Standort: science.ORF.at / Meldung: "Plagiatsverdacht gegen Schaumburg-Lippe"

Plagiatsverdacht gegen Schaumburg-Lippe

Die Universität Innsbruck hat ein behördliches Verfahren gegen Mario-Max Schaumburg-Lippe eingeleitet. Er steht unter Verdacht, Teile seiner Dissertation aus anderen Texten übernommen zu haben.

Universität 03.09.2010

Ausgangspunkt der Erhebungen dürfte ein Gutachten des österreichischen Medienwissenschafters Stefan Weber sein.

Vernichtendes Urteil

Weber hat im Auftrag einer Anwaltskanzlei die Buchfassung der Dissertation von Mario Wagner - so der bürgerliche Name von Schaumburg-Lippe - mit dem Titel "Kann der Papst die Krise beenden?" überprüft. Sein Urteil: Die Plagiatsstellen würden sich "von der allerersten bis zur allerletzten Zeile Fließtext" ziehen.

Schaumburg-Lippe hat laut Weber 2003 an der Uni Innsbruck in Rechtswissenschaften zum Thema "Die Sozialphilosophie von Joseph Kardinal Höffner" dissertiert, das darauf basierende Buch ist 2009 im "Lulu Verlag Deutschland" erschienen. Betreuer der Dissertation war laut Weber der Jurist Theo Mayer-Maly.

Weber hat den Auftrag zur Überprüfung der Dissertation von einer deutsch-österreichischen Anwaltskanzlei erhalten. Nach Angaben des Medienwissenschaftlers ist die Doktorarbeit "wortident" mit den mittlerweile zwei Ausgaben des Buches. Er hat die Buchfassung der Dissertation mit Hilfe der Suchmaschine "Google" auf mögliche Übereinstimmungen mit Texten aus dem Internet untersucht. Sein Urteil in dem Gutachten fällt vernichtend aus.

Päpstliche Anleihen

Der Verfasser habe aus mehreren Enzykliken des Papstes, von Joseph Höffner selbst sowie Sozialwissenschaftlern bzw. -ethiker plagiiert. "Auffällig ist, dass sich die Plagiatsstellen - im Umfang von einem Einzelsatz bis zu eineinhalb Seiten Fließtext am Stück - durch die gesamte Arbeit ziehen, von der Kurzfassung am Textanfang bis zum Schlusskapitel, und sogar im wahrsten Sinne des Wortes von der allerersten bis zur allerletzten Zeile Fließtext." Dies lasse den Schluss zu, "dass der Autor 'methodisch' vorgegangen ist", so Weber, der auf 74 Buchseiten 37 plagiatorische Einzelübernahmen identifiziert hat.

Weber hält "hochschulrechtliche Konsequenzen" für "unvermeidlich", wie er im Gutachten schreibt, das er der Uni Innsbruck im April 2010 übermittelt hat und die ihm im Mai versichert habe, dass sie die Vorwürfe gewissenhaft prüfen werde. "Der Fall ist klar, das muss zu einer Aberkennung des Doktortitels führen, alles andere wären sizilianische Verhältnisse", sagte der Medienwissenschaftler gegenüber der APA. Schaumburg-Lippe war vorerst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

science.ORF.at/APA

Mehr zu diesem Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • maxx1, vor 526 Tagen, 4 Stunden, 19 Minuten

    Der Orf soll über wirklich interessant Plagiate berichten!
    Ich hab das Zitat eines Wiener Profs über Hahns Doktorarbeit, wobei ich das Zitat aus Wikipedia aber nicht überprüft habe:

    „Es handelt sich um eine Arbeit minderer Qualität, die stellenweise an das Banale und sogar Peinliche grenzt. In ihrer Abfassung sind elementare Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens vielfach mißachtet worden. Die Schlamperei grenzt an Fahrlässigkeit. Mit Wissenschaft hat das nur als abschreckendes Beispiel zu tun.“

  • maxx1, vor 526 Tagen, 4 Stunden, 26 Minuten

    Wenn da was dran sein soll, dann triftt es wohl nur einen von vielen. Doktorväter haben offensichtlich eben andere Sorgen als die Dissertationen ihrer Schützlinge.

  • ich weiss zwar nicht

    iggi, vor 527 Tagen, 15 Stunden, 41 Minuten

    wer mario-max schaumschlag-lippe ist aber dass sein werk im 'lulu' verlag erschien, sscheint mir stimmig.
    der billige doktortitel ist eine der unguteren oesterreichischen spezialitaeten, und herr weber tut gesellschaft und wissenschaft einen grossen dienst.

    • Hab ich in einem anderen Forum gefunden:

      manfredvogl, vor 526 Tagen, 4 Stunden, 59 Minuten

    • http://www.youtube.com/watch?v=jH95YwQZSbw&feature=related

      manfredvogl, vor 526 Tagen, 4 Stunden, 58 Minuten

      Echt köstlich, dieser Adoptiv- oder sonstwasprinz.

    • welch ein glueckspilz,

      iggi, vor 526 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

      andere muessen sich von frueh bis spaet mit dem gummihammer auf die birne pruegeln um sich einen derartigen grinser umhaengen zu koennen.
      THX.