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Der Papst beim Schwenken von Weihrauch

Wirkmechanismus des Weihrauchs geklärt

Weihrauch ist seit der Antike Bestandteil religiöser Zeremonien und Ausdruck besonderer Festlichkeit. Doch kann das Weihrauchharz noch mehr: Aufgrund seiner Inhaltstoffe macht es sich als Arzneimittel für die Therapie von diversen Krankheiten hochinteressant, berichten die Forscher, die dem Wirkmechanismus des Weihrauches nachgingen.

Medizin 10.07.2012

"Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen", sagt Oliver Werz, Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Die Studien:

Die Studie "Inhibition of microsomal prostaglandin E2 synthase-1 as a molecular basis for the anti-inflammatory actions of boswellic acids from frankincense" ist in der Fachzeitschrift "British Journal of Pharmacology" erschienen DOI: 10.1111/j.1476-5381.2010.01020.x.

Die Studie "Identification of Human Cathepsin G As a Functional Target of Boswellic Acids from the Anti-Inflammatory Remedy Frankincense" erschien im "Journal of Immunology" DOI: 10.4049/jimmunol.0803574.

Altbekannt und heilsam

Schon in der Antike gehörte der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu vielen kultischen Vollzügen. So hatten die Heiligen Drei Könige neben Myrrhe und Gold auch Weihrauch im Gepäck. Ebenso wird dieses Harz seit Jahrtausenden in der ayurvedischen Medizin genutzt, erläutert der Pharmakologe. Das Harz enthält entzündungshemmende Substanzen, wodurch es als Arzneimittel für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis genutzt werden kann, so Oliver Werz.

Die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind jedoch erst wenig erforscht, sodass sein Wirkstoff wegen mangelnder klinischer Untersuchungen in Europa noch nicht zugelassen ist.

Entzündungshemmende Wirkung

Das Institut für Pharmazie der Universität Jena ist dem Wirkmechanismus des Weihrauchs nachgegangen. Als Hauptwirkungskomponenten wurden die Boswelliasäuren identifiziert. Die Forscher konnten zeigen, an welcher Stelle diese in das Entzündungsgeschehen eingreifen und somit ihre heilende Wirkung entfalten:

Boswelliasäuren hemmen ein Enzym (Prostaglandin E2), welches als Vermittler der Immunantwort dient und im Entzündungsprozess eine entscheidende Rolle spielt. Dadurch wird die Entzündungsreaktion verringert, erklärt der Jenaer Pharmazeut. Somit ist ein gezielterer Einsatz bei geringeren Nebenwirkungen in der Therapie von Entzündungserkrankungen denkbar, als dies bei gängigen Medikamenten der Fall ist, sagt Oliver Werz.

Verschiedene Weihrauchsorten

In den Studien haben die Forscher das Harz verschiedener Weihraucharten miteinander verglichen. Es gibt weltweit mehr als zehn verschiedene Arten. Es zeigte sich, dass die im Nordosten Afrikas und auf der arabischen Halbinsel vorkommende Art (Boswellia papyrifera) eine zehnfach stärkere entzündungshemmende Wirkung aufweist als die bekannteste und verbreitetste Art in Indien (Boswellia serrata).

Ob die Boswelliasäuren sich künftig als Arzneimittel durchsetzen werden, ist noch fraglich. Sie kommen nur im Harz des Weihrauchbaumes vor und sind synthetisch schwer herstellbar. Somit sind die Bäume die einzige Ressource für den aussichtsreichen Wirkstoff. Außerdem sind die Bäume in ihrem Bestand stark bedroht. "Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren", warnt Oliver Werz.

science.ORF.at

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