
Seltene Pflanze hat größtes Erbgut
Dies berichten Ilia Leitch vom Jodrell Labor der Königlich Botanischen Gärten in London und Kollegen in einer Studie.
Die Studie:
"The largest eukaryotic genome of them all?" von Ilia Leitch et al. ist im "Botanical Journal of the Linnean Society" erschienen.
Sehr kleine und sehr große Genome
Das Maß für die Gesamtmenge an DNA eines haploiden Genoms - von Zellen also mit einfachem Chromosomensatz - liefert der sogenannte Chromatinwert oder C-Wert. Angegeben wird er in Pikogramm, das sind Billionstel Gramm.
Die kleinsten Genome haben Viren und Bakterien. Unter den Eukaryoten, Lebewesen mit Zellkern und Kernmembran, gilt der Parasit und Krankheitserreger Encephalitozoon intestinalis als Meister der Reduktion. Er verfügt über nur 0,0023 Pikogramm DNA.
Das menschliche Genom ist laut einer Aussendung der Königlich Botanischen Gärten mit drei Pikogramm immerhin 1.300 Mal größer, was im Vergleich zu anderen Lebewesen immer noch bescheiden scheint. Spitzenreiter in der Fauna sind dabei nicht die Säugetiere, sondern Amphibien und Fische.
Neuer Rekordhalter
Sendungshinweis
"Natur im Garten": 3. Oktober 2010, 16.10 Uhr, ORF 2
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Als jene Arten mit dem umfangreichsten Erbgut galten deshalb bisher afrikanische Lungenfische. Protopterus aethiopicus bringt es auf einen C-Wert von 132,83 Pikogramm. Bei den Pflanzen galt lange Zeit eine Art aus der Familie der Liliengewächsen - Fritallaria assyriaca - mit 132,5 Pikogramm als Rekordhalter.
Verdrängt wurde sie nun von einem anderen Liliengewächs. Die sehr seltene Paris japonica - eine Art der Einbeeren - legt noch einmal 15 Prozent mehr auf die Waage und kommt auf 152,23 Pikogramm DNA.
Kein Gradmesser für biologische Komplexität
Ilia Leitch, einer der Forscher am Jodrell Laboratory: "Wir waren sehr erstaunt, dass diese kleine Pflanze über ein derart großes Genom verfügt. Wenn man es ausdehnen würde, wäre es höher als der Big Ben."
Dass biologische Komplexität nicht unbedingt mit der Größe des Genoms zu tun hat und auch nicht mit der Anzahl der Gene, ist schon länger bekannt - und mit der aktuellen Studie einmal mehr beeindruckend bewiesen.
Bedeutungslos ist die DNA-Menge aber natürlich nicht: "Frühere Studien haben gezeigt, dass sich Pflanzen mit großem Erbgut schlechter auf extremer werdende Umweltbedingungen einstellen können als andere und deshalb eine größere Wahrscheinlichkeit haben auszusterben", sagt Leitch.
science.ORF.at
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