
Stressreaktion prägt die Persönlichkeit
Angsthasen und Draufgänger
Die Studie "Interparental aggression and children’s adrenocortical reactivity: Testing an evolutionary model of allostatic load" von Patrick Davies et al. erscheint in "Development and Psychopathology".
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Für ihre Studie untersuchten die Forscher um Patrick Davies von der University of Rochester, wie Kleinkinder auf Stress reagieren, im Mittelpunkt standen dabei Konflikte innerhalb der Familie. "Aus der Forschung wissen wir, dass ständige Streitigkeiten zwischen den Eltern ein wesentlicher Stressfaktor bei Kindern ist," so Davies.
201 zwei Jahre alte Kleinkinder wurden untersucht, alle stammten aus armen Familien mit einem ähnlichen sozioökonomischen Profil. Anhand von Interviews mit der Mutter und Fragebögen, stellten die Forscher fest, wie stark sie häuslichen Aggressionen zwischen den Eltern ausgesetzt sind.
Außerdem beobachteten sie, wie sich die Kleinen in neuen, ungewohnten Situationen verhalten. Manche wurde sehr still und anhänglich, weinten oder klammerten sich an ihre Mutter. Andere wurden eher dreist und aggressiv, unerschrocken erkundeten sie neue Dinge oder Umgebungen.
Unterschiedliche Lebensstrategien
Im nächsten Schritt erfassten die Studienautoren die hormonelle Reaktion der Kinder, während diese ein harmloses Konfliktgespräch zwischen ihren Eltern am Telefon mithörten. Auch im Hormonspiegel zeigten sich laut den Forschern die unterschiedlichen Persönlichkeiten. Die Ängstlichen hatten vermehrt Cortisol - ein typisches Stresshormon - ausgeschüttet. Bei den Mutigen, die ebenfalls stressreiche Erfahrungen zuhause gemacht hatten, war die Cortisolausschüttung hingegen gebremst. Das spreche dafür, dass sie auch körperlich nicht so stark auf Gefahr reagieren.
Die unterschiedlichen Reaktionen haben den Forschern zufolge jeweils andere Vor- und Nachteile - es gebe eben nicht die eine, immer richtige, gesunde Verhaltensweise. So hätten die Angsthasen seltener Konzentrationsprobleme, seien allerdings stärker gefährdet, später an einer Angststörung oder an Depressionen zu erkranken. Die Furchtlosen hätten kaum Probleme mit Ängsten, dafür neigten sie eher zu riskantem Verhalten oder Aufmerksamkeitsstörungen.
science.ORF.at


