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Zwei Albatrosweibchen in trauter Zweisamkeit

Eric VanderWerf

Treue ist vom Wetter abhängig

Auch monogame Vögel haben hin und wieder Probleme mit der Treue. Die Zahl der Seitensprünge hängt einer Studie zufolge von den Umweltbedingungen ab. Je unvorhersehbarer das Wetter, desto häufiger die Partnerwechsel.

Vogel-Studie 17.02.2012

Das treueste Tier der Welt heißt Diplozoon paradoxum. Kopulieren zwei Plattwürmer dieser Art miteinander, dann verwachsen ihre Körper. Sie schließen einen Bund fürs Leben - physisch. Fremdgehen ist unter diesen Unterschieden nicht mehr wirklich drin. Bei so ziemlich allen anderen monogamen Arten ist die Einehe indes ein perforiertes Prinzip. Sie gilt, aber mit Ausnahmen.

Etwa bei Vögeln, wie Carlos Botero weiß: "Letztlich haben fast alle monogamen Vögel mehrere Partner." Botero ist Ornithologe und kann einiges über Ehen, Scheidungen und Seitensprünge im Tierreich berichten. In seiner letzten Studie hat Botero das Beziehungsverhalten hunderter Vogelarten dokumentiert, darunter Schwalben, Meisen, Hüttensänger, Falken, Grasmücken, Spatzen, Enten, Gänse und Möwen.

Dieses Konvolut an Daten verglich der Biologe mit den Klima- respektive Wetterverhältnissen des Lebensraumes - und fand einen statistischen Zusammenhang: Bei jenen Arten, die im Lauf des Jahres mit großen Temperaturunterschieden konfrontiert waren, war die Zahl der Seitensprünge höher. Und dort, wo der klimatische Jahreszyklus eine besonders unregelmäßige Form aufwies, traten vermehrt Scheidungen inklusive folgendem Partnerwechsel auf.

Mehr Partnerwechsel durch Klimawandel

Botero bietet zur Erklärung des Phänomens eine Theorie an, die Biologen "ökologisches Crossover" nennen. "Die Qualität eines Partners ist stark vom Kontext abhängig", so der kolumbianische Biologe. Auf den Galapagos-Inseln etwa würden während der Trockenperiode Finken mit großen Schnäbeln bevorzugt, da in dieser Zeit vor allem große, harte Samen auf dem Speiseplan stünden. In der Regenzeit seien hingegen Vögel mit kleineren Schnäbeln bei der Futtersuche erfolgreicher - und daher auch an der Partnerbörse beliebter.

Solch wechselhafte Vorlieben könnten sich auch in evolutionärer Hinsicht auswirken, meint Botero. "Wenn sich Vögel mit mehreren Partnern paaren, dann steigen die Chancen, dass zumindest eines der Kinder die passenden Gene besitzt, um mit wechselhaften Bedingungen zurande zu kommen. Je unvorhersehbarer die Umwelt, desto eher lassen sich monogame Vögel wieder scheiden."

Naheliegende Frage: Könnte auch der Klimamandel Einfluss auf das Beziehungsleben der Vögel haben? Botero glaubt, dass es so ist. "Denn durch den Klimawandel wurden extreme Wetterereignisse häufiger. Und das Wetter wurde unvorhersehbarer."

Herzinfarkt beim Sex

Ob es ähnliche Zusammenhänge auch beim Menschen gibt, vermag Botero nicht zu sagen. Aufschlussreiches über Seitensprünge wissen hingegen Mediziner zu berichten. 2004 haben Forscher des Frankfurter Zentrums für Rechtsmedizin 60 Todesfälle von Männern untersucht, die allesamt durch Herzinfarkt beim Sex gestorben waren.

Resultat: Mehr als die Hälfte erlag den Belastungen bei einem Seitensprung oder im Bordell, aber nur jeder vierte im Ehebett. Der Rest schied der Studie zufolge bei der Selbstbefriedigung hin.

Robert Czepel, science.ORF.at

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