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Tiger Woods im Royal Melbourne Golf Club in Melbourne im November 2011

EPA

Superstar-Effekt demotiviert Gegner

Vergangenen Sonntag konnte Golf-Superstar Tiger Woods nach zweijähriger Durststrecke wieder ein Turnier gewinnen. In seiner Hochphase beherrschte er seine Konkurrenz nach Belieben. Und zwar so sehr, dass schon alleine seine Präsenz bei einem Wettbewerb ausreichte, um die Leistung seiner Gegner deutlich zu schwächen.

Ökonomie 09.12.2011

Im Schnitt brauchten sie um einen Schlag mehr pro Turnier, als wenn Woods nicht daran teilgenommen hätte. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Jennifer Brown von der Northwestern University nennt dies eine "umgekehrte Anreizwirkung" - durch die Tiger Woods alleine sechs Millionen Dollar mehr verdient hat.

Die Studie:

"Quitters Never Win: The - Adverse - Incentive Effects of Competing with Superstars" von Jennifer Brown ist im "Journal of Political Economy" erschienen.

Eine Frage des Wettbewerbs

Als Ökonomin interessiert sich Jennifer Brown nicht prinzipiell für die Welt des Sports. Speziell Golf ist mit seinen vergleichbaren Resultaten und hohen Preisgeldern aber ein gutes Feld, um ein Phänomen zu untersuchen: Wie wirken sich Wettbewerbe innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation auf die Leistungen der Mitarbeiter aus?

Bei Verkäufern etwa ist es nicht selten, dass der umsatzkräftigste des Monats eine bestimmte Prämie erhält. Entgegen den Hoffnungen seiner Erfinder kann dieses Anreizsystem aber nach hinten losgehen - nämlich dann, wenn einer oder eine den Wettbewerb jeden Monat gewinnt. Die Leistung der anderen lassen dann nämlich nach, wie Brown zumindest unter Golfsportlern herausgefunden hat.

Einschüchternde Überlegenheit

Erstmals hat die Ökonomin im Jahr 2008 von diesem "Superstar-Effekt" berichtet, nun hat sie mit einer Studie nachgelegt, die auch die Formschwankungen von Tiger Woods in den vergangenen Jahren beinhalten. Der Profigolfer war nach Sexskandal, Scheidung und Verletzung erst am vergangenen Sonntag bei der Chevron World Challenge wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt.

Jennifer Brown untersuchte Golfturniere, die zwischen 1999 und 2010 stattgefunden haben. In den Jahren seiner größten Erfolge - alleine im Untersuchungszeitraum gewann er alleine 13 Major-Turniere - schüchterte die bloße Präsenz von Tiger Woods seine Gegner ein. Im Schnitt brauchten sie um 0,8 Schläge mehr pro Turnier als in seiner Abwesenheit. Bei den besonders guten Spielern, die also in unmittelbarer Konkurrenz mit ihm standen, war dieser Effekt sogar noch größer als bei weniger guten.

Sechs Millionen Dollar mehr

Die schlechteren Leistungen liegen nicht daran, dass die Spieler angesichts der Übermacht zu einem riskanteren Spiel geneigt hätten, betont Jennifer Brown. Die Auswertung der Trefferquoten pro Loch von hunderten Turnieren zeigte nicht, dass es vermehrt zu positiven oder negativen Ausreißern - "Eagles" (zwei Schläge unter par) oder "Bogeys" (zwei über par) - gegeben hat. Im Gegenteil: Die Woods-Konkurrenz spielte gleichmäßiger, aber gleichmäßig schlechter.

Und dieser Superstar-Effekt lässt sich auch ökonomisch ausdrücken: Sechs Millionen seiner zwischen 1999 und 2006 erspielten 54,5 Millionen US-Dollar sind auf ihn zurückzuführen, hat Brown ausgerechnet. Ein durchschnittlicher Spieler aus den Top-200 der Weltrangliste habe dadurch im Schnitt vergleichsweise bescheidene 28.000 Dollar verloren. Mit anderen Worten: Da sich die Spieler im Angesicht der Übermacht weniger anstrengten, streifte Tiger Woods ein hübsches zusätzliches Körberlgeld ein.

Allerdings: Der Superstar muss wirklich "super" sein, damit der Effekt auch eintritt. In den schwierigen Jahren seiner Karriere ab 2008 konnte ihn Tiger Woods nämlich nicht mehr erzeugen. In diesen "kühlen Phasen", in denen er zwei Jahre lang kein Turnier gewinnen konnte, spielt er als Gleicher unter Gleichen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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