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Die Wittgenstein-Preisträger 2011 Gerhard Herndl und Jan-Michael Peters

APA/Georg Hochmuth und Helmut Fohringer

Biologen Peters und Herndl ausgezeichnet

Die beiden Biologen Jan-Michael Peters vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien und Gerhard Herndl vom Department für Meeresbiologie der Universität Wien erhalten den Wittgenstein-Preis 2011. Mit einer Dotierung von 1,5 Mio. Euro ist die Auszeichnung der höchste wissenschaftliche Förderungspreis des Landes.

Wittgenstein-Preis 2011 21.06.2011

Das gaben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Gleichzeitig wurden acht Nachwuchsforscher mit den mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotierten START-Preisen ausgezeichnet.

Gerhard Herndl (55) ist seit 2008 Professor für Meeresbiologie und Leiter des gleichnamigen Departments an der Uni Wien. Jan-Michael Peters (48) ist Senior Scientist am IMP und dessen stellvertretender wissenschaftlicher Direktor. Der Wittgenstein-Preis steht ausschließlich für Forschungsarbeiten, insbesondere die Anstellung junger Wissenschaftler zur Verfügung.

Herndl: Stoffkreisläufe im Meer

Der Biologe und Wittgenstein-Preisträger 2011 Gerhard Herndl
Gerhard Herndl

Spezialgebiet Herndls sind die marinen Mikroorganismen und deren Rolle in den Ozeanen. Hier hat er essenzielle Beiträge zu einem besseren Verständnis etwa der Stoffwechselvorgänge der Tiefsee-Mikroorganismen und deren Rolle in den Stoffkreisläufen der Weltmeere geleistet. Beispielsweise hat er die Entstehung des Phänomens "Marine Snow" in der Oberen Adria geklärt, das im Zusammenhang mit Algenblüten auftritt.

Das Preisgeld erlaube "einen gewissen Freiraum und ohne Geldmangel Forschung zu betreiben", sagte Herndl gegenüber der APA. Einerseits will er die Mittel für die kostspieligen Schiffseinsätze verwenden, andererseits für molekularbiologische Analysen der in den vergangenen Jahren gesammelten Proben.
Eine spezielle Forschungsfrage hat Herndl auch: So wie pflanzliches Plankton in Oberflächengewässern Licht als Energiequelle verwendet, um organisches Material herzustellen, gelingt dies auch Mikroorganismen in der völligen Dunkelheit der Tiefsee. Als Energiequelle dazu nutzen sie statt Sonnenlicht etwa Ammonium, "aber das reicht bei weitem nicht aus, um das, was wir an organischer Kohlenstoffbildung messen, zu erklären", so Herndl, der sich auf die Suche nach den anderen Energiequellen machen will.

Peters: Mechanismen der Zellteilung

Der Biologe und Wittgenstein-Preisträger 2011 Jan-Michael Peters
Jan-Michael Peters

Peters hat sich die vergangenen Jahre vor allem mit den Vorgängen bei der Zellteilung beschäftigt, speziell der Frage, wie die Tochterzellen eine idente Kopie der Chromosomen erhalten. Wenn dies nicht der Fall ist, können Krankheiten wie Krebs und Behinderungen entstehen. Seine Arbeiten haben wesentlich zum Verständnis der molekularen Mechanismen beigetragen, die dabei eine Rolle spielen. Insbesondere hat Peters und sein Team die Funktion von Proteinkomplexen aufgeklärt, die bei diesen Vorgängen eine zentrale Rolle spielen.

Bei diesen Arbeiten hätten sich "für uns neue Themen erschlossen, die vielleicht noch interessanter sind", sagte Peters zur APA. Einige Proteine, die eine wichtige Rolle bei der Zellteilung haben, hätten auch eine wichtige Funktion bei der strukturellen Organisation des Genoms. "Wir sind momentan in der erstaunlichen Situation, dass wir das menschliche Genom vollständig entschlüsselt und auch einiges Wissen über die Funktion einzelner Gene haben, aber wie diese Information in den 46 Chromosomen verpackt ist, ist noch erstaunlich wenig verstanden", so Peters.

Die DNA ist ja nicht irgendwie in den Zellkern gestopft, sondern in hoch komplizierter Weise in den Chromosomen angeordnet. Aus guten Gründen, denn diese Struktur hat wesentlichen Einfluss darauf, welche Gene aktiv und damit verwendet werden können oder nicht. Vor allem der bei der Zellteilung wichtige Proteinkomplex "Cohesin" hat auch eine wichtige Rolle dabei, wie die DNA verpackt ist. Und das soll ein neuer, mit dem Wittgensteinpreis finanzierter Forschungsschwerpunkt Peters werden.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Verleihung des Wittgenstein-Preises und der START-Preise berichten auch die Ö1 Journale und die Sendung "Wissen Aktuell" um 13.55 Uhr.

START-Preise

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden aus 56 Bewerbungen acht Nachwuchsforscher in das START-Programm aufgenommen. Mit der höchstdotierten und anerkanntesten Förderung für Nachwuchsforscher sollen die ausgezeichneten Wissenschaftler in den nächsten sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert ihre Forschung planen und eine eigene Arbeitsgruppe auf- bzw. ausbauen können.

Den START-Preis 2011 erhalten sieben Männer und eine Frau: Peter Balazs, Institut für Schallforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW); Agata Ciabattoni, Institut für Computersprachen, Technische Universität (TU) Wien; Sebastian Diehl, Institut für Theoretische Physik, Universität Innsbruck; Alwin Köhler, Department für Medizinische Biochemie, Medizinische Universität Wien; Thomas Müller, Institut für Photonik, TU Wien; Peter Rabl, Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, ÖAW; Michael Sixt, Institute of Science and Technology Austria (IST Austria); Philip Walther, Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, Universität Wien.

science.ORF.at/APA

Wittgensteinpreis TrägerInnen Club

Die Wittgensteinpreise der vergangenen Jahre:

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