
Ameisen schlagen Elefanten in die Flucht
Die Ameisen leisten damit auch einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts in der Savanne, berichten die beiden Forscher Jacob R.Goheen und Todd M. Palmer in einer Studie.
Die Studie "Defensive Plant-Ants Stabilize Megaherbivore-Driven Landscape Change in African Savanna"ist in der Fachzeitschrift "Current Biology" erschienen (sobald online).
Elefanten meiden Ameisenbäume
Normalerweise richten Elefanten auf ihren Wanderungen durch die Savanne verheerende Flurschäden an. Goheen und Palmer ist jedoch aufgefallen, dass die Dickhäuter sich nicht sehr für Flötenakazien (Acacia drepanobolium) zu interessieren scheinen, die von Ameisen bevölkert waren. Die Insekten leben in Symbiose mit den Bäumen. Die Pflanzen bieten den Tieren Unterschlupf und Nahrung in Form einer zuckrigen Nektarlösung, dafür verteidigt das Ameisenvolk seinen Baum vehement gegen alle vermeintlichen Angreifer.
Um zu überprüfen, ob wirklich die Ameisen der Grund für das Fernbleiben der grauen Riesen sei, fütterte das Forscherduo Elefanten in einer Aufzuchtstation mit Zweigen der Flötenakazie und der von den Dickhäutern normalerweise bevorzugten Schwarzdornakazie (Acacia Mellifera). Sie entfernten die Ameisen von manchen Flötenakazien und setzten sie dafür auf Schwarzdornakazienäste. Das Ergebnis war verblüffend. Die Elefanten fraßen die Flötenakazien genauso gerne wie die Schwarzdornakazien.
"Saßen aber auf einem Zweig, egal welcher Spezies, Ameisen, wurden sie von den Elefanten verweigert wie Brokkoli von Kleinkindern", so Palmer. Wie aber können Ameisen Elefanten daran hindern, Bäume zu verzehren?
Der Rüssel als Achillesferse
Das Problem sei der Rüssel, so Palmer. Äußerlich zäh und widerstandsfähig ist ein Elefantenrüssel innen sehr empfindlich und von Nerven durchzogen. "Es scheint, dass Elefanten es nicht leiden können, wenn Ameisen in Scharen in ihren Rüssel hineinklettern, und ich kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen", sagt Palmer.
Anscheinend kann bereits der Geruch von Ameisen die Dickhäuter fernhalten. Daraus ergebe sich vielleicht die Möglichkeit, Erntefelder mit Ameisenduft vor Elefanten zu schützen, so Palmer weiter. Die großen Säuger können, wenn sie in hoher Dichte auftreten, "Waldgebiete in Graslandschaften verwandeln", sagen die beiden Wissenschaftler.
Diese Elefantenabwehr hat also eine wichtige Bedeutung für das Ökosystem Ostafrikas.
Das Zünglein an der Waage des Kohlenstoffkreislaufs
Bäume spielen eine wichtige Rolle bei unterschiedlichen Prozessen eines Ökosystems, zum Beispiel der Speicherung von Kohlendioxid und damit der Verlangsamung des Treibhauseffektes.
"Diese 'Ameisenpflanzen' bedecken nicht nur ein paar hundert Hektar, sondern sind vom südlichen Sudan bis in den Osten Zaires über ganz Ostafrika verteilt", erklärt Palmer. "Damit spielen sie potentiell eine große Rolle bei der Regulierung des Kohlenstoffkreislaufs in diesen Ökosystemen.Und die Ameisen als Leibwächter der Flötenakazien könnten ausschlaggebend dafür sein, ob ihre Wirtsbäume überleben und ihnen diese Rolle wirklich zufallen kann.
Peter Stenitzer, science.ORF.at
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