Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mikroben bekämpfen Ölschwaden"

Bakterie, die Öl bekämpft

Mikroben bekämpfen Ölschwaden

Wie sich das mittlerweile geschlossene Ölleck im Golf von Mexiko ausgewirkt hat, ist derzeit Gegenstand einer Reihe von Untersuchungen. Die jüngste Studie zeigt, dass das Meer offenbar eine erstaunliche Selbstreinigungskraft besitzt: Wasserproben enthalten eine große Menge an Bakterien, die das Öl schneller als vermutet abbauen.

Golf von Mexiko 24.08.2010

Bei der Zersetzung scheint auch viel weniger Sauerstoff verloren zu gehen als befürchtet. "Die Ergebnisse zeigen, dass der Zustrom von Öl die mikrobiologische Besiedlung verändert, indem er das Wachstum von bestimmten kälteliebenden Tiefseebakterien stimuliert", erklärt Studienleiter Terry Hazen von der Berkley Lab's Earth Sciences Division. Diese ähneln bekannten Öl-abbauenden Mikroorganismen. Das erkläre auch den beobachteten Rückgang des Ölschwaden.

Unerforschte Meerestiefen

Beim Untergang der BP-Bohrplattform im April dieses Jahres gelangten gigantische Mengen Öl ins Meer. Zur Bekämpfung des Ölteppichs an der Oberfläche verwendete der Konzern eine Chemikalie (COREXIT 9500), was zur Bildung eines Schwaden von Mikrometer-kleinen Ölpartikeln führte. Die Folgen dieser Maßnahme für die Umwelt - vor allem in den Meerestiefen - waren dabei weitgehend unklar.

Die Forscher liefen für ihre Studie mit zwei Schiffen aus, um die physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Eigenschaften der unterseeischen Ölschwaden zu untersuchen. Generell wusste man den Wissenschaftlern zufolge bis dahin recht wenig über die mikrobiologische Besiedlung der Meerestiefen im Golf von Mexiko. Die Temperatur beträgt dort etwa fünf Grad Celsius, der Druck ist enorm, und es gibt kaum Kohlenstoff.

"Der Zustrom von Öl bedeutete einen enormen Zustrom von Kohlenstoff in dieses Ökosystem", so Hazen, der in der Vergangenheit bereits einige ölverseuchte Gebiete untersucht hat.

Abbau ohne Sauerstoffverlust

Vom 25. Mai bis zum 2. Juni dieses Jahres sammelte das Team 200 Wasserproben in etwa 1.100 Metern Tiefe. Die Analyse zeigt, dass sie eine große Vielfalt von sogenannten Gammaproteobakterien enthalten.

Von diesen weiß man, dass sie Kohlenwasserstoffe abbauen und ihre Vermehrung durch Öl in kalten Umgebungen stimuliert wird. Interessanterweise verbrauchen diese kälteliebenden Bakterien aber weniger Sauerstoff als andere Öl-abbauende Mikroben. Diese unliebsame Nebenwirkung kann unter anderem zur Entstehung sogenannter Todeszonen führen. Diese Gefahr scheint in diesem Fall nicht zu bestehen.

Selbstheilungspotenzial

Die Sequenzierung ihrer Gene ergab, dass die meisten Mikroben zur Familie der Oceanospirillales gehören. Der zeitliche Vergleich der Proben spricht außerdem für eine schnellere biologische Zersetzung, als zu erwarten gewesen wäre. Bei einer geschätzten Temperatur von fünf Grad Celsius lag die Abbaugeschwindigkeit laut den Forschern deutlich unter der Halbwertszeit von Kohlenwasserstoff.

Das könnte zum Teil auch daran liegen, dass das Öl im Golf von Mexiko sehr viele flüchtige Komponenten enthält, sowie an der kleinen Partikelgröße. Außerdem könnte das natürliche Aussickern von Öl langfristig zu einer Anpassung der Tiefseemikroben geführt haben.

"Die Studie zeigt, dass die Tiefsee selbst ein großes Potenzial zur 'Selbstheilung' nach Ölverschmutzungen in sich trägt", meint Hazen. Das letzte Wort über die Folgen der Umweltkatastrophe ist damit aber vermutlich noch nicht gesprochen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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Forum

 
  • entweder: für wie blöd halten die ihre kollegenschaft -

    mantispa, vor 634 Tagen, 17 Stunden, 49 Minuten

    oder: wie blöd müssen die selbst sein - wenn sie es wagen, sowas zu publizieren - ?
    wenn ölabbau ohne sauerstoff möglich wäre, gäbe es weder natürliche noch "anthropogene" öllager.- wenn es mit o2 geschähe, würden wieder unmengen co2 freigesetzt (das passiert sowieso, aber nicht in paar wochen, sondern über jahre und jahrzehnte - jedenfalls zu unsrem nachteil). also in der kurzen zeit, die bisher zur verfügung stand, kann fast gar nichts passiert sein. wenn das öl infolge kälte nicht zur oberfläche aufsteigen kann, gibts in der tiefe garantiert noch lange zeit "die schwaden". ob die von bakterien oxidiert werden oder in otto-oder dieselmotoren, ist fürs weltklima gleich schlecht. diese "autoren" tun aber so, als sei ihr "biologischer" abbau etwas wunderbares und erstrebenswertes.

    • der einsatz von corexit u.dgl.

      mantispa, vor 634 Tagen, 17 Stunden, 39 Minuten

      hat lediglich den zweck, (1) das öl aus den augen = aus dem sinn zu entfernen und (2) dem konzern das teurere abpumpen und auffangen zu ersparen. die usa, die so was erlaubt haben, gehören einmal mehr gerichtlich angeklagt.

    • Langkettige Fettsäuren

      karl273, vor 633 Tagen, 20 Stunden, 28 Minuten

      Wenn die Mikroben das Erdöl zuerst zu langkettigen Fettsäuren oxidieren, und diese dann als Energievorrat speichern, dann wird zuerst nur
      1/18 (Stearinsäure, C18H36O2) oder
      1/16 (Palmitinsäure, C16H32O2) oder
      1/14 (Myristinsäure, C14H28O2) des Sauerstoffes verbraucht, und gar kein Kohlendioxid freigesetzt.

      Die Myristinsäure ist auch ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran.

  • halbwertszeit...

    engineeringgirl76, vor 634 Tagen, 23 Stunden, 6 Minuten

    ...die deutlich unter jener von Kohlenstoff liegt. Dieser Vergleich ist an sich schwachsinnig (weil das nichts miteinander zu tun hat). Ausserdem hat Kohlenstoff (C14) eine Halbwertszeit von 5730 Jahren. Jetzt wissen wir, dass das Öl "deutlich früher" abgebaut ist?!?!?
    Ausserdem frage ich mich, wie die Mikroben die Kohlenwasserstoffe ohne Sauerstoff abbauen...
    ?!?!?!

    • solidstate, vor 634 Tagen, 20 Stunden, 44 Minuten

      Kernfusion!
      ;-)

    • leolegende, vor 634 Tagen, 20 Stunden, 27 Minuten

      Zumindest jetzt steht im Artikel Kohlenwasserstoff.
      Und die Halbwertszeit eines Isotops (und da noch nicht einmal des mit großem Abstand häufigsten) anzugeben und es die Halbwertszeit des Elements zu nennen ist auch nicht übermäßig intelligent.

    • c12 ist stabil (un das macht 98.89% des kohlenstoffes aus)

      xx13, vor 634 Tagen, 14 Stunden, 49 Minuten

      eine halbwertszeit von kohlenwasserstoff gibt es nicht, da es trilliarden (oder mehr) verschiedene kohlenwasserstoffe gibt...

    • Biologische Halbwertszeit

      karl273, vor 633 Tagen, 18 Stunden, 50 Minuten

      Damit war die biologische Halbwertszeit von nicht radioaktivem Mineralöl in belebtem Meerwasser gemeint.

      Die biologische Halbwertszeit wird vor allem in der Medizin verwendet, um den Abbau oder die Ausscheidung eines Medikamentes aus dem Körper zu beschreiben.

      Interessant ist auch die atmosphärische Halbwertszeit von Kohlenstoff 14, der zwar eine Zerfalls-Halbwertszeit von 5730 Jahren hat, der aber aus der Erdatmosphäre mit einer Halbwertszeit von rund 10 Jahren verschwindet.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Kernwaffen-Effekt

  • wer finanziert dieses institut?

    woody999, vor 635 Tagen, 50 Minuten

    dann wissen wir genaueres

    • 100%ige Zustimmung

      lagandi, vor 635 Tagen, 31 Minuten

  • Wusst ich's doch

    123d, vor 635 Tagen, 1 Stunde, 6 Minuten

    Bitte gleich weiterbohren!

  • na tioll

    sowas11, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 2 Minuten

    da kann man/frau gleich noch ein paar lecks produzieren...

    saubande

    • calypso, vor 635 Tagen, 1 Stunde, 14 Minuten

      lecks gibt es ständig, auch größere. das problem im golf von mexiko ist nicht nur das volumen, sondern der ort: usa. wär das zb an einer südafrikanischen küste passiert hätten wir in der zeitung vermutlich einen kleinen artikel dazu gelesen und fertig.

    • was soll das dämliche /frau in deinem Text?

      123d, vor 635 Tagen, 1 Stunde, 5 Minuten

    • 123d

      polyhymnia, vor 635 Tagen, 24 Minuten

      es muss ja genderrecht sein ;D

    • GENDERGERECHT

      polyhymnia, vor 635 Tagen, 23 Minuten

      meint ich natürlich :)

  • Öl>Mikroben>und dann was?

    fenris79, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 4 Minuten

    Etwas Kurzsichtig bei den Mikroben mit der Folgeabschätzung aufzuhören.

  • frechheit..

    sainty, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 25 Minuten

    jetzt hilft schon die natur den usa sich selbst auszubeuten :( (wenns wahr is...)

  • eine studie von bp?

    cybercop, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 43 Minuten

  • "was zur bildung eines schwaden .... führte"

    lambert1223, vor 635 Tagen, 4 Stunden, 59 Minuten

    der/das schwaden?

    • angeblich

      iggi, vor 635 Tagen, 3 Stunden, 21 Minuten

      ist 'der schwaden' eine nebenform von 'die schwade', aber so ein ordentlicher schwaden klingt schon nach mehr als so eine kleine schwade, und wird vermutlich daher in der journalistik bevorzugt verwendet.

    • wieso "angeblich"?

      noemix, vor 635 Tagen, 3 Stunden, 1 Minute

      http://www.duden-suche.de/suche/abstract.php?shortname=fx&artikel_id=145652&verweis=1

    • cybercop, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 44 Minuten

      das ist halt der mann von der schwadin ;))

    • 'angeblich'

      iggi, vor 635 Tagen, 2 Stunden, 26 Minuten

      weil ich mit diesem wissen angebe.

    • achja und

      iggi, vor 635 Tagen, 1 Stunde, 55 Minuten

      ausserdem bevorzugen journalisten die maennliche nebenform der schwade, weil der plural der sensationalisierung zutraeglicher ist: bei 'schwaden' wissen wir nicht ob es sich um eine einzelne oder mehrere handelt, da unklar ist welche form verwendet wird.

  • Wunderbare Welt

    joli, vor 635 Tagen, 8 Stunden, 48 Minuten

    Nachdem BP auch Großaktionär an jener Chemiefirma ist, welche auch die hierbei eingesetzten Chemikalien entwickelt, versprüht und ins Meer eingebracht haben und somit deren Aktien-Kurse ganz schön gestiegen sind, konnten sie sich wohl auch noch diese Studie leisten.
    Davon abgesehen, halte ich "Natur" für fähig, mit allen Phänomenen wieder zurecht zu kommen, wie lange auch immer ein solcher Prozess dauern mag, ob mit oder ohne uns Menschen.

    • calypso, vor 635 Tagen, 1 Stunde, 11 Minuten

      eben. "die natur" kann man nicht umbringen, je nach veränderung der gegebenheiten paßt "sie" sich an. arten verschwinden, andre kommen. beständig ist nur der wandel.

      leider wird das halt die "war eigentlich eh nicht so schlimm"-mentalität fördern.