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Koreanische Flagge in einem Fußballstadion

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Physiker auf Kims Spuren

Es muss nicht immer Atomphysik sein: Drei Physiker haben mit Hilfe von Statistik die Geschichte des Koreanischen Namens "Kim" untersucht. Die Studie weist Korea als kulturelle Bastion im Wandel der Zeit aus.

Sprache 28.07.2011

Kim ist quasi der Gruber Koreas. Laut Wikipedia tragen 40 Prozent aller Koreaner den Nachnamen Kim. Und das wird sich in nächster Zukunft trotz kultureller Global- und Monotonisierung auch nicht wesentlich ändern. Denn der Familienname hat in Korea - viel stärker als in Europa - mit Ehre, Werten und Identität zu tun. Wichtige Versprechen werden in Korea im Namen der Familie abgegeben. Und verheiratete Frauen nehmen auch nicht den Familiennamen ihrer Männer an. Ihn abzugeben hieße, die eigene Herkunft zu verleugnen.

Stammbaum-Statistiken

Die Studie:

"The ten thousand Kims" New Journal of Physics (Bd. 13, S. 073036; doi: 10.1088/1367-2630/13/7/073036).

Durch den Einfluss des Konfuzianismus haben die Koreaner auch ein Faible für Ahnenforschung, sie führen Buch über die Familiengeschichte und dokumentieren den Stammbaum ihrer Vorfahren - ein Umstand, den sich nun Petter Minnhagen zu Nutze gemacht hat. Der Physiker von der schwedischen Universität Umeå hat mit zwei Kollegen zehn solcher Familienbücher analysiert. Die Aufzeichnungen reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück und geben Aufschluss darüber, wie sich die Koreanische Namensgebung im Lauf der Zeit entwickelt hat.

Wie Minnhagen im "New Journal of Physics" schreibt, lässt sich diese Entwicklung am besten mit einem statistischen Modell namens "random group formation" beschreiben. Das Modell besagt, dass die Zahl der Kims in der Koreanischen Bevölkerung im gleichen Maß wuchs wie die Zahl der verheirateten Frauen.

Das weist einerseits auf eine ausgeprägte Stabilität der koreanischen Kultur hin, und ist obendrein auch praktisch, da die konstante Kim-Proportion rechnerische Projektionen in die Vergangenheit ermöglicht: Laut Minnhagen und Co. gab es im Jahr 500 circa 10.000 Kims, daher auch der für physikalische Verhältnisse nachgerade poetische Studientitel "The ten thousand Kims". Einer von Minnhagens Co-Autoren stammt übrigens aus Korea. Er heißt, wie könnte es anders ein: Kim.

Robert Czepel, science.ORF.at

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