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Rückenflossen dreier Delfine

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Bandenwesen bei Delfinen

Delfine leben laut einer Verhaltensstudie in einer "offenen Gesellschaft". Sie organisieren sich in Teams und schmieden vorübergehende Allianzen, um sich gegenüber Konkurrenten durchzusetzen. Ein Zeichen von Intelligenz, sagen Forscher.

Verhalten 28.03.2012

Einer Theorie zufolge hat der Mensch deswegen ein so großes Gehirn, weil er sich bereits in Urzeiten in angewandtem Machiavellismus üben musste. Zu wissen, wer wann mit wem kooperieren könnte oder nicht, war demnach ein entscheidender Selektionsvorteil - und jene Triebkraft, die Vormenschen zum Homo sapiens, zum Denker unter den Primaten, machte. Bei Delfinen könnte es ebenso gewesen sein, meint Richard Connor.

Die Studie

"A novel mammalian social structure in Indo-Pacific bottlenose dolphins (Tursiops sp.): complex male alliances in an open social network "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (doi: 10.1098/rspb.2012.0264

Der Biologe von der University of Massachusetts, Dartmouth, hat die Sozialstruktur von Großen Tümmlern analysiert und ein erstaunlich komplexes Netzwerk entdeckt. Die Delfingesellschaft ist, wie er in den "Proceedings" der Royal Society schreibt, hierarchisch aufgebaut. Die kleinsten Gruppen bestehen aus zwei, drei Männchen, die sich Weibchen als Begleitschutz zur Verfügung stellen. Diese Kleingruppen schließen sich wiederum zu größeren, vier bis 14 Individuen umfassenden Teams zusammen, deren Hauptaufgabe: Verteidigung des Territoriums, Abwehr von Charmeattacken gegenüber Weibchen. Und dann gibt es noch eine dritte Organisationsebene: Die Teams bilden untereinander Allianzen, um sich gegenüber anderen Delfingruppen zu behaupten.

Überläufer gibt es im Streitfall - wie beim Menschen - auch, was die Sache nicht gerade einfacher macht. Die Delfine schwimmen in ihren überlappenden Territorien regelmäßig Artgenossen über den Weg und müssen jedes Mal entscheiden, ob Konflikt oder Kooperation das Mittel der Wahl ist. Um in einem offenen Netzwerk wie diesem reüssieren zu können, bedarf es "hoher Intelligenz", sagte Connor gegenüber der BBC. Menschen und Delfine seien die einzigen zwei Arten, die in sozialer Hinsicht so flexibel agieren könnten.

Robert Czepel, science.ORF.at

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