
Warum das Erstbeste oft das Beste ist
"Gleichgültig, ob die Reihenfolge bei einem Gesangswettbewerb oder bei den Aktientipps eines Börsenmaklers: Erstgereihte sind privilegiert", sagt die Wirtschaftspsychologin Dana Carney von der University of California.
Die Studie:
"First Is Best" ist am 27. 6. in der Fachzeitschrift "PLoS One" erschienen.
Vertrauenswürdiger und angenehmer
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Mahzarin Banaji hat sie mehrere Experimente durchgeführt. So mussten die Teilnehmer der ersten Studie zwischen zwei Autoverkäufern wählen, die sich durch nichts unterschieden als durch ihre Namen und die Reihenfolge, in der sie vorgestellt wurden.
Die Vorliebe für den einen oder anderen Verkäufer wurde dann auf zwei Arten ermittelt: Zum einen gaben die Studienteilnehmer ihre bewusste Entscheidung bekannt, zum anderen verriet ein Test ("Implicit Association Test") ihre unbewussten Einstellungen gegenüber den Autoverkäufern.
Es zeigte sich, dass - gleichgültig, wie sich die Probanden bewusst entschieden hatten -, die zuerst vorgestellten Verkäufer unbewusst viel vertrauenswürdiger und angenehmer wahrgenommen wurden als die zweiten.
Gilt auch für Kaugummi und Verbrecher
Zu dem gleichen Ergebnis führte eine zweite Studie, in der Versuchspersonen zwischen zwei identen Kaugummisorten zu entscheiden hatten. Wurde ihnen keine Bedenkzeit für ihre Wahl gegeben, so entschieden sich 62 Prozent spontan für jenen Kaugummi, der ihnen als erster präsentiert wurde. Wurde ihnen hingegen ausreichend Zeit zum Nachdenken gegeben, verteilten sich die Entscheidungen nahezu gleich häufig.
Um zu überprüfen, ob die Neigung zur erstbesten Option auch bei negativen Inhalten vorherrscht, führten Dana Carney und ihr Kollege noch ein drittes Experiment durch. Dabei zeigten sie Studienteilnehmern Bilderpaare von verurteilten Verbrechern, die sich genau der gleichen Delikte schuldig gemacht hatten. Ziel war es zu entscheiden, wer von den beiden eher "im Gefängnis bleiben" oder aber "gegen Ehrenwort entlassen" werden solle.
Da sich die Fotos im Gesichtsausdruck und anderen Eigenschaften sehr ähnlich waren, erwies sich auch diesmal die Reihenfolge als entscheidend: Den erstgezeigten Verbrechern trauten die Studienteilnehmer eher Ehrlichkeit zu, weshalb sie auch eher das Recht hätten, entlassen zu werden.
Eine evolutionäre Anpassung?
Woher aber kommt diese Tendenz zum Erstbesten? "Es kann gut sein, dass sie ihre Ursprünge in einer evolutionären Anpassung hat, die erste Dinge bevorzugt", schreiben die Forscher in ihrer Studie.
Phänomene wie die Prägung im Tierreich würden die Wichtigkeit erster Bezugsobjekte für die Entwicklung von Verhalten unterstreichen. Auch beim Menschen gebe es handfeste Argumente, dem "Ersten" zu vertrauen, das zumeist in Form der Mutter auftritt, in weiterer Folge aber auch als Familie oder soziale Gruppe.
Aus den - im besten Fall: guten - Erfahrungen mit der ersten eigenen Lebensumwelt könnte die spätere Neigung zum Erstbesten resultieren - speziell da, wo eine Entscheidung schnell, unbewusst und ohne Abwägung möglicher Vor- und Nachteile von Alternativen zu erfolgen hat.
Lukas Wieselberg, science.ORF.at
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