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Sibirischer Permafrostboden unter wolkigem Himmerl

Risiko Permafrostschmelze

Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als gedacht. Nach neuen Berechnungen könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalbmal größer.

Klimawandel 01.12.2011

Zu diesem Schluss kommen Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des "Permafrost Carbon Research Network", die ihre neuen Berechnungen in einem Kommentar der Zeitschrift "Nature" veröffentlichen. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

Dreimal mehr Kohlenstoff

Der Kommentar in "Nature":

"High risk of permafrost thaw" von Edward Schuur et al.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Schuur, Abbott und Kollegen haben nun anhand neuer Modelle ermittelt, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte.

Die Permafrostböden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das sei dreimal mehr als bisher angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses.

Ö1 Sendungshinweise:

Über die derzeit laufende UNO-Klimakonferenz in Durban berichten die Ö1 Journale.
Über den Kommentar in "Nature" berichtet auch Wissen Aktuell am 1.12. um 13:55.

Komplexere Wirklichkeit

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren. Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund - und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien die wie "betrunken" aussehenden, schiefstehenden Bäume. Weitere Faktoren seien die Bodenfeuchte und sehr tief liegende Kohlenstoffvorkommen.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario - ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 - würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen. Der CO2-Ausstoß beschleunigt sich dabei über die Jahre: Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt - sowohl als CO2 als auch als Methan; bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet.

science.ORF.at/dpa

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Forum

 
  • solidstate, vor 172 Tagen, 17 Stunden, 48 Minuten

    Diese Geschichte wird jedes Jahr wieder als Neuheit verkauft.

    • geologic, vor 172 Tagen, 4 Stunden, 36 Minuten

      Dass zugleich ein enormes Pflanzenwachstum einsetzt, das die Menge an freihesetztem CO2 mehr als kompensiert wird immer geflissentlich verschwiegen. Sonst hätten's ja keinen Job mehr.

  • iggi, vor 172 Tagen, 23 Stunden, 14 Minuten

    Froesel et al. 2008, "Ancient Permafrost and a Future, Warmer Arctic"
    Science,Vol. 321 no. 5896 p. 1648
    Abstract

    "klimamodelle sagen schwere und extensive degradierung von permaforst durch global warming voraus, mit dem potential der ausloesung grosser kohlenstoffmengen. andereseits ist die genauigkeit der modelle schwer zu validieren weil wenig ueber die geschichte von permafrost und seiner reaktion auf warme klimaintervalle bekannt ist. Wir berichten ueber bodeneis in kanada dass ueber 700000 jahre alt ist was impliziert dass bodeneis in dieser gegend vergangene zwischeneiszeiten ueberlebt hat die waermer und laengerdauernder waren als die gegenwaertige. (meine uebersetzung)

    schoen und gut, aber statt da zweifelnd draussen im kalten herumzuforschen, wieso nicht einfach am excel ein paar hypothetische alarmszenarien ablassen ?
    *5*