
Studie: Eizellen der Frauen nicht begrenzt
Was Jonathan Tilly vom Massachusetts General Hospital und seine Kollegen berichten, könnte die Behandlung von Unfruchtbarkeit revolutionieren.
Die Studie:
"Oocyte formation by mitotically active germ cells purified from ovaries of reproductive-age women" von Yvonne White und Kollegen ist in "Nature Medicine" erschienen.
Video:
- Jonathan Tilly erklärt seine Studie, YouTube
Ö1 Sendungshinweis:
Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 27.2., 13:55 Uhr.
Bildung aus Stammzellen
Die Forscher arbeiteten mit der Saitama Medical University in Japan zusammen. Von dort stammten intakte menschliche Eierstöcke - als Organspenden von 22-bis 33-jährigen Frauen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Aus diesen Eierstöcken isolierten die Forscher mit großem experimentellem Aufwand die Stammzellen, die Tilly "oogonial stem cells" (OSC) nennt. Die OSC sind äußerst selten, vermutlich zählt nur eine von 10.000 Eizellen dazu.
Die raren Stammzellen wurden anschließend mit einem fluoreszierenden grünen Protein gekennzeichnet und in menschliches Eierstockgewebe eingepflanzt. Dieses wiederum wurde gentechnisch modifizierten Mäusen unter die Haut gepflanzt und es entstanden neue Eizellen, von denen einige grün leuchteten, was darauf hindeutete, dass sie von den Stammzellen abstammten. Andere wiederum leuchteten nicht, was vermuten ließ, dass sie bereits zuvor im Gewebe vorhanden waren.
Um die Überlebensfähigkeit der Eizellen zu testen, müssen zwar noch weitere Untersuchungen vorgenommen werden, dennoch könnten die Erkenntnisse Tilly zufolge weitreichende Auswirkungen haben. Sollte der Prozess erfolgreich fortgeführt werden, könnte es eines Tages eine unbegrenzte Zahl menschlicher Eizellen geben.
Finanzielle Interessen
Die Forscher erwägen bereits die Einrichtung einer Stammzellenbank, in der die Zellen einfroren, gelagert und jederzeit entnommen werden können, wenn eine Frau ein Baby bekommen möchte. Im Gegensatz zu menschlichen Eiern seien die Eistammzellen selbst nicht empfindlich, was die Lagerung einfacher mache.
Die Wissenschaftler weisen auf finanzielle Interessen hin: Tilly ist Mitgründer des US-Unternehmens OvaScience, das die Erkenntnisse vermarkten will. In einer Mitteilung seines Instituts erklärt er: "Die Entdeckung von Eizell-Vorläuferzellen in menschlichen Eierstöcken, (...), öffnet die Tür für neuen Techniken zur Fruchtbarkeitsbehandlung von Frauen."
science.ORF.at/AFP/dpa


