Standort: science.ORF.at / Meldung: "Extreme Temperaturänderungen in der Arktis"

Bohrungsstelle im El'gygytgyn-See

Extreme Temperaturänderungen in der Arktis

In der Region des Nordpols hat es in den vergangenen 2,8 Millionen Jahren mehrere extreme Warmzeiten gegeben. Die Temperaturen haben vier bis fünf Grad über denen "normaler" Warmzeiten gelegen, zudem ist es laut einer neuen Studie wesentlich feuchter gewesen als heute.

Klima 22.06.2012

Derartige Werte seien für den nördlichen Polarkreis bisher nicht für möglich gehalten worden, berichtet ein Team um Martin Melles von der Universität Köln im Fachjournal "Science".

Die Studie:

"2.8 Million Years of Arctic Climate Change from Lake El’gygytgyn, NE Russia" ist am 21.6.12 online in "Science" erschienen.

Die internationale Forschergruppe hatte einen 318 Meter tiefen Sedimentkern aus dem sibirischen Elgygytgyn-See im Nordosten Russlands analysiert. Die Zusammensetzung ließ darauf schließen, dass es in den 2,8 Millionen Jahren insgesamt acht "Super-Warmzeiten" gab. Die jüngsten Extremphasen vor rund 400.000 und rund 1,1 Millionen Jahren untersuchte das Team detailliert, darunter auch die Pollen.

Warmzeiten am Nord- und Südpol

Die mittleren Sommertemperaturen lagen demnach damals bei 13 bis 14 Grad - heute sind es in der Region etwa neun Grad. "Diese Super-Warmzeiten sind unumstößlich, da sind wir sicher", sagte Melles. Es sei davon auszugehen, dass das Eisschild Grönlands viel kleiner oder komplett verschwunden war. Die Regenmenge sei im Gebiet des Elgygytgyn damals immens gestiegen - von 300 auf 600 Millimeter im Jahr.

Bohrungsstelle im El'gygytgyn-See
Bohrungsstelle im Elgygytgyn-See

Brisant sei auch eine weitere Erkenntnis, die beim Vergleich mit Daten aus dem Antarktisprojekt "Andrill" gezogen wurden. "Der Kern aus Sibirien korreliert mit dem Kern aus der Antarktis", erklärt Melles. Die Zeiten, in denen das westantarktische Eisschild schwand, entsprächen den Warmzeiten im Norden. Ob sich die Schmelze im Süden über Meeresspiegel und Ozeanzirkulation auf den Norden auswirkte oder es Abläufe in die andere Richtung gab, sei noch unklar.

Vor neuen Extremtemperaturen?

"Wir wissen nicht, was hier Huhn ist und was Ei", sagte Melles. "Aber: Wir sehen heute, dass das Eis in der Westantarktis sich rasch zurückzieht." Wenn die aufgespürten Wechselwirkungen zwischen den Polen stimmten, drohe Sibirien in einigen Jahrhunderten erneut ein um vier bis fünf Grad wärmeres Klima.

Der Elgygytgyn ist ein Kratersee, der nach einem Meteoriteneinschlag vor rund 3,6 Millionen Jahren entstand. Auf dem Grund des 170 Meter tiefen Sees lagerten sich Sedimentschichten ab, die nun Aufschluss über Klima und Artenvielfalt vor Millionen Jahren geben.

science.ORF.at/APA/dpa

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  • geologic, vor 330 Tagen, 21 Stunden, 1 Minute

    Soviel zu"es war noch nie so warm" und "das muss am CO2" liegen.