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Rauchschwade über der brennenden Ölplattform Deepwater Horizon

Wo ist das Öl?

Über den Zustand der Ölschwade im Golf von Mexiko gehen die Fachmeinungen auseinander: Manche Forscher glauben, sie befinde sich nach wie vor am selben Ort. Andere meinen, sie habe sich mittlerweile aufgelöst. Ein neues Computermodell könnte nun derlei Widersprüche beenden.

Umwelt 03.09.2010

Suche in 1.100 Meter Tiefe

Die Explosion der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko sorgt nicht nur unter Umweltschützern und Politikern für Aufregung, sie sorgt auch für Debatten unter Wissenschaftlern. Jüngste Ursache für öffentliche Dispute sind zwei Studien, die im August erschienen sind.

In der einen berichteten Forscher um Richard Camilli von der Woods Hole Oceanographic Institution, dass eine 35 Kilometer lange Ölschwade über Monate hindurch mehr oder unverändert in 1.100 Metern Tiefe überdauert habe.

Studien und Berichte:

Tracking Hydrocarbon Plume Transport and Biodegradation at Deepwater Horizon, "Science", Online-Publikation (doi: 10.1126/science.1195223).

Ein Ergebnis, das massive ökologische Konsequenzen nach sich zöge: Wäre der Unterwasser-Ölteppich tatsächlich so persistent wie berichtet, würden viele Meerestiere von Shrimps bis hin zum Blauflossenthunfisch über Monate und Jahre hinweg toxischen Substanzen ausgesetzt. Zu dieser ernüchternden Conclusio kommen Camilli und seine Kollegen aufgrund von Sauerstoffmessungen.

Wie sie in ihrer Arbeit im Fachblatt "Science" schreiben, habe sich im Bereich der Ölschwade der Sauerstoffgehalt nicht wesentlich verändert - was darauf hinweise, dass auch kein nennenswerter bakterieller Abbau des Öls stattgefunden habe.

Durch Bakterien abgebaut?

Deep-Sea Oil Plume Enriches Indigenous Oil-Degrading Bacteria, "Science", Online-Publikation (doi: 10.1126/science.1195979).

Fünf Tage später veröffentlichten Forscher um Terry C. Hazen ebenfalls in "Science" eine Studie zu diesem Thema - diesmal jedoch mit einem ganz anderen Ergebnis. Das Team um den Ökologen vom Lawrence Berkeley National Laboratory hatte nämlich beobachtet, dass Bakterien der Ordnung Oceanospirillales in 1.100 Meter Tiefe ungewöhnlich aktiv sind.

Von verschiedenen Vertretern dieser Ordnung weiß man überdies, dass sie imstande sind, Öl als Energiequelle zu nutzen, und zwar unter Umständen ohne dabei auf Sauerstoff angewiesen zu sein. Hazen und Co. schlossen daraus, dass hier Selbstreinigungskräfte am Werk seien - und sich die Ölschwade (zumindest in Mai und Juni, den Monaten entsprechender Messungen) sukzessive verkleinert habe.

The mystery of the missing oil plume, "Nature" (Bd. 467, S. 16).

Hazen hat in den letzten Wochen nach der Ölschwade im Golf von Mexiko gesucht, fand aber, wie er nun im Fachblatt "Nature" berichtet: nichts. "Wir würden sie gerne finden, um weitere Forschungen über ihren Zustand anzustellen", sagt er. "Aber sie ist nicht da. Ich glaube, dass sie mittlerweile abgebaut wurde."

David Valentine von der University of California in Santa Barbara, hält das für unwahrscheinlich. "Das ist schwer zu glauben", meint der Mikrobiologe gegenüber "Nature" und betont: Die bis dato erfolgten Messungen seien zu bruchstückhaft, um überhaupt seriöse Aussagen über den Verbleib des Öls zu machen.

"Sie hat sich nur bewegt"

Und es gibt Forscher, die unter den logisch möglichen Positionen noch eine dritte Variante vertreten: Samantha Joye hat in einem anderen Bereich des Golfs als Hazes Team nach Resten des Öls gesucht und wurde fündig - 130 Kilometer von jener Stelle entfernt, wo die Schwade zuerst entdeckt worden war. "Die Ölschwade ist nicht weg," sagt die Biogeochemikerin von der University of Georgia. "Sie hat sich nur bewegt."

A New Mixing Diagnostic and Gulf Oil Spill Movement, "Science", Online-Publikation (doi: 10.1126/science.1194607).

Derlei Unstimmigkeiten dürften nicht zuletzt auch von einer zu geringen Kenntnis über die Wasserbewegungen im Ozean herrühren. Ein Mangel, den nun ein neues Computermodell ausgleichen könnte. Wie Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Science" berichten, sagte das Modell voraus, dass zumindest ein Teil des Öls zunächst in das Mississippi-Delta gespült, später in Richtung der White Sand Beaches in Pensacola, Florida, wandern und sich schließlich ostwärts in Richtung Panama City Beach bewegen würde.

Messungen der National Oceanic and Atmospheric Administration bestätigten diese Vorhersagen mit einer Genauigkeit von einigen Kilometern. Womit Hoffnung besteht, dass Forscher in der umstrittenen Ölschwadenfrage doch noch einen Konsens erzielen werden. Laut Studienleiter Igor Mezic eignet sich das neue Modell auch für ganz andere Fragestellungen.

"Es ist ziemlich universell", so der Mathematiker von der University of California in Santa Barbara. "Man könnte damit auch die Ausbreitung von Vulkanasche in der Atmosphäre oder die Luftzirkulation in einem Gebäude berechnen."

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • unterseeische 'verpestung' ist natuerlich

    iggi, vor 527 Tagen, 14 Stunden, 49 Minuten

    wie dem abstrakt der studie zu entnehmen ist, betrug die von BP verursachte verpestung 'mehr als das doppelte' des natuerlichen eingangs der verglichenen kohlenwasserstoffe im noerdlichen golf. selbst wenn wir also 'mehr als das doppelte' als 'das dreifache' interpretieren, stellt uns das vor voellig neue perspektiven: eine um 1/3 groessere unterwasserverpestung als die von BP verursachte geschieht anscheinend jaehrlich aus natuerlichen quellen.

    • funkelfels, vor 527 Tagen, 13 Stunden, 41 Minuten

      nicht um 1/3 größere, sondern eine um 2/3 kleinere.

    • geologic, vor 527 Tagen, 12 Stunden, 52 Minuten

      Bis auf iggi's rechnerischen Missgriff hat er ja recht. Wenn die Mikroorganismen im Golf schon seit Jahrmillionen gewohnt sind den natürlichen "spill" abzubauen, dann haben sie auch kein Problem damit etwas mehr abzubauen. Die Vermehrungsraten der Nakterien sind ja entsprechend, wenn das Nahrungsangebot passt. Überdies wurde das Öl durch dispergierende Mittel in "mundgerechte" Tröpfchen zerteitl, was die Aufarbeitung stark begünstigt.

    • geologic, vor 527 Tagen, 12 Stunden, 51 Minuten

      Bakterien nicht Nakterien...

    • aah, wenn der bp-austritt

      iggi, vor 527 Tagen, 11 Stunden, 52 Minuten

      3 monate dauerte, und die natuerliche rate 1/3 davon ist, ist das natuerliche austritts-equivalent 9 monate; + 3 monate macht das jahr voll = 1/3 zusaetzlich insgesamt aber ich lasse mich wirklich gerne korrigieren.

    • funkelfels, vor 526 Tagen, 20 Stunden, 39 Minuten

      Ja, das kannst in einem Jahr sagen, und einem Jahrhundert ists nur ein Promille mehr? Trotzdem ists gerade eine das doppelte/dreifache plötzlich mehr da. Nein eigentlich noch viel mehr. Denn es wurde in 3 Monate das Doppelte/Dreifache von dem ausgespuckt, was normalerweise ein Jahr brauchte.

    • im zweifelsfall gleichung aufstellen:

      iggi, vor 526 Tagen, 16 Stunden, 8 Minuten

      V(Katastrophenjahr)= 3(3BP + 1N) + 9N = 21
      V(Normales Jahr): 12N

      wobei
      V....Jaehrliches Gesamtvolumen gemessener Kohlenwasserstoffe
      xN ..monatlich natuerlich verursachtes Verpestungsvolumen
      xBP..monatlich von BP verursachtes Verpestungsvolumen

      In den 3 von BP verursachten Austrittsmonaten im Katastrophenjahr treten laut Beschreibung im Abstrakt 2-3x soviel anthropogen verursachte Einheiten als natuerliche aus, sagma 3x so viel, in jedem normalen Jahr also 12 natuerliche Einheiten, also jaehrlich ohne Katastrophe 12/9 = 1/3 mehr natuerliches Zeug als das waehrend der Katastrophenepisode von BP losgelassene.
      oder wie im erstbeitrag formuliert: "eine um 1/3 groessere unterwasserverpestung als die von BP verursachte geschieht anscheinend jaehrlich aus natuerlichen quellen".

      3 mal mit anderen methoden durchgerechnet, selbes resultat.

    • funkelfels, vor 526 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

      Jein, über jahr mitteln macht sich mathematisch leicht, sollte man aber erst nach einem jahr machen.

      Ein ordentlicher Schlag in Gesicht ist übers Jahr gemittelt auch 100 mal gestreichelt.

    • nickel, vor 526 Tagen, 12 Stunden, 21 Minuten

      Theorienpurzelbäume. Unerheblich. Ölpest ist Ölpest, und natürlich daran ist vor allem menschliche Dummheit, die Konstante der menschlichen Weltgeschichte.

    • nickel, vor 526 Tagen, 12 Stunden, 12 Minuten

      Wenn ich weise wäre, wüsste ich dann den Ausweg, oder wüsste ich, dass es keinen gibt? Was ist "weise". Haltlos herumrelativieren wohl nicht, auch wenn das in erster Näherung Spaß macht, zugegeben.

    • funkelfels, vor 526 Tagen, 8 Stunden, 25 Minuten

      Aber gemittelt auf 10.000 Jahre ists doch nur 0,0001% mehr!

    • nickel, vor 525 Tagen, 13 Stunden, 22 Minuten

      So, Forum wird geschlossen, habe ich gelesen. Welche erkenntnistheoretische Tragödie, dass mit einem Verweis auf "Mittelwerte" abgeschlossen werden soll. Neiiin!
      :)

  • It's in my vains baby brain

    cre8, vor 528 Tagen, 4 Stunden, 28 Minuten

    Aus der Rubrik:

    Gestern war ich im Freudenhaus und heut' kauf ich mir die Wissenschaft.

    Wenn einem das Öl die Synapsen verklebt, sollte man in der Position des Petrodollars sein.

  • also ich kann mir beim besten

    mantispa, vor 528 Tagen, 5 Stunden, 51 Minuten

    willen nicht vorstellen, wie die oceanospirillen oder wie immer anoxisch (!) fast eine million t erdöl abbauen wollen, ohne dass wer was merkt. das geht vielleicht mit irgendwelchen begleitstoffen, aber nicht mit den kohlenwasserstoffen.

  • Na, wo ist das Öl?

    hosenbeisser, vor 528 Tagen, 6 Stunden, 8 Minuten

    Die Amis haben halt wieder mal medial viel zu viel Wirbel gemacht, und dabei ist eh nix los. Der Obama geht schon wieder im Meer schwimmen.

  • solidstate, vor 528 Tagen, 12 Stunden, 35 Minuten

    Statt, dass man vor Ort Messungen macht benutzt man ein Computermodell!? Die wissen nicht wie die Strömungen aussehen und sie wissen nicht welche Bakterien wo wie aktiv sind, aber sie machen ein Computermodell.

    Offensichtlich sind Wissenschafter immer öfter nicht mehr bereit ihren A...h zu bewegen und nachzuschauen wie es in der Welt wirklich aussieht. Sie hocken nur noch vor ihren Computern und füttern ihre Modelle die mit der Realität immer weniger zu tun haben. Das ist eine denkliche Entwicklung.

    • Ein ganz ein G'scheiter!

      pepperbird, vor 528 Tagen, 12 Stunden, 26 Minuten

      Könnte der Herr "solidstate" vielleicht auch den genauen Ort angeben, wo die Wissenschaftler dann "vor Ort" suchen könnten. Oder vielleicht liest der Herr den Artikel vollständig, bevor er in übellauniger Wissensschaftsfeindlichkeit auf ernsthafte und offensichtlich schlauere Leute losgeht:
      "Messungen der National Oceanic and Atmospheric Administration bestätigten diese Vorhersagen mit einer Genauigkeit von einigen Kilometern."

      ...im Übrigen: was ist eine "denkliche Entwicklung"?

    • ja, wenn die sog.

      mantispa, vor 528 Tagen, 12 Stunden, 22 Minuten

      "peer reviewers" das durchgehen lassen ...

    • hallo pepper,

      mantispa, vor 528 Tagen, 12 Stunden, 19 Minuten

      wozu deine plötzliche aggressivität ?

    • >mantispa

      pepperbird, vor 528 Tagen, 12 Stunden, 14 Minuten

      Ist doch nur natürlich, dass das Echo einen ähnlichen Klang hat wie das ursprüngliche Signal.

    • ich hätte dasselbe

      mantispa, vor 528 Tagen, 5 Stunden, 59 Minuten

      wie solidst. hergeschrieben.

    • >mantispa

      pepperbird, vor 528 Tagen, 10 Minuten

      So what?

    • Wenn doch bloß unsere Wetterprognosen...

      antispam, vor 526 Tagen, 13 Stunden, 11 Minuten

      ...so zuverlässig wie dieses Modell wären!

      "We used the new diagnostic to forecast the spatial location and timing of oil washing ashore in Plaquemines Parish and Grand Isle, Louisiana, and Pensacola, Florida, in May 2010 and flow of oil towards Panama City Beach in June 2010."

      Nach meiner Logik würden die Leute eine Vorhersage für Mai und Juni 2010 nicht im September veröffentlichen, wenn sie sich als falsch erwiesen hätte.