
Rohdaten der Klimaforschung bald zugänglich?
Eine weltweite und für jedermann frei zugängliche Datenbank: Das ist das Fernziel eines Workshops, der vom 7. bis 9. September im britischen Exeter abgehalten und vom britischen Met Office veranstaltet wird.
Transparenz für eine angeschlagene Disziplin
Offenheit würde der in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt angeschlagenen Disziplin der Klimaforschung gut tun. Zur Erinnerung: Kurz vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 waren Hacker in das Netzwerk des renommierten Climate Research Unit (CRU) an der University of East Anglia eingedrungen. Sie stahlen tausende E-Mails und andere Dokumente und stellten sie kurz darauf ins Internet.
Einige E-Mails wurden daraufhin auf klimaskeptischen Websites als "Beweis" dafür zitiert, dass die Klimaerwärmung ein Werk dunkler Mächte sein, zumal in einer Mail im Zusammenhang mit Klimadaten von einem "Trick" die Rede war.
Eine unabhängige Untersuchungskommission hat mittlerweile alle Forscher vom Verdacht freigesprochen, absichtlich Daten zur Erderwärmung gefälscht zu haben. Beklagt wurde von der Kommission aber ein Mangel an Offenheit, was den Umgang mit den Klimadaten betrifft. Auch der deutsche Meteorologe Hans von Storch beklagte in einem science.ORF.at-Interview, dass in der Klimaforschung zu viele Rohdaten unter Verschluss gehalten werden.
Offenheit und ihre Grenzen
Genau dagegen möchte nun der Workshop in Großbritannien angehen. "Er ist eine Übung in Sachen Offenheit der Klimaforschung", bezeichnet es der Klimaforscher und Veranstaltungsleiter Peter Thorne gegenüber dem Online-Dienst von Nature. Bis heute stünden für ganze Zeitperioden auch der jüngeren Vergangenheit und für ganze Regionen keine oder nur unzureichende Daten zur Verfügung.
Die Gründe dafür seien vielfältig: Zum Teil wurden die Daten noch gar nicht erhoben, zum Teil noch nicht digitalisiert, zum Teil gibt es dafür aber auch politische und wirtschaftliche Ursachen. In manchen Ländern leben die meteorologischen Anstalten schlicht von den Einnahmen ihrer Daten und weigern sich deshalb, sie frei zur Verfügung zu stellen.
Dauert im besten Fall noch Jahre
In einem "Nature"-Kommentar hat Peter Thorne vor kurzem ausgeführt, wie eine Datenbank dennoch aussehen könnte, die den Anforderungen der Transparenz entsprechen würde.
Demzufolge müsse sie: kleinskalige Daten von Messstationen enthalten, die Temperaturen mehrmals täglich messen; von Klimaforschern eingesehen werden können, auch wenn die Daten aus kommerziellen Gründen geschützt sind. Etwaige Korrekturen der Daten müssten transparent erfolgen.
Wie die bisher vorhandenen Forschungsergebnisse und Messungen homogenisiert werden können, soll der aktuelle Workshop in England nun klären. Schon jetzt ist klar, dass die Realisierung Jahre dauern und Millionen von Euro kosten würde.
science.ORF.at
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