein schlechtes Beispiel. DIE sollte uns alle tatsaechlich aufwecken. Gott sei Dank wird das nicht laufend ueberall unter Beweis gestellt.
      Aber man kann direkt neben mir den Rasen maehen, staubsaugen usw. und mich nicht aufwecken. Aber das assoziierte Weckergeraeusch oder (wenn auch leises) hektisches Getue im Umfeld weckt mich auf.

      Untersuchungen zeigen auch, dass unser Gehirn neben den instintiv erkannten Reizen auch neue erlernen und den entsprechenden Kategorien zuordnen kann. Und das kann kontraer zum gewuenschten Resultat sein. Wenn das Unterbewusstsein den Wecker wirklich ablehnt, wird er als "zu ignorieren" eingestuft, waehrend er andere Menschen selbst auf leise gestellt aufweckt. Es ist mitentscheidend, ob man innerlich ueberhaupt bereit ist aufzustehen, wenn der Wecker klingelt - oder eben nicht.

    • Und - ich behaupte, es gibt einen Zusammenhang,

      pallas, vor 650 Tagen, 11 Stunden, 39 Minuten

      wie man auch im wachen Zustand seine Umgebung wahrnimmt.
      Viel spricht dafuer, dass diejenigen, die sich sehr auf eine Sache konzentrieren und die anderen Umgebungseinfluesse "ausblenden" koennen, das dann auch im Schlaf machen - als unwichtig eingestufte Geraeusche oder andere Empfindungen werden abgeblockt und wecken diese menschen (wie mich) nicht auf.

    • tauceti, vor 650 Tagen, 8 Stunden, 19 Minuten

      Ich nehme im wachen Zustand auch kleinste Umgebungsgeräusche sofort wahr - wenn sie von der üblichen Routine abweichen - oder auch nur, wenn sie interessant sein könnten - zwei völlig verschiedene Dinge...

      Zum Einschlafen muss es für mich doch ziemlich ruhig sein, aber dann weckt nicht so leicht etwas auf - es sei denn, ich bin schon bereit aufzustehen oder ich habe einen früheren Termin - dann werde ich mitunter 2 Minuten vor dem Wecker munter ;-)
      Aber sonst könnte es sein, dass ich den Wecker einfach in einen Traum einbaue - z.B. als Telefonklingel, oder ich drücke immer während des Läutens die Snooze-Taste - sodass ich vorsorglich zwei zeitlich gestaffelte Wecker aufgestellt habe ;-)

    • tauceti, vor 650 Tagen, 8 Stunden, 12 Minuten

      (bezüglich interessantem Geräusch: Auch ein Gespräch zwischen Kollegen könnte interessant sein - aber die Kollegen unterhalten sich eigentlich ständig über die verschiedensten Dinge. Nur gelegentlich schnappe ich während einer Minutenlangen Diskussion zwischen zwei Kollegen ein Schlüsselwort auf und erkenne, dass sie darüber rätseln und ich könnte ihnen locker helfen... dann springe ich auch mal ungefragt ein und melde mich zu Wort - obwohl ich eigentlich an meiner Aufgabe arbeite und denen gar nicht zuhören müsste oder sollte...
      Wie passiert hier die Umschaltung zwischen ignorieren (weil ich ja an einem ganz anderen Thema arbeite) und reagieren? Wahrscheinlich reagiere ich ohnehin nicht auf jedes passende Schlüsselwort, sondern nur wenn die Diskussion zwischen denen untereinander schon länger andauert...)