Standort: science.ORF.at / Meldung: "Rektoren wollen Studiengebühren selbst regeln"

Ein Sparschwein auf einem Taschenrechner, das einen Doktorhut auf dem Kopf trägt

Rektoren wollen Studiengebühren selbst regeln

Im Sommersemester 2012 werden gar keine Studienbeiträge eingehoben, im Herbst 2012 die derzeitige Regelung weitergeführt. Das gaben die Rektoren bei der Plenarversammlung der Universitätenkonferenz (uniko) bekannt. Mehreren Unis drohe nächstes Jahr eine negative Bilanz.

Universitäten 06.12.2011

Heinrich Schmidinger, Präsident der uniko, forderte die Regierung auf, ihre "Blockadepolitik" bei den Unis zu beenden. Weil sich SPÖ und ÖVP bisher auf keine Neuregelung des vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) aufgehobenen Studiengebührengesetzes einigen konnten, drohe den Unis ein Millionenverlust, so Schmidinger.

Die uniko-Plenarversammlung hat deshalb beschlossen, die Studiengebühren selbst zu regeln: Im Sommersemester werden alle Studenten gratis die Uni besuchen können, wegen der Fristen sei eine Gebühreneinhebung nämlich nicht mehr möglich. Ab Herbst 2012 werden jene Unis, die es anders "wirtschaftlich nicht durchhalten", Studiengebühren wie bisher einheben.

17 Millionen Euro Verlust

Die Regierung hatte zwar für die Reparatur des Studiengebührengesetzes vom VfGH Zeit bis zum 29. Februar bekommen, mit der Einhebung für das Sommersemester wird aber schon in zwei Wochen begonnen, eine fristgerechte Änderung wäre daher selbst bei einer Einigung der Regierungspartner, die laut Schmidinger seit Dienstag definitiv auszuschließen ist, nicht mehr möglich. Die Unis verlieren im Sommersemester damit insgesamt 17 Mio. Euro.

Schmidinger forderte die Regierung deshalb auf, den Entfall aus jener Notfallreserve zu begleichen, die vom Budget jeder Uni einbehalten wird und für genau solche "prekäre Situationen" gewidmet sei. Sollten die Unis dieses Geld nicht erhalten, würden sie - wie schon jetzt die Technische Uni Wien - eine negative Bilanz schreiben.

Rechtsmeinung und Gesetz

"Für das Wintersemester (2012, Anm.) hoffe ich auf eine neue Regelung", sagte der uniko-Chef. Sollte diese aber nicht kommen, würde "sicher die Hälfte" der 21 öffentlichen Unis, darunter auch die von Schmidinger geleitete Uni Salzburg, autonom Studiengebühren einheben. Dann trete aber nicht Willkür ein, wie Schmidinger betonte: Die Unis würden die derzeitige Regelung weiterführen, laut der 15 Prozent der Studenten (Nicht-EU-Bürger und Langzeitstudenten) bezahlen.

Schmidinger räumte ein, dass Studenten gegen die Einhebung der Gebühren wegen mangelnder Rechtsgrundlage klagen könnten, sah das aber pragmatisch: Wenn die Regierung nicht für Rechtssicherheit sorge, müsse eben auf anderem Weg ein Rechtsspruch her. Auf das Rechtsgutachten im Auftrag des Wissenschaftsministeriums, wonach die Unis autonom Studiengebühren in beliebiger Höhe einheben könnten, falls es zu keiner Neuregelung kommt, will sich Schmidinger nicht verlassen. Es handle sich dabei nur um eine Rechtsmeinung, nicht um ein Gesetz.

Absurdes Voranmeldeverfahren

Neben den Studiengebühren sieht Schmidinger auch bei der Neuregelung zum Voranmeldeverfahren negative Folgen der "Blockadepolitik": Hier sei man in der absurden Situation, dass mangels Einigung in der Regierung das von allen Seiten als "absurd und völlig sinnlos" abqualifizierte Voranmeldeverfahren im Sommersemester noch einmal durchgeführt werden muss - und zwar, obwohl sich Wissenschaftsministerium, Rektoren und Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) auf eine Neuregelung geeinigt hatten. "Sie können sich vorstellen, wie sehr uns das freut", so Schmidinger. Das Problem ortet er darin, dass SPÖ und ÖVP "nicht wirklich miteinander sprechen".

Und auch beim Hochschulplan, der von der uniko im Falle von einer Finanzierung der Zusatzkosten durchaus befürwortet wird, "spießt es sich innerkoalitionär". Der Hochschulplan wurde allerdings von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) zur Voraussetzung dafür erklärt, dass die Unis die angekündigte "Hochschulmilliarde" erhalten.

science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • das feuer der revolution

    iggi, vor 560 Tagen, 21 Stunden, 56 Minuten

    glimmt weiter in oesterreich - ja zur selbstregelung und selbstverwaltung jeglicher art auf jeglicher ebene, brecht dem zentralistischen polit-und bureaukratengesindel die macht !

  • funkelfels, vor 561 Tagen, 20 Stunden, 30 Minuten

    Also der Vfgh. hebt die gesetzliche Grundlage auf, den Unis ist es aber egal, und tun ohne Gesetz einfach weiter wie bisher, als hätte der Vfgh. kein Enschluss gefasst.

    Ich freue mich schon auf die Klagen, dürfen die Reaktoren dann bitte persönlich für den Schaden einstehen?

    • formonitrile, vor 561 Tagen, 15 Stunden, 50 Minuten

      die gesetzlichen Grundlagen können aber nicht die Rektoren beschließen, da geht der Vorwurf wohl an die falschen Personen...

    • @ funkelfels

      miraculix11, vor 561 Tagen, 15 Stunden, 8 Minuten

      Wenn der Vfgh eine Regelung aufhebt, weil sie unklar formuliert war dann sollte die Regierung eine neue beschließen. Das tat die Regierung nicht. Das bedeutet aber dass es keine gesetzliche Regelung gibt und dass daher jede Uni nach Belieben Gebühren einheben kann. Das tun ja Kindergärten und Schulen teilweise auch schon.

    • Wahrscheinlich freuen sich die Rektoren auch auf die Klagen,

      nickname2007, vor 561 Tagen, 14 Stunden, 2 Minuten

      ... denn der Staat ist verpflichtet, die Unis so zu finanzieren, dass alle Studierenden, die sie laut Gesetz aufnehmen müssen, auch tatsächlich studieren können. Wenn eine Uni wegen des ersatzlosen Entfalls von wichtigen Teilen ihres Budgets pleite zu gehen droht, wird ein Gerichtsurteil nur einmal mehr feststellen, dass der Staat entweder zahlen soll, was er von den Unis verlangt, oder weniger verlangen (sprich: Studiengebühren und ein Aufnahmeverfahren einführen). Übrigens, wenn eine Uni pleite zu gehen droht, wird sie unter staatliche Kuratel gestellt. Man kann aber leider nicht gleichzeitig sparen und immer mehr Studierende nach immer komplexeren Richtlinien und Gesetzen ausbilden. Man kann auch keine 2 Liter Limonade in eine Halbliterflasche einfüllen. Ich verstehe nicht, warum das vielen Politikern nicht klar ist. - Wobei, um das Beispiel fortzusetzen, die Lösung wäre nicht automatisch, dass man eineinhalb Liter wegschüttet; ein größeres Gefäß anschaffen wäre durchaus auch denkbar.

    • xx13, vor 561 Tagen, 13 Stunden, 46 Minuten

      mit den 2 litern limonade hast du unrecht - langsam genug umgefüllt, passen sie in eine halbliterflasche (der rest verdampft)...

      man muss das konzentrat dann nur wieder mit wasser verdünnen, voilà

      wie dies zu deinem thema paßt, mußt du selbst rausfinden...

    • >nickname2007

      evro, vor 561 Tagen, 12 Stunden, 30 Minuten

      um es mit der limo zu demonstrieren ...

      derzeit versucht "die politik" uns den halben liter unibudget als 10 liter kübel weiszumachen.