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Der Kopf von Ötzi

Gelehrtenstreit um Ableben von "Ötzi"

Das Südtiroler Archäologiemuseum widerspricht jüngsten Vermutungen eines italienischen Archäologen, wonach der Steinzeitjäger "Ötzi" nicht am Fundort im Gebirge gestorben ist, sondern im Tal - und erst danach auf das Tisenjoch transportiert und dort bestattet worden sei.

Archäologie 31.08.2010

Alessandro Vanzettis Szenario weise in der Argumentationskette und in der archäologischen Verortung grundlegende Schwächen auf, hieß es in einer Aussendung des Archäologiemuseums in Bozen. Seine Behauptungen könne von den meisten "Iceman-Forschern" nicht nachvollzogen werden.

Studie und Reaktion:

Die Studie " The iceman as a burial" von Alessandro Vanzetti et al. ist in der Fachzeitschrift "Antiquity" erschienen. Die aktuelle Reaktion auf der Website des Südtiroler Archäologiemuseums.

Die Auffindung einer Leiche aus der Kupferzeit auf dem Tisenjoch sei einmalig. Im Alpenraum seien keine vergleichbaren Fälle bekannt, vielmehr hätten sich die Bestattungsorte damals in Siedlungsnähe befunden.

Transport ausgeschlossen

Wäre der Mann aus dem Eis im April in einer Tallage gestorben und erst im September auf den Berg gebracht worden, müssten zudem stärkere Dekompositionsprozesse sowie Insektenbefall nachweisbar sein. Diese fehlten aber gänzlich. Daher müsse davon ausgegangen werden, dass seine Feuchtkonservierung auf einem Gefriertrocknungsprozess beruhe.

Auch die Lage des linken Armes sei undenkbar, wenn Ötzi schon ein paar Monate zuvor gestorben und mumifiziert worden sein soll. Zudem würden sich alle Gelenke des Mannes aus dem Eis in anatomisch korrekter Position befinden. "Ein Transport der intakten Mumie auf den Gletscher ist damit ausgeschlossen", betonten die Forscher.

Verzwickte Beweislage

Der wichtigste Bestandteil in Vanzettis Beweisführung von einer Bergbestattung im Herbst seien die Pollenanalysen. Doch diese könnten aus Sicht der Südtiroler Wissenschaftler nicht als Beweismittel für eine Herbstbestattung herangezogen werden. Durch den Auftauprozess würden die Pollen nicht mehr in der originalen Schichtung vorliegen, sondern mit jüngeren Schichten vermischt.

Vanzetti hatte sich zuvor überzeugt gezeigt, dass "der Eismann auf niederer Seehöhe in einem Streit getötet wurde, die Leiche wurde eingelagert, sie mumifizierte; Monate später wurde sie auf den Pass gebracht, dort bestattet und mit Grabbeigaben versehen." Das soll unter anderem erklären, warum manche von Ötzis Waffen nicht gebrauchsfähig waren, sein Bogen und zwölf der 14 Pfeile seien nur halb fertig gewesen.

Analysen seines letzten Mahls hätten gezeigt, dass er es vermutlich im April zu sich genommen habe, aber die Pollen an der Fundstätte deuteten auf August/September. Da war der Schnee weg, da konnte man hinauf, im April nicht.

Vor knapp 20 Jahren gefunden

Außerdem sei der Steinzeitjäger laut Vanzetti an der Luft ausgetrocknet und nicht im Schnee begraben gewesen. Als der in den Bergen getaut war, sei er hinauf gebracht, auf eine Steinplattform bzw. eine Grasmatte gebettet worden - dies sei das, was man bisher als Umhang gedeutet habe. Dann sei der Schnee gekommen, dann taute es, wieder und wieder, er und seine Gegenstände seien verfrachtet worden, Ötzi um fünf Meter, kleinere Dinge weiter, nur sein Rucksack sei auf dem Stein geblieben.

2011 ist es 20 Jahre her, dass "Ötzi" durch Zufall im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen entdeckt wurde. Aufbewahrt wird der Fund mittlerweile in einer Spezialkühlzelle des Bozner Archäologiemuseums.

science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • ist ja wirklich zuuu schade

    sowas11, vor 531 Tagen, 17 Stunden, 51 Minuten

    daß kein redakteur vom verblödungsfunk dabei war, damals im ötztal...

    sonst wüssten wir es ganz genau...

    • So,

      nickel, vor 531 Tagen, 16 Stunden, 59 Minuten

      warum postest du dann eigentlich in diesem Funk?
      Solche wie du stellen einen vor das Dilemma, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Was mir an sich taugt, im Großen und Ganzen. Seit zehn Jahren nutze ich sporadisch verschiedene Foren, und fand immer das des ORF eines der interessanteren, von der Vielfalt der Themen her, und von den Reaktionen der User her. Dass auch hier manche Beiträge aus meiner Sicht sub ommni canone rangiert haben - ja und? Das kann verschiedenste Ursachen haben, denen man auf den Grund gehen kann, wenn einen das Thema wirklich interessiert. Nichts ist schließlich vergangener als die Zeitung von gestern, und um eine Art online-Zeitung handelt sichs hier, in mancher Hinsicht, in anderer wieder nicht.
      Dies hier ist ein nicht namentlich gezeichneter Artikel, der nur meldet, was wieder mal Ötzi-mäßig vor sich geht. Wer hierunter "Verblödung" schreibt, dem unterstelle ich (meine freie Meinung), der will nur sudern.

    • nickel, vor 531 Tagen, 16 Stunden, 48 Minuten

      den omni schreibt man nur mit einem m. Doch ich wollte sowieso einen zweiten Teil verfassen, da mir (versehentlich *g*) Grundsatzdebatte unterlaufen ist. Hier soll sich einiges ändern, lese ich, verstehe noch nicht das Ausmaß. Stimmt es, dass die Länderforen ganz verschwinden sollen?

  • logopezi, vor 531 Tagen, 18 Stunden, 29 Minuten

    auch neuzeitliche steinzeitjäger haben viele pfeil-halbfabrikate dabei und transportieren den bogen meist entspannt, um seine spannkraft zu erhalten.