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Künstlerische Darstellung von Zellen/Mikroben

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1,7 Millionen Tote pro Jahr

Intensive Bemühungen im Kampf gegen Tuberkulose (TB) und das HI-Virus haben die Zahl der Neuinfektionen eingedämmt. Trotzdem bleibt die TB mit 9,4 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2009 die weltweit am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit.

Welt-Tuberkulose-Tag 24.03.2011

"Weiterhin sterben rund 1,7 Millionen Menschen pro Jahr an TB, das sind ca. 4.600 Menschen pro Tag", stellte jetzt die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) aus Anlass des Welt-Tuberkulose-Tages am 24.3. in einer Aussendung fest.

"In Österreich bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit leicht fallender Tendenz auf niedrigem Niveau", erklärte der neue Leiter des Arbeitskreises "Infektiologie und Tuberkulose" der Fachgesellschaft, Holger Flick

Gute Entwicklung in Österreich

Im Vergleich zu 2008 erkrankten in Österreich im Jahr 2009 um 130 Menschen weniger an TB als im Jahr davor (2008: 829 Neuerkrankungen, 2009: 700). Im Jahr 2010 waren es 721, aber das sind noch vorläufige, keine abgesicherten Daten. Sie könnten noch um rund fünf Prozent nach unten oder nach oben korrigiert werden. Österreich ist damit ein Land mit geringer Häufigkeit der Erkrankung, so Flick.

Ö1 Sendungshinweis:

Radiodoktor - Medizin und Gesundheit, Montag, 14:05 Uhr; Radiodoktor - Das Ö1 Gesundheitsmagazin, Donnerstag, 16:40 Uhr.

Allerdings sind bedauerlicherweise bestimmte Bevölkerungsgruppen öfter betroffen. Unverändert handelt es sich bei knapp der Hälfte der Patienten um Menschen mit Migrationshintergrund. Tuberkulose war schon immer eine Krankheit der Armen, sozial Benachteiligten, Migranten und Kriegsopfer.

Flick: "Es gilt nach wie vor, dass die Zahl der TB-Erkrankungen in jenen Ländern steigt, in denen Armut, Krieg und politische Instabilität herrschen. Dort sterben an dieser prinzipiell heilbaren Infektion mehr Menschen als in anderen Ländern. Weltgesundheitspolitisch ist die TB ein Indikator für Armut, Elend und Unterernährung."

Studie von Ärzte ohne Grenzen

Die Studie:

"DR-TB Drugs under the Microscope" ist auf der Website von "Ärzte ohne Grenzen" erschienen.

In diese Kerbe schlägt auch "Ärzte ohne Grenzen" (MSF). Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tags hat die Organisation auf ein Diagnoseverfahren hingewiesen, das es ermöglicht, mehr Menschen auf medikamentenresistente Tuberkulose zu testen.

Die medikamentenresistente Tuberkulose ist laut MSF auf dem Vormarsch, aber weniger als sieben Prozent der neu erkrankten Patienten werden behandelt. An der resistenten Tuberkulose sterben laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 150.000 Menschen.

Die Behandlung resistenter TB basiert auf alten Antibiotika, von denen viele starke Nebenwirkungen haben, die von Übelkeit bis zu Taubheit reichen. Die Behandlung ist kompliziert: Die Patienten müssen bis zu zwei Jahre lang jeden Tag bis zu 17 Tabletten schlucken. Die Heilungsaussichten sind unsicher. Trotz dieser gravierenden Nachteile gibt es bisher keine besseren Medikamente.

Teurer Kampf gegen medikamentenresistente TB

In der Studie von "Ärzte ohne Grenzen" werden alle Medikamente, die zur Behandlung resistenter Tuberkulose eingesetzt werden, auf die Anzahl der Hersteller, die Qualitätskontrolle und den Preis hin untersucht. Das laut der Organisation ernüchternde Ergebnis: Für insgesamt vier der empfohlenen Medikamente steht nur jeweils ein qualitativ guter Hersteller zur Verfügung. Außerdem sind viele Medikamente sehr teuer. Die zweijährige Behandlung der resistenten Tuberkulose kann dadurch hunderte Mal mehr kosten als die einer normalen, nicht-resistenten TB.

Ärzte ohne Grenzen fordert daher, mehr Forschungsmittel in Behandlung, Diagnose und Impfung gegen Tuberkulose zu stecken. "Jedes Leben, das wir heute retten können, zählt. Für den wirklichen Durchbruch in der Zukunft brauchen wir aber neue Werkzeuge zur Bekämpfung dieser tödlichen Krankheit", sagt Franz Neunteufl , der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen" Österreich.

science.ORF.at/APA

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