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Lesende Frau hinter Buchdeckeln, Titel "Das unlesbare Buch" auf dem Konterfei von Adolf Hitler

Forscherin fordert Freigabe von "Mein Kampf"

Hitlers "Mein Kampf" sollte für die Öffentlichkeit freigegeben werden, meint eine deutsche Politikwissenschaftlerin. Das Buch sei inhaltlich hochinteressant. Sie hält es für unwahrscheinlich, dass jemand durch die Lektüre Gefallen an Hitlers Gedankengut findet.

Zeitgeschichte 26.01.2012

Zugang zu Hitlers Gehirn

Die bayerische Staatsregierung sollte Hitlers "Mein Kampf" nach Ansicht der Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig nicht länger unter Verschluss halten. "Ich halte es nicht für besonders klug, nach wie vor so auf seinen Rechten zu beharren", sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die Bürger sollten die Möglichkeit haben, selbst nachzulesen, was Hitlers Intention und seine Antriebskräfte waren." Wer sich dem Buch sachlich nähere, finde sehr viel darin. Das bayerische Finanzministerium hat als Rechtenachfolger des Eher-Verlags der Nationalsozialisten die Urheberrechte an "Mein Kampf" geerbt.

"Heute weiß man, was Hitler getan hat - ihn in seinem Denken dann immer noch nicht ernst zu nehmen, das ist für mich einfach unverständlich", sagte die Passauer Uni-Professorin, die ihre Habilitation über "Mein Kampf" verfasste. "Das Buch ermöglicht einen direkten Zugang zu Hitlers Gehirn und macht deutlich, dass sein Judenhass auf einer Weltanschauung beruhte, in der die Juden stellvertretend für eine bestimmte Denk- und Lebensweise standen." Hitler sei stilistisch nicht begabt gewesen, weshalb es viel Arbeit sei, das Buch zu lesen - allerdings eine Arbeit, die sich lohne. "Inhaltlich ist es hochinteressant", findet Zehnpfennig.

Verbote kontraproduktiv

Die Befürchtung, Leser könnten durch die Lektüre mit Hitlers Gedankengut infiziert werden, hält sie für unbegründet. "Neonazis haben das Buch sicherlich schon, wenn sie es haben wollen - andere werden kaum der Meinung sein, dass von diesem Buch eine große Faszination ausgeht." Das Urheberrecht an "Mein Kampf" erlischt im Jahr 2015, 70 Jahre nach Hitlers Tod. "In Antiquariaten konnte man es immer schon legal erwerben und im Internet ist es auch problemlos zu erhalten - es entsteht also nur noch ein geringer qualitativer Unterschied, wenn es ganz freigegeben wird", sagte Zehnpfennig.

Das Landgericht München I hatte am Mittwoch die Veröffentlichung von Hitlers "Mein Kampf" verboten. Es gab einem Antrag auf einstweilige Verfügung des Freistaates Bayern statt (Az: 7 O 1533/12). Damit wurde es dem englischen Verleger Peter McGee verboten, kommentierte Auszüge aus "Mein Kampf" zu verbreiten. McGee wollte seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen" Buchauszüge beilegen. Am Donnerstag erschienen die Originalzitate nun unleserlich gemacht. Da die Rechte des Freistaats an dem Buch bald ohnehin erlöschen, hätte man sich die juristische Auseinandersetzung eigentlich sparen können, sagte Zehnpfennig in der "Passauer Neuen Presse".

Bereits am Vortag hatten die Grünen die Staatsregierung aufgefordert, ein Konzept zum Umgang mit NS-Druckerzeugnissen vorzulegen für die Zeit nach 2015. Viele Experten hielten Verbote für NS-Pamphlete mit Blick auf die politische Bildung für kontraproduktiv, und eine Tabuisierung der Nazischriften könne diese mystifizieren.

Christine Cornelius, dpa

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