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Das Auge des Hurrikans - Satellitenaufnahme.

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Ein Hurrikan macht Mode

Laut Statistik Austria sind Lukas und Anna die aktuell beliebtesten Vornamen in Österreich. Eine Studie zeigt: Popularität und Klang sind eng verwoben, die Namensmode folgt langfristigen Trends. Diese werden bisweilen sogar von Wirbelstürmen ausgelöst.

Vornamen 14.06.2012

Man kann es auch übertreiben mit der Originalität. Laut Forschern der Universität Leipzig wandeln Eltern bei der Namenssuche immer häufiger abseits der üblichen Pfade. Rapunzel, Tarzan und Winnetou sind offenbar en vogue, auch Blue, Peaches, Apple, Maddox und Summer gelten nun als etablierte Größen im geburtsurkundlichen Fach. Ob der Trend zum Obskuren anhält, ist ungewiss. Beantworten könnte die Frage vielleicht Jonah Berger von der University of Pennsylvania. Er hat soeben eine Studie publiziert, die sich mit diesem Thema befasst.

Eines vorweg: Reiner Zufall ist die Sache nicht. Berger zufolge bahnt der Klang eines populären Namens den Weg für ähnliche Nachfolger. Der Psychologe hat mit Hilfe von Daten der US Social Security Administration der Jahre 1882 bis 2006 Trendfaktoren der Namensmode entdeckt, und zwar in der Kombination der Phoneme, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Lauten.

Katrina in den Medien

Die Studie

"From Karen to Katie: Using Baby Names to Understand Cultural Evolution", Psychological Science online.

Berger: "War der Name Katie in einem Jahr populär, gewannen später ähnlich klingende Namen an Beliebtheit - etwa Karen, Carl und Katrina." Mit Katrina hat es eine besondere Bewandtnis: So hieß nämlich auch ein Hurrikan, der 2005 eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA ausgelöst hat. Der Name stammt von der World Meteorological Organization, die alljährlich Listen zusammenstellt, um sämtliche Wirbelstürme in alphabetischer Reihenfolge zu ordnen.

Und diese Maßnahme ist, wie Berger zeigt, keineswegs unerheblich für die Namensmode der folgenden Jahre. Nachdem Katrina durch den Golf von Mexiko gefegt und dementsprechend oft in den Medien erwähnt worden war, stieg der Anteil an mit "K" beginnenden Namen um neun Prozent. Ähnliches könnte auch für andere Trends gelten. Möglicherweise seien auch Lieder, Filme, ja sogar Technologien von diesem Ähnlichkeitsprinzip beeinflusst, meint Berger - auch im visuellen Sinne. Ohne Firmennamen zu nennen: Dass Tablet-Computer aussehen wie überdimensionale Smartphones, widerlegt Berger zumindest nicht.

Robert Czepel, science.ORF.at

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