
Ohne Subventionen vor dem Aus
Unruhe im Ruhestand
Obwohl seit Jahren im Ruhestand, hält Heinz-Dieter Pohl am Institut für Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Universität Klagenfurt nach wie vor Lehrveranstaltungen ab. Auch seine Herausgebertätigkeit von gleich drei wissenschaftlichen Zeitschriften hat er nicht eingestellt. Vor einigen Tagen ist dem ruhigen Professor der Kragen geplatzt.
"Ich habe vom Präsens Verlag erfahren, dass die zwei Zeitschriften, die ich bei ihm herausgebe, vom Wissenschaftsministerium nicht mehr unterstützt werden. Daraufhin habe ich eine Anfrage an das Ministerium gestellt, und das wurde postwendend bestätigt. Die Zeitschriften stehen damit vor dem Aus", erzählt Pohl.
Aus Protest hat er am vergangenen Wochenende eine Unterschriftenliste ins Internet gestellt, die mittlerweile (Stand: 23.3.) von rund 340 Personen von Universitäten und aus dem akademischen Umfeld unterschrieben wurde.
"Katastrophe für Verlage"
"Monatelang ist die Einstellung der Subventionen als Gerücht durch die Verlage gegeistert", erklärte Markus Hatzer, Verleger des Studienverlags in Innsbruck, gegenüber science.ORF.at. Durch die Unterschriftenliste von Heinz-Dieter Pohl ist die Angelegenheit öffentlich gemacht worden.
"Das ist nicht nur für die wissenschaftlichen Verlage eine Katastrophe, sondern auch für junge Forscher und Forscherinnen, denen Publikationsmöglichkeiten abhanden kommen", sagt Hatzer.
Der Studienverlag gibt seinen Angaben zufolge 19 Zeitschriften aus dem geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereich heraus, darunter "Zeitgeschichte", das "Medien Journal" und das "Journal für Lehrerinnen- und Lehrerbildung". Die Hälfte der Zeitschriften sind durch die Ankündigung des Ministeriums in ihrer Existenz gefährdet, so Hatzer.
BMWF: "Schmerzlich, aber notwendig"
Das Wissenschaftsministerium (BMWF) bestätigt mittlerweile auch offiziell. Die Subventionen für wissenschaftliche Zeitschriften, Einzelpublikationen und Symposien sind ab dem 1. Jänner 2012 gestrichen. Heuer stehen noch 700.000 Euro zur Verfügung, genau die Hälfte der 1,4 Millionen Euro, die im Vorjahr für den Bereich budgetiert waren. 2010 wurden damit 625 Einzelpublikationen gefördert sowie 225 Zeitschriften bzw. wissenschaftliche Reihen. Für Veranstaltungen standen 595.000 Euro zur Verfügung, heuer sind es nur noch 480.000 Euro.
Ministerin Beatrix Karl (ÖVP) habe immer wieder klargestellt, dass Kernbereiche ihres Ressorts wie die Universitäten, der FWF und die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft nicht von Budgetkürzungen betroffen sind, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium.
"Aber: Auch das BMWF muss - wie alle anderen Ministerien - einen Konsolidierungsbeitrag leisten und dazu sind leider auch Einsparungen notwendig. Im BMWF wird das Einsparen der Druckkostenzuschüsse als schmerzlicher Schritt gesehen, aus budgetären Gründen ist es aber leider notwendig", so das Ministerium gegenüber science.ORF.at.
Elektronisches Publizieren keine Alternative
Ö1 Sendungshinweis:
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Mit den Einsparungsmaßnahmen werden vermutlich auch einige Zeitschriften eingespart. Betroffen davon wären in erster Linie Geisteswissenschaften und junge Forscher, heißt es etwa vom Facultas Verlag in Wien, der u.a. die "Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft" herausgibt.
Dem pflichtet auch Michael Hatzer vom Studienverlag bei: "Wenn jetzt der Vorschlag kommt, wir sollten doch elektronisch publizieren, muss man zwei Dinge festhalten. Zum einen wirkt sich das Trägermedium auf den Inhalt eines Textes aus. Die Inhalte von Geisteswissenschaften erschließen sich oft erst über längere Lesestrecken, im Gegensatz zu den Naturwissenschaften. Und dazu brauchen wir auch weiter den Druck. Zum anderen sind elektronische Publikationen auch nicht wirklich billiger. Die meisten Kosten entstehen durch Redaktion, Lektorat und Marketing, nicht durch den Druck", sagt Hatzer.
Stellenwert der Geisteswissenschaften
Er sieht durch die Einstellung der Druckkostenzuschüsse die prinzipielle Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die Geisteswissenschaften in Österreich haben. Wenn etwa Zeitschriften für Zeitgeschichte aufhören würden zu existieren, könnten junge Forscher ihre Artikel zwar noch immer bei deutschen Verlagen einreichen.
"Aber für die sind regionale Aspekte aus Österreich sicher weniger interessant", meint Hatzer. Und das könnte letztlich die Publikationsmöglichkeiten und auch die Themenvielfalt der Forschung reduzieren.
Eine Ansicht, der sich auch Heinz Dieter Pohl anschließen könnte, der mit seiner Unterschriftenaktion gegen die Sparmaßnahmen an die Öffentlichkeit gegangen war und nebst anderem die Eigenheiten des österreichischen Deutsch erforscht.
Lukas Wieselberg, science.ORF.at
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