
Chefs haben mehr Stress
Chef sein hat seinen Preis
Zur Studie in "Science":
"Life at the Top: Rank and Stress in Wild Male Baboons" von L.R. Gesquiere et al.
Chef zu sein, hat viele Vorteile. In Primatengruppen etwa kommen die ranghöheren Tiere leichter an Futter und haben bei der Paarung den Vortritt vor den Männchen niederen Rangs. Doch diese Position hat ihren Preis. So muss ein Alpha-Männchen stets seine Stellung verteidigen und sich gegen aufstrebende rangniedere Tiere behaupten. Das kostet Energie und bedeutet Stress.

Im Körper lösen solche Stresssituationen eine Kette von hormonellen Reaktionen aus. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Glukokortikoide, die von der Nebennierenrinde als sogenannte Stresshormone gebildet werden. Mit ihrer Hilfe mobilisiert der Organismus die notwendige Energie, um den Stress zu bewältigen. Zu viel davon ist allerdings schädlich und kann krank machen.
Die Wissenschaftler um Laurence Gesquiere von der Universität von Princeton gehen davon aus, dass das Verhältnis zwischen sozialem Rang und der Konzentration der Stresshormone davon abhängt, wie stabil die soziale Hierarchie ist. Sie wollten herausfinden, ob die Anführer der Gruppe in Krisenzeiten mehr von diesen Hormonen bilden als ihre Artgenossen.
Niedriger Rang bedeutet ebenfalls Stress
Neun Jahre lang haben die US-Forscher regelmäßig die Konzentrationen von Testosteron und Glukokortikoiden in Kotproben von insgesamt 125 erwachsenen Pavianmännchen gemessen und parallel dazu ihr Verhalten dokumentiert. Die freilebenden Tiere stammen aus fünf verschiedenen Gruppen im Amboseli-Nationalpark.
Je niedriger der soziale Rang in der Gruppe ist, umso höher ist im Allgemeinen die Konzentration an Stresshormonen, berichten die Forscher. Eine ganz andere Formel scheint dagegen für die Alpha-Tiere zu gelten. Bei ihnen fanden die Ökologen wesentlich mehr Stresshormone als bei den Vize-Chefs. Das galt sogar für relativ stabile Gruppen. Ähnlich hohe Konzentrationen konnten die Forscher sonst nur bei den rangniedrigsten Tieren nachweisen.
Ständiger Kampf um Macht

Oberhaupt einer sozialen Hierarchie zu sein, könnte demnach wesentlich stressiger sein, als nur als Zweiter im Ring zu stehen, vermuten die Wissenschaftler. So muss der Boss häufiger um seine Vormachtstellung kämpfen und ständig um die Gunst der Weibchen buhlen, damit er seine Gene erfolgreich vererben kann. Anders, aber nicht minder aufreibend sind die Probleme der rangniederen Tiere. Bei ihnen geht es meist schlicht darum, etwas vom Futter abzubekommen.
Die Ergebnisse der Studie werten die Wissenschaftler als wichtigen Einblick in die Organisation sozialer Hierarchien. Es zeige, dass der Chef-Posten in tierischen, und möglicherweise auch menschlichen Gesellschaften seinen besonderen Preis hat, den es weiter zu erforschen gelte.
science.ORF.at/APA/dpa


