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Eine schmutzige Hand hält einen Euro.

Die Schattenseite des Wohlstands

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Eine globale, sozialverträgliche Umverteilung des Wohlstands scheint nicht zu funktionieren. Der Nachhaltigkeitsexperte Hans Holzinger präsentiert in einem neuen Buch Strategien für eine zukunftsverträgliche Lebensweise.

Nachhaltigkeit 20.06.2012

Mit science.ORF.at sprach er über knappe Ressourcen, das Potenzial der Entwicklungszusammenarbeit und politische Verantwortung.

Hans Holzinger

Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Zu den Arbeitsschwerpunkten des Nachhaltigkeitsexperten zählen neue Wohlstandsmodelle, die Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung sowie globale Gerechtigkeit. Sein Buch "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" ist vor kurzem im JBZ-Verlag erschienen.

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Ö1 Sendungshinweis:

Über den UNO-Gipfel Rio +20 berichten auch die Ö1 Journale.

science.ORF.at: Rio +20, die UNO-Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung startet heute in Rio de Janeiro. Dort werden an die 50.000 Politiker, Wissenschaftler und NGOs über Nahrungsmittelsicherheit, Klimawandel und Rohstoffverbrauch diskutieren. Ist die Bedeutung des ressourcenschonenden Umgangs mit der Natur bei der Realpolitik bereits angekommen?

Hans Holzinger: Es wird viel über Nachhaltigkeit gesprochen, was ja eigentlich gut wäre. Aber es klafft noch die Lücke zwischen Rhetorik und eigentlichem Handeln, in der Politik, in der Wirtschaft, und auch bei den Bürgern und Bürgerinnen.

Das heißt, Rio+20 bringt das Thema Nachhaltigkeit zwar in die Medien, aber die Konferenz hat keine politischen Konsequenzen?

Es wird vielfach Kritik an solchen Großveranstaltungen und Konferenzen geübt. Ich denke, sie haben Sinn. Um Nachhaltigkeit in der Weltgesellschaft des 21. Jahrhunderts erreichen zu können, brauchen wir nicht nur das Engagement jedes Einzelnen, sondern auch ein global abgestimmtes Handeln.

In ihrem Buch "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" schreiben Sie über die ungerechte Verteilung des globalen Reichtums. Wie sehen die Annehmlichkeiten dieses Wohlstands aus?

Wir in den westlichen Industrienationen profitieren von dieser ungerechten Verteilung. Die Knappheit ist überwunden. Wir können uns vieles leisten, was für unsere Großelterngeneration noch unerreichbar war. Und dieser Wohlstand hat auch soziale Erfindungen wie Sozialversicherungen und eine Stabilisierung der Demokratie gebracht. Es ist wichtig, diese Errungenschaften im Nachhaltigkeitsdiskurs hoch zu halten.

Und wie sehen die Schattenseiten dieses Wohlstands aus?

Dieser Wohlstand basiert auf einem dreifachen Versagen des real existierenden Kapitalismus: erstens ist der Großteil der Menschheit noch immer von diesem Wohlstand ausgeschlossen. Die Mittel werden nicht dort eingesetzt, wo der Bedarf am größten ist, sondern dort, wo am meisten Kaufkraft verfügbar ist. Einfach gesagt: Zuerst sollte es Wasserleitungen für alle Menschen geben, und dann Flachbildschirme.

Das zweite Versagen betrifft die rasante Ausbeutung der Naturrohstoffe. Das spüren wir bis jetzt noch zu wenig, weil wir bis jetzt über genügend Rohstoffe verfügen. Und mit der Industriearbeit, haben wir auch die Zerstörung der Natur ausgelagert. Wir konsumieren die Güter, aber die Umweltverschmutzung passiert woanders. Der Klimawandel trifft auch jene am härtesten, die am wenigsten zu ihm beitragen - die Menschen in den Ländern des Südens.

Und der dritte Punkt betrifft unsere Lebensweise. Trotz der vielen Güter, mit denen wir uns umgeben, sind die Zufriedenheit, das Glück, die Lebensqualität nicht unbedingt gestiegen. Und da ist es notwendig - jenseits der ökologischen und weltpolitischen Problematik - zu fragen, ist das der Wohlstand, den wir wirklich wollen?

Wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter vergrößern, auch in Zeiten der Krise?

Es steigt die Zahl der Gewinner und es steigt die Zahl der Verlierer. Die Frage ist, wie kann man dagegen steuern? Ich denke Entwicklungszusammenarbeit ist wichtig, aber die Dimensionen müssen stimmen. Der Vermögenszuwachs der weltweit 100 reichsten Familien macht pro Jahr mehr aus, als in die weltweite Entwicklungszusammenarbeit investiert wird. Es gäbe Konzepte, eine Art "Weltsozialpolitik" einzuführen. Eine Steuer auf CO2-Emissionen, eine Steuer auf Rüstungsgeschäfte oder eine Finanztransaktionssteuer könnten dazu beitragen, die Mittel zu lukrieren, um Entwicklungsschübe in den betroffenen Ländern anzustoßen.

Wie sollte eine solche Entwicklungszusammenarbeit konkret ausschauen?

Ich gebe ihnen ein Beispiel: In Afrika gibt es u.a. deswegen Hunger, weil es an intelligentem Wassermanagement mangelt. Ein solches könnte aber mit wenigen Mitteln eingerichtet werden. Eine Ökonomie kann sich auf der Basis einer gut funktionierenden Landwirtschaft, des Handwerks und einer selbstversorgenden Industrie entwickeln. Und das Wassermanagement wäre in vielen Ländern Afrikas ein wichtiger Anfang.

Sie schreiben in ihrem Buch über das Leben auf unserem "begrenzten Planeten" und unterscheiden zwei Formen von "Knappheit". Welche sind das?

Das eine ist die reale Knappheit von physischen Ressourcen. Diese Knappheit wird auch für uns in diesem Jahrhundert spürbar werden, weil immer mehr Volkswirtschaften auf die globalen Rohstoffe zugreifen wollen und werden. Nachhaltigkeit wird dabei seinen Softie-Beigeschmack verlieren und zur Überlebensfrage mutieren.

Die andere Form von Knappheit, betrifft etwa die Zeit. Dieser Begrenztheit könnte man leichter entgegenwirken. Etwa, wenn Männer und Frauen gleichermaßen arbeiten gehen, wäre eine 20-Stunden-Woche wohl die passende Arbeitszeitform. Arbeitszeitverkürzung in Form von beweglicheren, den jeweiligen Lebenslagen angepassten Arbeitszeitmodellen würde bedeuten, dass alle Menschen Erwerbsarbeit haben, ohne dass die Wirtschaft immer wieder angekurbelt werden muss, um weiter zu wachsen. Und die Menschen hätten mehr Zeit für andere Dinge.

Die "Global Marshall Plan Initiative" wurde Anfang der 1990er Jahre vom US-amerikanischen Politiker Al Gore ins Leben gerufen. Die Kernforderung dieser Plattform ist eine gerechte Globalisierung. Sie haben ihr Buch als Bericht an diese Initiative verfasst. Warum?

Neben "Attac" fordert die "Global Marshall Plan Initiative" am vehementesten eine Umstellung und massive Aufwertung der gegenwärtigen Entwicklungszusammenarbeit. Wir brauchen eine globale Sozialpolitik, wir brauchen globale Steuern, wir brauchen eine globale Umverteilung, damit in den Ländern des Südens Wirtschaftswachstum ermöglicht wird. Das ist das Ziel der Global Marshall Plan Initiative, und das unterstütze ich sehr.

Ihr Buch richtet sich klar an die Politik und die Wirtschaft. Wenden Sie sich mit ihren Ideen auch an den Einzelnen/die Einzelne?

Das Buch soll Lust machen auf moderne Lebensstile der Genügsamkeit, der Zufriedenheit und der "Kunst der Beschränkung". Ich versuche diese Vorschläge mit einer Aufforderung zum politischen Engagement zu verknüpfen. Es gibt viele Menschen, die etwas Sinnvolles tun, etwa biologische Lebensmittel kaufen, mit dem Fahrrad fahren oder eine Solaranlage am Dach montieren. Diese Menschen sind Vorbilder, sind Pioniere eines nachhaltigen Lebensstils. Aber letzten Endes geht es bei dem Gemeinschaftsgut "Nachhaltigkeit" darum, dass sich alle nachhaltiger verhalten müssen. Das geht nur mit neuen Regeln für alle, und diese Rahmenbedingungen müssen von der Politik gesetzt werden. Auch das müssen wir einfordern!

Interview: Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft

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    Wir können Verändern Teil 1

    cein, vor 335 Tagen, 6 Stunden, 52 Minuten

    Das die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird ist leider ersichtlich. Das diese Kluft durch eine ungerechte “Verteilung” geschieht bezweifle ich. Es wird nicht verteilt, sondern durch sogenannte anständige Menschen teils mit Gewalt und Pseudorecht genommen. Diese Menschen bauen durch Machtpositionen ihren Reichtum ohne scheinbare Grenzen aus. Ab einem bestimmten Reichtum solle der Ausdruck, Sozialschmarotzer erlaubt sein.
    Zur EZA mit welcher ich 45 Jahre verbunden bin, liegt das versagen eindeutig bei den Akteuren. Hier kann man sich nur dem Satz anschließen : Aber es klafft noch die Lücke zwischen Rhetorik und eigentlichen Handeln ......
    Als vor fast drei Jahren, Caritaspräsident Küberl im ORF meinte wir sollen eine öffentliche Debatte über die Fehler in der EZA führen, währte die Freude nicht lange, scheinbar hat die PR-Abteilung über die Vernunft des Präsidenten gesiegt. Es gab und gibt keine öffentliche Fehleranalyse. Ein Jahr später wurde dafür für künstliche Teiche gesammelt, in Regionen welche eine Wasserverdampfung von 1 cm pro Tag haben. Dies zu Klimaschutz und EZA.
    Gerhard Karpiniec
    Laxenburg

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    Wir können verändern -Teil 2

    cein, vor 335 Tagen, 6 Stunden, 55 Minuten

    Wie in allen Bereichen liegt das Problem im Detail, um dies zu Lösen bedarf es meist viel unbedankter Arbeit und Schweiß, sei es in Indien, Lateinamerika oder Afrika. Attac, Global Marshal Plan Initiative und Andere haben es begriffen, sie zeigen es uns indem sie keine praktisch funktionierenden Projekte durchführen. Sie machen Aktionen, Meetings, hier kann man sich leichter profilieren, vielleicht sogar einmal einem echten Präsidenten die Hand drücken. Aufstiegschancen der einzelnen Personen sind höher als in einem Dorf, wirklich nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Wir könnten über die Medien, gerade in der globalisierten Welt, nachhaltig überprüfte Arbeiten/Projekte vorgestellt bekommen – nur wer macht sie. Nur PR-schöngefärbte Projekte werden präsentiert. Ein Herr Wallraff in der EZA wäre notwendig. Aufwand – Ertrag – Langfristig - sind Fremdworte in der EZA.
    Da vor kurzem im ORF ein positiver Tabubruch statt fand – es wurde über Korruption in der EZA gesprochen, ist absolut erwähnenswert. Noch ein Vorschlag – Transparenz in der EZA – mit Zahlen, ohne PR-Abteilung.
    So könnte die Kluft, zwischen arm und reich verkleinert werden.
    Gerhard Karpiniec
    Laxenburg