
Partnersuche: Amor ist online
"Onlinedating hat den Mainstream erreicht. Und es verliert zusehends das soziale Stigma, mit dem es einst versehen war", schreiben Forscher um Harry Reis im Fachblatt "Psychological Science in the Public Interest".
Der Psychologe von der University of Rochester hat mit seinen Kollegen mehr als 400 einschlägige Studien ausgewertet, sie zeichnen ein Bild des gesellschaftlichen Umbruchs. Denn während in der Prä-Internetphase die schriftliche Partnersuche tendenziell in die Kategorie "Verzweiflungsakt" fiel, scheint sie nun - vermittelt durch die Services von Partnerwebsites und Kontaktbörsen - etwas Alltägliches zu sein.
Der Trend in Zahlen: In den 90er Jahren suchte nur ein Prozent aller US-amerikanischen Singles durch Kontaktanzeigen (oder ähnliche schriftliche Werbemaßnahmen) nach einem Partner. Im Jahr 2005 hatten bereits 37 Prozent aller US-Singles mit Internetanschluss ein Onlinedating absolviert. Wie eine aktuelle Studie der Stanford University zeigt, ist damit der Plafond noch nicht erreicht. Aktueller Stand in den USA (2007 bis 2009): 22 Prozent aller heterosexuellen Paare und sogar 61 aller homosexuellen Paare haben online Kontakt geknüpft.

Das Internet ist mittlerweile der zweitwichtigste Faktor bei der Partnersuche, lediglich die Bekanntschaft durch Freunde übertrifft den virtuellen Liebespfeil noch. Gleichwohl sehen Reis und Co auch gewisse Risiken. Nachdem auf elektronischem Weg Dutzende oder gar Hunderte potenzielle Partner verfügbar seien, drohe sich im Zwischenmenschlichen eine "Shopping-Mentalität" einzustellen. Und wer Wochen oder Monate vor dem ersten Treffen ausschließlich online korrespondiere, baue in dieser Zeit oft unrealistische Erwartungen auf.
Robert Czepel, science.ORF.at
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