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Wladimir Putin gestikuliert mit der rechten Hand

Wiener Statistiker entlarven Wahlbetrug

Dass die russische Parlamentswahl im Dezember zugunsten der Regierungspartei von Wladimir Putin manipuliert war, haben Wahlbeobachter schnell festgestellt. Das ganze Ausmaß haben nun Wiener Statistiker berechnet: Die Partei Geeintes Russland wäre regulär nur auf rund ein Drittel der Stimmen gekommen.

Dumawahlen 2011 26.01.2012

"Die absolute Mehrheit ist aufgrund unserer Berechnungen völlig außer Reichweite", erklärt der Komplexitätsforscher Peter Klimek von der Medizinuni Wien gegenüber science.ORF.at. Er hat mit Kollegen Wahlen in Russland, Österreich, Finnland, Schweiz, Großbritannien, den USA, Spanien und Uganda analysiert und miteinander verglichen.

Zur Erinnerung: Laut Endergebnis der zentralen Wahlkommission in Moskau kam die Partei auf knapp 50 Prozent der Stimmen und somit zu einer absoluten Mehrheit an Parlamentsabgeordneten.

Die Studie:

"It's not the voting that's democracy, it's the counting: Statistical detection of systematic election irregularities" von Peter Klimek und Kollegen ist auf dem Preprint-Server "arXiv.org" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Wahlen in Russland und die aktuelle Lage in Russland berichten die Ö1 Journale.

Systematische Abweichungen gesucht

Ein russischer Kollege hat Peter Klimek sowie seine Kollegen Stefan Thurner und Rudolf Hanel von der Medizinuni Wien gebeten, einen Blick auf die Ergebnisse der umstrittenen Parlamentswahl in Russland von Anfang Dezember zu werfen.

"Unser Tagesgeschäft ist es, in Daten systematische Trends zu finden. Und in den russischen Wahldaten waren die systematischen Abweichungen so auffällig, dass es wie ein Faustschlag ins Gesicht war", so Klimek zur APA.

Daraufhin haben die Forscher versucht, eine allgemeine statistische Methode zum Erkennen von Wahlbetrug zu entwickeln - und zwar für eine ganz bestimmte Form, die sich im Englischen "ballot stuffing" nennt. Wörtlich übersetzt bedeutet das, die Wahlurne vollzustopfen. In der Realität funktioniert dies dadurch, bereits vor Wahlbeginn die Wahlurne mit Stimmzettel anzufüllen, oder Leute zu bezahlen, viele Stimmzettel auf einmal einzuwerfen.

100 Prozent für die Putin-Partei

Verteilung der abgegebenen Stimmen

"Wenn das systematisch betrieben wird, werden in den betroffenen Bezirken die Wahlbeteiligung und gleichzeitig die Stimmen einer Partei hochgeschraubt, während die anderen Parteien auf einem normalen Niveau bleiben", so Klimek. Er hat mit seinen Kollegen solche Extreme quantifiziert und Ausreißer in verschiedenen Darstellungsformen sichtbar machen.

Im Bild oben etwa zeigt sich bei den meisten untersuchten Wahlen nur eine diffuse Wolke, nur in Uganda und Russland taucht ein zweites Wölkchen am Rand des Bildes auf.

"Diese Wölkchen rechts oben stehen für Wahlbezirke, in denen eine Partei bei einer Wahlbeteiligung von 100 Prozent auch 100 Prozent aller abgegebenen Stimmen bekommen hat. Das kann zwar prinzipiell vorkommen - auch in Niederösterreich wird es Gemeinden geben, in denen 100 Prozent ÖVP wählen -, aber wenn das zu häufig geschieht, liegt eindeutig ein Betrug vor", erläutert Klimek gegenüber science.ORF.at.

Die Orte der Täuschung sind bekannt

Insgesamt gab es bei den Wahlen in Russland 60.000 Wahlbezirke. Bei 60 Prozent hat es laut den Wiener Forschern Unregelmäßigkeiten gegeben, in 3.000 Wahlbezirken kam es zum beschriebenen Phänomen der 100 Prozent.

"Sie liegen vor allem in Dagestan und Ossetien, und ihre Ergebnisse haben ausgereicht, um landesweit für die absolute Mehrheit von Geeintes Russland zu sorgen", sagt Klimek. Bei normalen statistischen Verteilungen, wie sie bei den anderen Wahlen auftauchen, wäre die Putin-Partei nur auf 30 bis 35 Prozent der Stimmen gekommen.

Ein statistisches Maß für Wahlbetrug

Die Statistiker vermissen in Demokratien generell "Qualitätsstandards für den demokratischen Prozess", mit dieser Methode gebe es nun die Möglichkeit dafür. Natürlich sei dies eine statistische Methode mit all ihren Vor- und Nachteilen und kein Beweis für Wahlbetrug.

"Wir haben damit aber ein einfaches statistisches Maß, das Wahlbeobachter in der Praxis verwenden könnten, um einen Indikator dafür zu bekommen, wie weit man einem Wahlergebnis trauen kann", so Klimek.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • LIEBER ORF - BITTE DRINGEND UM ERKLÄRUNG !!!

    eatthis, vor 27 Tagen, 20 Stunden, 34 Minuten

    Also in 3.000 Wahlbezirken kam es zu dem
    Phänomen, dass bei einer Wahlbeteiligung
    von 100% auch 100% der Stimmen an eine
    Partei gegangen sind?????

    Ich denke mal, die Wahlergebnisse sind
    auch veröffentlicht worden, oder?

    Und von 3.000 !!! Wahlbezirken hat es
    dann keine Meldungen von aufgebrachten
    Bürgern gegeben, die gesagt haben:

    "Hey, die 100 % können ja nicht stimmen,
    ich hab ja eine andere Partei gewählt!"

    Wie absurd ist das denn?????

  • Sehr interessant, aber..

    sunzi007, vor 28 Tagen, 3 Stunden, 46 Minuten

    Guter Ansatz für eine Methode, aber...

    bei 3.000 100% von insgesamt 60.000 Wahlkreisen von 50% auf 33% zu fallen...

    Da fehlt halt noch die Erklärung wie stark die Verzerrung bei den andern (vermeintlich) verzerrten/gefälschten war.

    Was aber definitiv korrekt ist, dass Qualitätskritierien für die Wahl von Nöten sind. Fraglich ist nur ob hierfür (in allen Fällen) eine gauß´sche Normalverteilung (wenn auch etwas verzerrt) angenommen werden kann.

  • Statistiker entlarven Wahlbetrug

    georgius, vor 28 Tagen, 6 Stunden, 31 Minuten

    Diese Statistiker sollten vorerst einen Wahlvorgang sich ansehen.
    Vorher die Urnen bereits mit Stimmen befüllen. So einen Unsinn kann man nur einen völlig naiven Menschen aufschwätzen.
    In der Wahlkommission sitzen auch in Russland Mitglieder der anderen wahlwerbenden Partein. Eingetragen werden die zur Wahl kommenden Menschen. Diese Liste muß mit den Stimmzetteln beim auszählen übereinstimmen.
    So ist die Realität. In Russland nicht anders wie bei uns.
    Keiner der OSZE-Beobachter hat Unregelmäßigkeiten in dieser Richtung feststellen können.

    • OSZE-Beobachter

      holdudiladio, vor 28 Tagen, 6 Stunden, 10 Minuten

      Kein OSZE-Beobachter hat Unregelmäßigkeiten feststellen können? Woher hast du denn diese (falsche) Info? Ich empfehle dir mal den Artikel mit dem Titel "Beobachter rügen Verstöße bei Russland-Wahl" des Spiegels zu lesen - zu finden unter http://tinyurl.com/6llles5.

      Gibt übrigens sicherlich noch tonnenweise Berichte darüber, das ist nur der erste, den ich nach 5 Sekunden suchen gefunden habe.

    • solidstate, vor 28 Tagen, 5 Stunden, 40 Minuten

      Egal wie sie es gemacht haben (ob die Wahlzettel vor oder nach der Wahl dazugegeben wurden oder ob einfach nur das Ergebnis gefälscht wurde), die Statistik ist mehr als nur auffällig.
      Es kann theoretisch natürlich auch sein, dass Statistiker ihre Daten manipuliert haben. Aber das ist dann doch die eher unwahrscheinliche Version.

  • Uff!

    manfredvogl, vor 28 Tagen, 20 Stunden, 8 Minuten

    Die trauen sich 'was beim ORF. Und dann auch noch die Kommentare freischalten ... !

    (-;

    • seitdem die ORF-Redakteure den Niko...

      onkelfredi, vor 28 Tagen, 17 Stunden, 37 Minuten

      seinen Traumjob wieder Erwarten versaut haben, ist eine Anti-Putin Meldung nur ein Lapperl. Angst hab ich eher vor einem Umsatzeinbruch bei den Wiener Juwelieren!!!!!!!!! (Kommt Putin zum Opernball????????)