
Kritik am Präsidium nimmt zu
Die 2008 neu geschaffene Junge Kurie kritisiert zudem die mangelnde Reform-und Dialogbereitschaft des ÖAW-Präsidiums. Laut einer Aussendung erwägen zahlreiche Mitglieder einen Austritt aus der Akademie.
Seilschaften statt Qualität
Stellungnahme der Jungen Kurie:
Nach vier Jahren Mitarbeit in der ÖAW müsse die Junge Kurie feststellen, dass Renee Schroeder mit ihrer Kritik an der Akademie im Wesentlichen Recht habe. "Bei der Wahl der neuen Mitglieder (der ÖAW, Anm.) und bei den Entscheidungen zur Gründung/Schließung von Instituten spielen tatsächlich auch Macht-Seilschaften eine Rolle, nicht nur wissenschaftliche Qualität", heißt es in der Stellungnahme. Darin ist von "einzementierten Machtverhältnissen" die Rede.
Kritisiert wird in diesem Zusammenhang unter anderem die Quotenregel, wonach 50 Prozent der Sitze der "Philosophisch Historischen" Klasse gehören, deren Nutznießer laut Stellungnahme bei der Gesamtsitzung dominieren und so eine Neuregelung blockieren.
Viele der besten Wissenschaftler würden keine wirklichen Mitglieder der ÖAW werden, während "international vergleichsweise bedeutungslose Schützlinge mächtiger wirklicher Mitglieder" in die Akademie gewählt und "einige Institute mit besonderer Nähe zum Präsidium gegründet und besonders gut finanziert" würden.
Kritik an ÖAW-Reaktion
Ö1 Sendungshinweis:
Über die Kritik der Jungen Kurie an der ÖAW berichtet auch Wissen Aktuell am 11.5. um 13:55.
Auch Schroeders Kritik an der mangelnden Mitbestimmung der Jungen Kurie stimmen deren Mitglieder zu, die fast alle renommierte und hochdotierte Forschungsförderpreise erhalten haben. Die Junge Kurie habe "keinen Sitz im Präsidium (der ihr bei der Gründung versprochen worden war) und sie hat kein Wahlrecht bei den wirklichen Mitgliedern, was die wesentlichen Mitspracherechte der ÖAW sind". Die Reaktion des ÖAW-Vizepräsidenten Arnold Suppan auf den Austritt Tichys sei "unsachlich", der Ton "befremdlich", heißt es in der Stellungnahme.
Mit den unabhängig voneinander erfolgten Austritten von Schroeder und Tichy hat die ÖAW in den vergangenen Wochen zwei renommierte Wissenschaftler als Mitglieder verloren. Schroeder war aus "Solidarität mit jenen exzellenten WissenschaftlerInnen, denen es wegen ihres kulturellen Hintergrundes oder ihrer politischen Einstellung nicht möglich ist, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden" zurückgetreten. Tichy hat seinen Schritt mit der "Politik des Präsidiums in den letzten Jahren" begründet, "die die Akademie in den Augen der staatlichen Behörden wie der Öffentlichkeit schwer geschädigt hat".
sciemce.ORF.at/APA


