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VIBT, das neue Institutsgebäude der Boku

"Nicht zurück in die Steinzeit"

Die Universität für Bodenkultur feiert dieses Jahr ihren 140. Geburtstag. Zu Beginn des Jubiläumsjahres startet die Uni ein neues Nachhaltigkeitsprojekt: ein CO2-Kompensationssystem. Projekte der Universität sollen Emissionen des Treibhausgases kompensieren, die anderswo entstanden sind.

140 Jahre BOKU 26.01.2012

Bäume in Äthiopien für den Flug nach Berlin

In der Nähe der Stadt Gondar im Norden Äthiopiens betreibt die Universität für Bodenkultur eines ihrer Klimaschutzprojekte. Auf einer Brachfläche werden Bäume gepflanzt, der entstehende Wald soll in den nächsten 30 Jahren tausende Tonnen CO2 binden.

Im Rahmen des Aufforstungsprojekts in Äthiopien kostet die Kompensation einer Tonne Kohlendioxids 25 Euro. Wer seine CO2-Emissionen ausgleichen möchte, kann auf der Webseite des Kompensationssystems Flugreisen eingeben. Anhand von Durchschnittswerten wird der CO2-Ausstoß geschätzt. Der Preis für eine Tonne CO2 orientiert sich an Preisen anderer Kompensationsprojekte und wird vom jeweiligen Klimaschutzprojekt der Universität beeinflusst. Ein Hin- und Rückflug nach Berlin verursacht pro Person circa 300 Kilogramm CO2. Die Kompensationskosten liegen daher bei circa acht Euro.

Spenden für den Klimaschutz

Ö1-Sendungshinweis:

Dem Projekt zur CO2-Kompensation widmet sich heute auch ein Beitrag in Wissen aktuell: Donnerstag, 26. Jänner 2012, 13:55

Das System hat die Universität für Bodenkultur letztes Jahr gestartet, um CO2-Emissionen auszugleichen, die durch Reisen des eigenen Personals verursacht worden sind. Ab jetzt steht es auch anderen Einrichtungen und Privatpersonen zur Verfügung. Zwei öffentliche Institutionen und eine Druckerei nutzen das System bereits. Die Benutzer sollen in Zukunft zwischen mehreren Klimaschutzprojekten wählen können. Neben dem Flugverkehr könnte auch der CO2-Ausstoß von Konferenzen und anderen Großprojekten kompensiert werden.

Die Gelder gehen als Spenden an die Universität für Bodenkultur und werden in den ausgewählten Projekten eingesetzt, die von einem wissenschaftlichen Beirat beurteilt werden. Die Kosten für die Verwaltung des Systems trägt die Universität. Martin Gerzabek, der Rektor der Universität für Bodenkultur, erläutert in einem Gespräch die Nachhaltigkeit an seiner Universität.

science.ORF.at: Vor welchen Herausforderungen steht die Universität für Bodenkultur (BOKU) in Ihrem Jubiläumsjahr?

Porträt Martin Gerzabek

Zur Person:

Martin Gerzabek studierte an der Universität für Bodenkultur Landwirtschaft und ist Professor für Umwelttoxikologie und Isotopenanwendung am Institut für Bodenforschung des Departments Wald- und Bodenwissenschaften an der BOKU. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter der ARC Seibersdorf Research und dort Leiter der Abteilung Umweltforschung. 2003-2010 war er Vizerektor für Forschung an der Universität für Bodenkultur Wien.

Martin Gerzabek: Wir müssen die Leistungsvereinbahrungsverhandlungen durchführen. Wir sind mit dem neuen Entwicklungsplan gut gerüstet, um die Schwerpunkte für die "Universität des Lebens" entsprechend zu setzen. Die große Herausforderung für die Universitäten ist derzeit auch, die Finanzierung sicher zu stellen.

Inhaltlich hat die Gesellschaft und haben somit auch die Universitäten große Herausforderungen zu bewältigen: den demografische Wandel und den Hunger der Menschheit nach Nahrungsmitteln, Energie und sauberem Wasser. Bei diesen Fragen spielt die BOKU eine zentrale Rolle. Ein besonderes Asset unserer Universität ist auch die Interdisziplinarität. Diese bringt eine größere Problemlösungskapazität mit sich.

Nicht nur die BOKU feiert heuer ein Jubiläum: Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung hat vor 20 Jahren in Rio de Janeiro stattgefunden. Ergeben sich dadurch besondere Schwerpunkte auf der BOKU?

Das ist nicht nur ein Thema für heuer und für das nächste Jahr, sondern eines, das uns seit Bestehen der BOKU beschäftigt. Strukturell haben wir uns stark auf diese Fragen eingestellt. Wir haben ein Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit gegründet, wir haben ein Center for Development Research gegründet, wir haben die Geschäftsstelle des Klimaforschungsnetzwerks Austria hier an der BOKU und das Doktoratskolleg für nachhaltige Entwicklung geht in die zweite Phase.

Wie steht es, abgesehen von Forschung und Lehre, um die Nachhaltigkeit Ihrer Uni?

140 Jahre Universität für Bodenkultur

Die Universität für Bodenkultur ist im Jahr 1872 gegründet worden und hatte damals im Palais Schönborn 70 Studierende. 1896 ist sie in das neu errichtete Gebäude auf der Türkenschanze im 18. Wiener Gemeindebezirk eingezogen. Heute studieren an dieser Universität knapp 11.000 Studierende in neun Bachelor-, 25 Masterstudien und mehreren Doktoratsstudien. Circa 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind an mehreren Standorten in Wien und in Tulln beschäftigt. Ein Drittel des Budgets wird über Projektmittel (circa 700 Projekte) eingeworben.

Am 2. und 3. Februar findet am Standort in der Wiener Muthgasse eine Festsymposium statt: "140 Jahre Universität für Bodenkultur - Quo vadis Universität(en)?".

Weitere Informationen zum Festsymposium

Image-Broschüre der Universität für Bodenkultur

Das Thema Betriebsökologie ist ein wichtiges Thema: Einsparen von Wasser, Mülltrennung, Reduktion des Flottenverbrauchs. Wir schreiben derzeit auch wieder einen Nachhaltigkeitsbericht und haben als einzige Universität Österreichs für alle Standorte ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem.

Bei unserem neuesten Gebäude am Standort Tulln haben wir mit 900 Quadratmetern die größte Solaranlage eines öffentlichen Gebäudes am Dach. Solarenergie wollen wir auch hier am Standort Türkenschanze ausbauen. Wir unterstützen auch studentische Initiativen wie den Tüwi-Hofladen, der mit dem Austrian Sustainability Award ausgezeichnet wurde oder Initiativen im Bereich des Umweltmanagements, wo Studierende Konzepte entwickeln, wie sie später als Berater in dem Bereich auftreten können.

Ein guter Nachweis, dass sich die BOKU in Bezug auf Nachhaltigkeit weit vorne positionieren kann, ist das Green Metric University Ranking. Die BOKU hat hier den Rang eins unter den Universitäten im deutschsprachigen Raum und Platz zwölf in Europa. Das ist ein guter Nachweis, dass wir Nachhaltigkeit nicht nur im Entwicklungsplan stehen haben.

Vor 10 Jahren hat die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung stattgefunden. Die Menschheit verbraucht dennoch immer mehr Rohstoffe und Energie. Warum haben wir es nicht geschafft, diese Trends umzukehren?

Fragen der Nachhaltigkeit dürfen nicht mit negativen Auswirkungen im Lebensbereich von Personen verknüpft werden. Man darf nicht immer nur sagen, wo wir uns einschränken müssen. Es geht um intelligente Konzepte, die nicht "zurück zur Steinzeit" heißen.

Es geht darum, über intelligente Prozesse den Energieverbrauch zu minimieren, intelligente Verkehrskonzepte können den Verkehr vermindern, intelligente Kommunikationskonzepte das Reisen. Man muss klar machen, dass es nicht um eine Einschränkung der Lebensqualität geht, sondern darum, innovativ zu sein und über die Innovationen zum Ziel zu kommen. Das kann auch wirtschaftlich sehr interessant sein.

Interview: Mark Hammer, science.ORF.at

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Forum

 
  • Bäume

    karl273, vor 27 Tagen, 11 Stunden, 30 Minuten

    Die Bäume sind nur eine Durchgangs-Station für den Kohlenstoff.

    Nur wenn man das Holz verkohlt und vergräbt, wird daraus ein Endlager für den Kohlenstoff.

    Natürlich ist ein Wald aus ganz anderen Gründen besser als eine Wüste.

    • Idee

      karl273, vor 27 Tagen, 11 Stunden, 14 Minuten

      Ich habe da eine neue Idee zur Kohlenstoff-Wahrheit:

      Die Umwelt-Prämien werden nur pro Tonne vergrabenen reinem Kohlenstoff ausgezahlt.

      Kohlendioxid, Kohlenstoff-Verbindungen, und Biomasse werden nicht prämiert.

      Lagerung von reinem Kohlenstoff an der Erdoberfläche wird auch nicht prämiert.

    • Dort

      regow, vor 27 Tagen, 6 Stunden, 11 Minuten

      wo Wald wächst, wächst grundsätzlich auch Getreide. In der Wüste wächst keines von beiden.

  • allgeier, vor 28 Tagen, 52 Minuten

    bitte, es kommt mir nicht darauf an, "zynisch" alles runterzubügeln. Aber gesammelte Beobachtungen drängen mir die Frage auf: "Wer soll mit alldem reich werden"? Zu allgemein ist den Leuten (den Politikern :o)) anerzogen, dass ein Wert etwas sei, das in Devisen angegeben werden kann und muss.
    Die Alltagserfahrung, dass man einkaufen und die Handwerker bezahlen muss, gehört generell abgekuppelt vom irrealen internationalen Finanzmanagement mit seinen "Summen", die durch nichts auf dem Planeten gedeckt sind außer durch einen psychisch gesehen religiösen Glauben an sie. Dieser Glaube verleiht den Geldhändlern ihre Macht. Und er wird nicht diskutiert, er wird weithin rational als gegeben betrachtet. Eine solche Einstellung ist das Kennzeichen einer momentan gültigen Religion.
    Hochgefährlich sind die strings, welche die Geldreligion mit der physischen Realität energetisch verbinden, z. B. weltweit zu registrieren im Fall der US-Immobilienkrise. Wir brauchen das Wissen und die Kulturtechniken, diesen strings die Energie abzudrehen.

    • allgeier, vor 28 Tagen, 47 Minuten

      P.S. ich habe absichtlich alten Kram angeführt. Zur heutigen Situation merke ich nur an, den €uro finde ich etwas besser als eine beleidigte Flucht ins Alte es wäre, die uns quasi "an die Chinesen verkaufen" würde. Wenn wir wie die Karnickel vor der Schlange (bzw. den Ratingagenturen) reagieren würden :-D