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Mehr Geld, mehr Publikationen

Das Prestige von Wissenschaftlern wird an der Anzahl ihrer Publikationen gemessen. Dass man diese mit finanziellen Anreizen erhöhen kann, zeigt eine aktuelle Studie. Forscher reichen ihrzufolge wesentlich mehr Artikel ein, wenn sie Prämien dafür bekommen. Allerdings werden nicht automatisch mehr publiziert.

Wissenschaftsforschung 09.08.2011

Zu mehr Veröffentlichungen bringen es Forscher besonders dann, wenn ihnen als Belohnung ein Karrieresprung oder eine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt werden. Das geht aus einer Analyse hervor, die den Vor- und Nachteilen verschiedener Publikationsförderungen auf den Grund gegangen ist.

Die Studie:

"Changing Incentives to Publish" von Chiara Franzoni und Kollegen ist im Fachmagazin "Science" erschienen.

Chiara Franzoni vom Politecnico di Milano und ihre Kollegen haben dazu Artikel von Forschern aus den 27 OECD-Staaten und aus China, Russland sowie Singapur im Fachmagazin "Science" untersucht.

Prestige und Belohnung

110.870 wissenschaftliche Artikel aus 144 Ländern sind innerhalb von zehn Jahren bei dem Fachmagazin "Science" eingetrudelt. Nur ein Bruchteil, etwa sieben Prozent der eingereichten Arbeiten, wurden in den Jahren 2000 bis 2009 auch tatsächlich publiziert.

"Science" und "Nature" sind die renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Welt - und Forscher wollen darin zumeist aus einem einzigen Grund ihre Arbeiten veröffentlichen: Prestige.

Von Prestige allein kann aber niemand leben. Deshalb gibt es in vielen Ländern eigene Fördergelder, um Forscher bei ihrem Plan, ihre Studien in großen Fachmagazinen zu veröffentlichen, zu unterstützen.

Unterschiedliche Fördermodelle

Chiara Franzoni und ihre Kollegen haben mit einer statistischen Erhebung nun untersucht, welche Förderungen zu einer hohen Quote an Einreichungen und Publikationen führen.

Seit den 1980er Jahren sind Belohnungen für Wissenschaftler, die ihre Artikel in internationalen Fachmagazinen publizieren, nichts Ungewöhnliches mehr. Die Autoren unterscheiden dabei grundsätzlich zwischen drei Kategorien: Förderungen für ganze Forschungsinstitute, verbesserte Karrierechancen für Wissenschaftler oder Prämien für einzelne Publikationen. Im Fokus ihrer Studie standen neue Maßnahmen der Förderung, die zwischen 2000 und 2009 eingeführt worden waren.

Wer bekommt das Geld?

In Australien entscheidet ein Forschungsrat darüber, welche Institute wie viel Förderungen bekommen. Maßgeblich sind Häufigkeit und Relevanz der Publikationen. Ähnliche Modelle gibt es in Großbritannien, Neuseeland, Norwegen, Belgien und Dänemark.

In Ländern wie der Türkei, China und Südkorea bekommen Forscher für jede Publikation Geldprämien: Beispielsweise bekommen südkoreanische Wissenschaftler für einen Artikel, der in "Science", "Nature" oder "Cell" veröffentlicht wird, jeweils drei Millionen Won, also knapp 2.000 Euro. Dieser finanzielle Bonus führt zwar dazu, dass es knapp 50 Prozent mehr Einreichungen gibt. Allerdings steigt dadurch nicht zwangsläufig auch die Qualität der Arbeiten - und somit auch nicht die Zahl der Publikationen.

Die meisten Veröffentlichungen gibt es nach der aktuellen Studie jedoch dann, wenn Forschern ein Karriereaufstieg und ein höheres Gehalt in Aussicht gestellt werden - so wie es in Deutschland und Spanien der Fall ist.

Internationale Konkurrenz

Ö1 Sendungshinweis:

Radiokolleg - Vom Ursprung der Wissenschaften, 8.-11.8, 9:05 Uhr: Welt-Ordnung, Welt-Erfahrung, Welt-Erklärung.

In den USA haben Fördergelder für Institute Tradition. Amerikanische Forscher publizieren insgesamt immer noch am öftesten Fachartikel im Magazin "Science". Trotzdem ist der Anteil der US-Publikationen in den letzten 15 Jahren von 34,2 Prozent auf 27,6 Prozent gesunken. Die Studienautoren erklären sich das durch die weltweit zunehmende Konkurrenz - und vermehrte Publikationsförderungen in den letzten Jahren.

Streichungen in Österreich

Davon kann in Österreich keine Rede sein: Mit 1. Jänner 2012 gehören alle Publikationszuschüsse des Wissenschaftsministeriums der Vergangenheit an. Die Streichung wurde im März diesen Jahres beschlossen. Kritik hagelte es schon vor Monaten von allen Seiten: Der Historiker Hubert Christian Ehalt bezeichnete die Streichung damals als "gefährlich" und fürchtete um "die Leistungsfähigkeit als auch Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandortes Österreich".

Förderung durch den Wissenschaftsfonds

Der Wissenschaftsfonds FWF fördert weiterhin Zeitschriftenpublikationen, "allerdings können diese Förderungen nur Leiter von FWF-Projekten beantragen", erklärt Falk Reckling, der Abteilungsleiter für wissenschaftliche Projektbetreuung, gegenüber science.ORF.at.

Insgesamt werden 400 bis 500 Publikationen im Jahr gefördert, pro Publikation gibt es etwa 1.000 Euro "um die Kosten für die Einreichung bei Fachmagazinen abzudecken", so Reckling. Unabhängig davon haben Wissenschaftler - auch jene die nicht bei einem FWF-Projekt arbeiten - noch die Möglichkeit mit Manuskripten eine Förderung für Bücher, sogenannte "selbstständige Publikationen“" zu beantragen.

Christine Baumgartner, science.ORF.at

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Forum

 
  • wer selbst im wissenschaftsbetrieb engagiert ist,

    xx13, vor 286 Tagen, 23 Stunden, 28 Minuten

    dem stellen sich dabei die haare auf.

    das peer review verfahren ist z.zt. schon komplett desaouviert, auch wenn es die meisten noch nicht wahr haben wollen...

    ich hab es schon auf beiden seiten erlebt, und vorauseilender gehorsam ist das einzige mittel zu publikationen zu kommen: jede auch noch so kleine ungereimtheit, frage, unstimmigkeit verschweigen, die restlichen daten schönen und so darstellen, als ob sich die natur perfekt so verhielte wie in der zu bestätigenden theorie vorhergesagt...

    in publikationen steht schon lange nichts wahres mehr, sondern nur geschöntes, geglättetes...

    von den publikationszirkeln, unbegründeten coautorenschaften und anderen trickserein (z.b. serienpublikationen) mal ganz abgesehen...

    • ernst nehmen kann man die wissenschaft schon lange nicht mehr,

      xx13, vor 286 Tagen, 23 Stunden, 24 Minuten

      ist eine große geld- und menschenvernichtungsapperatur. die x jungwissenschafter die ohne sinnvolle aussicht auf eine karriere verbraten werden können z.zt. noch durch menschen aus den aufstrebenden ländern (china, indien , ...) rekrutiert werden (was die qualität noch weiter senkt), aber irgendwann wird auch hier eine krise ausbrechen...

      aber z.zt. leben die meisten die was zu sagen haben davon noch zu gut...

    • geologic, vor 286 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten

      kann ich nur unterschreiben

    • allgeier, vor 285 Tagen, 21 Stunden,

      Was soll ich der Schulabsolventin sagen, die jetzt studieren möchte? Sie sieht (noch) einen Sinn in ihrem Wunschfach, ob sie sehr klare Vorstellungen hat, weiß ich nicht. "Versuche, wie weit du kommst, wenn es zu sehr frustet brich ab"? So kommt mir eine verbreitete Einstellung vor. Damit wird aber, so böse es klingt, "träge Masse" angereichert, also schlechte Arbeitsbedingungen geschaffen, woraus wiederum folgt das Durchkommen hängt an allerlei Akzessorien und Zufällen, nicht an Fähigkeit zu konsequenter und zugleich kreativer Arbeit - was ein seltenes Zusammentreffen ist.
      Chargaff hat das vor dreißig Jahren einfach formuliert: wir hätten längst "zu viele Stellen" geschaffen. Unzweifelhaft ist jedenfalls, dass die kreative (echte) Intelligenz unter Studierten genauso in Glockenkurven - Verteilung vorliegt wie in allen anderen ausreichend großen Teilgruppen der Bevölkerung auch. Doch das darf das System nicht zugeben.

  • Externe Motivation

    funkelfels, vor 287 Tagen, 44 Minuten

    verdrängt interne Motivation.

  • Ganz was Neues

    alabere, vor 287 Tagen, 2 Stunden, 14 Minuten

    Für mehr Geld gibt es mehr Publikationen.
    Hat das ein Wissenschaftler rausgefunden und und darüber eine Studio publiziert?
    Gerfördert aus Steuergeldern. Und keiner liest sie.

    • schon, aber

      iggi, vor 287 Tagen, 1 Stunde, 9 Minuten

      "Allerdings steigt dadurch nicht notwenigerweise die Qualitaet" wie wir hier erfahren. Ausserdem lernen wir, wie es
      "in Ländern wie der Türkei, China und Südkorea" zugeht. Was immer auch fuer andere Laender noch zu den "Ländern wie der Türkei, China und Südkorea" gehoeren...
      *seufz*