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Der Informatiker und Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria, Thomas Henzinger, und der Physiker und Solarzellen-Pionier Serdar Sariciftci von der Universität Linz

APA/Universität Linz

Wittgenstein-Preis an Henzinger und Sariciftci

Der Wittgenstein-Preis 2012 geht an den Informatiker und Präsidenten des Institute of Science and Technology (IST) Austria, Thomas Henzinger, und den Physiker und Solarzellenpionier Serdar Sariciftci von der Universität Linz.

Auszeichnung 12.06.2012

Das gaben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, am Dienstag in Wien bekannt. Mit einer Dotierung von jeweils 1,5 Mio. Euro ist die als "Austro-Nobelpreis" geltende Auszeichnung der höchste Wissenschaftsförderpreis des Landes.

Der Preis soll Spitzenforschern aller Fachdisziplinen für fünf Jahre ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungsarbeiten garantieren. Gleichzeitig wurden sieben Nachwuchsforscher mit den mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotierten Start-Preisen ausgezeichnet.

Organische Solarzellen

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 12.6.2012, 13.55 Uhr

Der gebürtige Türke Sariciftci (51) ist seit 1996 Professor an der Uni Linz, wo er die Institute für Physikalische Chemie und für Organische Solarzellen leitet. Im Mittelpunkt der Forschung des Physikers stehen seit Jahren organische Halbleiter, die er für die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom nutzen will. Organische Solarzellen haben gegenüber herkömmlichen Silizium-Solarzellen zahlreiche Vorteile, etwa die kostengünstige Produktion und ihre mechanische Flexibilität, sie können vom Wirkungsgrad her aber noch nicht mit kristallinen Silizium-Solarzellen mithalten.

In den vergangenen Jahren hat sich Sariciftci einer neuen Forschungsrichtung zugewendet, der Herstellung synthetischer Brennstoffe durch CO2-Recycling, für die er durch den Wittgenstein-Preis nun einen "Turbo-Booster" erwartet, wie er gegenüber APA erklärte. Hintergrund ist das nach wie vor ungelöste Problem von Speicherung und Transport von erneuerbaren Energien. Eine effektive Methode wäre die Umwandlung von Wind- und Solarenergie in synthetische Brennstoffe. Vorbild ist im Prinzip die Photosynthese von Pflanzen. Mit Hilfe photo-elektro-katalytischer Effekte soll Kohlendioxid aus der Luft bzw. aus Abgasen entnommen und zu einem Brennstoff zurückgeführt werden. Mit derart hergestellten Kohlenwasserstoffen ließe sich erneuerbare Energie speichern und transportieren, der Brennstoffe wäre zudem weitgehend CO2-neutral.

Suche nach Fehlern in Software

Thomas Henzinger (49) hat nach seinem Studium der Computerwissenschaften an der Uni Linz eine internationale Karriere an Top-Universitäten absolviert, ehe er 2009 Präsident des neugegründeten IST Austria wurde. Sein Spezialgebiet ist die Entwicklung von Methoden, die die Zuverlässigkeit von Software verbessern soll.

Beim Bau einer Brücke berechnet heute ein Bauingenieur alle notwendigen Eigenschaften im Vorfeld, das Bauwerk hält schließlich genau jene Bedingungen aus, die kalkuliert worden sind. Wenn man eine einzelne Niete entfernt, bricht die Brücke nicht gleich zusammen. Dagegen sind in der Computerwissenschaft die mathematischen Methoden zur Vorberechnung der Eigenschaften von Softwaresystemen noch nicht ausgereift. Nach abgeschlossener Entwicklung muss das Ergebnis erst getestet werden, Softwarefehler sind dabei gang und gäbe. Zudem reicht ein einziger kleiner Fehler, um den Computer abstürzen zu lassen. Dies ist besonders bei Software fatal, die zur Steuerung von kritischen Prozessen eingesetzt wird, wie etwa im Auto oder bei Herzschrittmachern.

Der Wittgenstein-Preis soll auch dabei helfen, die Synergien zwischen Computerwissenschaften und Biologie am IST Austria zu vertiefen, wie Henzinger gegenüber der APA erklärte. So sollen die mathematischen Methoden zur Softwaremodellierung so weiterentwickelt werden, dass damit auch Prozesse in lebenden Zellen und Organen analysiert werden können. Ein ultimatives Ziel wäre, ein Organ oder einen vollständigen Organismus in Software abzubilden, wie dies etwa beim internationalen "Human Brain Project" mit dem menschlichen Gehirn geplant ist.

science.ORF.at/APA

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