
Geheimcode aus dem 18. Jahrhundert geknackt
Mit Hilfe eines neuen Computerprogrammes konnte es nun entziffert werden, wie der Informatiker Kevin Knight von der University of Southern California und Kolleginnen von der Universität im schwedischen Uppsala berichten.

Links:
- Copiale Cipher
- Studie mit Beschreibung der Methode
- Deutsche Version des entzifferten Texts
- Artikel in der "New York Times"

Edler Einband des Manuskripts
Nichts für Außenseiter
Eines ist offensichtlich: Nicht-Eingeweihte sollten den Text ("Codex Copiale"), der zwischen 1760 und 1780 entstanden ist, nicht lesen. Wie im Bild links zu sehen ist, wechseln sich lateinische und griechische Buchstaben mit abstrakten Symbolen und diakritischen Zeichen ab.
In den knapp 75.000 Zeichen des Dokuments gibt es 90 von ihnen, dafür keine Leerzeichen, die für Orientierung sorgen könnten. Aber immerhin: "Die Handschrift ist sehr sauber", wie die Forscher in einer Studie berichten, die sie vor Kurzem bei einer Tagung von Computerlinguisten vorgestellt haben.
Sinn steckt in den Symbolen
"Wenn man einen neuen Code bekommt, sind die Möglichkeiten beinahe unendlich", sagte Knight. Ausgehend von verschiedenen Hypothesen ließen die Forscher ihr Computerprogramm mehrere Varianten durchrechnen.
Nach einigen erfolglosen Anläufen merkten sie schließlich, dass die lateinischen Buchstaben nur Platzhalter sind, die den Leser verwirren sollen. Die wahre Botschaft steckt demnach in den abstrakten Symbolen - die wiederum für bestimmte Buchstaben oder Buchstabengruppen stehen.
Die Forscher fanden heraus, dass sich der Geheimbund mit Augenchirurgie und Augenheilkunde befasste. Offenbar seien die Mitglieder des Bundes aber selbst keine Augenärzte gewesen. Das Dokument war nach dem Ende des Kalten Krieges in einem alten DDR-Archiv entdeckt worden und befindet sich heute in Privatbesitz.
Weitere Rätsel warten
Mit der Methode möchten Knight und Kollegen in Zukunft auch andere, besonders knifflige Codes knacken. Darunter die Botschaften, die der berüchtigte "Zodiac Killer" den Behörden zukommen ließ, die Inschriften auf der Skulptur Kryptos vor der CIA-Zentrale in Langley im US-Bundesstaat Virginia und das Voynich-Manuskript aus dem 15. Jahrhundert.
science.ORF.at/AFP
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