
Aus für Diabetiker-Lebensmittel
Produkte haben kaum Vorteile
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft sind Diabetiker-Lebensmittel für zuckerkranke Menschen nicht viel besser geeignet als herkömmliche Lebensmittel.
Oft enthalten sie mehr Fett und Kalorien als die herkömmliche Variante. Kekse und Marmeladen für Zuckerkranke entsprächen in ihrer Zusammensetzung nicht mehr den Ernährungsempfehlungen, heißt es seitens der deutschen Bundesregierung. Zudem ist bei Menschen mit Diabetes häufig nicht nur der Zucker-, sondern auch der Eiweiß- und Fettstoffwechsel gestört.
Bisher hat sich die deutsche Lebensmittelindustrie gegen die Abschaffung von Produkten für Diabetiker gewehrt, weil ihr damit ein großes Geschäft entgeht.
Eine halbe Milliarde Umsatz pro Jahr
"Das ist eine deutliche Veränderung, die auf die betroffenen Unternehmen zukommt", sagte Norbert Pahne, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung gegenüber der dpa. Dem Verband gehören 60 Hersteller diätetischer Lebensmittel in Deutschland an.
In Deutschland gibt es sechs Millionen Diabetiker. Allein 2009 beziffert Pahne den Umsatz mit Diabetikerprodukten mit rund 138 Millionen Euro. Dazu kommen noch einmal 380 Millionen Euro für den Umsatz mit zuckerarmen Getränken.
Bis 2012 dürfen die Unternehmen noch Diabetikerprodukte herstellen. Und auch dann müssen die Regale nicht umgehend geräumt werden. Erst wenn alles verkauft respektive abgelaufen ist, ist es mit den Diabetiker-Lebensmitteln endgültig vorbei. Und auch in Österreich gibt es derartige Pläne.
Österreich wartet noch ab
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft, kurz ÖDG, ist schon seit geraumer Zeit bestrebt, die Diabetiker-Produkte aus den Geschäften zu verbannen. Am dritten August hat die ÖDG eine entsprechende Anfrage an das Bundesministerium für Gesundheit geschickt.
"In der Antwort heißt es, der 'Bedarf an diätetischen Lebensmitteln sei nicht gegeben', und 'ausgewogene Mischkost' könne dem Bedarf von Diabetikern genügen. Der Meinung sind Fachleute auch schon länger", sagte Raimund Weitgasser, Vorsitzender der ÖDG und Leiter der Inneren Medizin am Diakonissen-Krankenhaus Salzburg.
Tatsächlich sei man mit der "Abschaffung dieser Lebensmittel einverstanden", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums im Gespräch mit science.ORF.at. Man würde sich im Ministerium jedoch ein "gemeinsames Vorgehen mit Brüssel" wünschen, daher wird im Ministerium noch auf "eine entsprechende EU-Richtlinie" gewartet.
science.ORF.at/dpa
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