
Crutzen: Geo-Engineering "nur letztes Mittel"
Zuvor müssten alle anderen Möglichkeiten ausgelotet und mögliche Nebeneffekte erforscht werden, sagte der für die Entdeckung des Ozonlochs 1995 mit den Nobelpreis für Chemie ausgezeichnete Wissenschaftler.
Heftige Kritik nach Vorschlag
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Donnerstag, 24. März 2011, 09:05 Uhr
Crutzen hatte 2006 vorgeschlagen, Schwefel oder Schwefelwasserstoff in die Atmosphäre zu bringen. Diese Teilchen würden Sonnenstrahlen reflektieren und so den Treibhaus-Effekt bremsen - ein Effekt, wie er auch nach Vulkanausbrüchen als natürliches Phänomen beobachtet wird. Er sei für diesen Vorschlag "heftig von Kollegen angegriffen worden", sagte Crutzen gegenüber der APA heute in Wien, "aber ich habe immer gesagt, das ist das letzte Mittel". Es sei aber "keine Lösung, zuerst müssen wir sparsamer leben und den CO2-Ausstoß senken".
Aber wenn nichts unternommen werde und die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) weiter steige "kann man in eine Situation geraten, wo die Folgen für das Klima so enorm werden, dass man zu anderen Mittel greifen muss". Crutzen ist bewusst, dass es durch den Schwefel in der Atmosphäre auch zu einem weiteren Abbau der schützenden Ozonschicht kommen kann. "Aber wenn das CO2 weiter ein Problem wird, wird es irgendwann die Wahl geben zwischen weniger Ozon oder weniger CO2."
Ozonloch: Widersprüchliche Berichte
Zu widersprüchlichen Meldungen über den Zustand der Ozonschicht in den vergangenen Wochen kann Crutzen nicht viel sagen. Während Neuseeländische Wissenschaftler vor kurzem festgestellt hatten, dass das Ozonloch über der Antarktis so klein ist wie seit fünf Jahren nicht mehr, haben Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts vor einem massiven Rückgang des Ozons in arktischen Regionen gewarnt.
Man müsse solche Variationen erwarten, der Grund dafür liege vor allem in der Dynamik der Atmosphäre. Knapp 25 Jahre nach Verbot der Ozon-schädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) werde die Situation aber allmählich besser. Dennoch dauere es rund 100 Jahre, bis das Ozonloch endgültig verschwunden sein wird, so Crutzen.
Biosprit aus Mais "Quatsch"
Bei seiner vor drei Jahren geäußerten Kritik an der Erzeugung von Biosprit aus Getreidesorten wie Mais oder Raps bleibt der Wissenschafter, "das ist Quatsch". Durch die notwendige Düngung würde wesentlich mehr des gefährlichen Treibhausgases Lachgas frei als gedacht. Biosprit der zweiten Generation, also aus zellulosehaltigen Rohstoffen wie Holz oder Gräser, sei dagegen deutlich besser, weil nicht mit Stickstoff gedüngt werden müsse.
Bei den verschiedenen Alternativenergien sieht Crutzen in der Nutzung der Sonnen- und Windenergie das größte Potenzial, "das ist die einzige Lösung". Trotz des Atomunfalls in Japan ist für Crutzen "die Kernenergie nicht tot". Deutschland wolle zwar aussteigen, aber andere Länder wie China würden die Atomkraft ausbauen. Die Entscheidung in Deutschland sei "rein politisch. Was hier abgebaut wird, wird durch Energie aus Atomanlagen aus Frankreich ergänzt - was ist das für eine Lösung?", so Crutzen.
science.ORF.at/APA
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