
Menschen bedeuten für Pinguine Stress
Der Antarktis-Tourismus und auch Forschungsprojekte könnten sich auf die Zusammensetzung der Kolonien auswirken, befürchten die Studienautoren. Pinguine mit empfindlicherer Natur würden verdrängt.
Die Studie:
"Coping with continuous human disturbance in the
wild: insights from penguin heart rate response to
various stressors" von Vincent Viblanc et al. wird in der Fachzeitschrift "BMC Ecology" erscheinen.
Ö1 Sendungshinweis:
Dimensionen am 12.7., 19:05 Uhr, zum Thema: Das Tier und wir. Philosophische Grenzgänge zwischen den Arten.
Stress-Simulation
Die Wissenschaftler um Vincent Viblanc von der Universität in Lausanne (Schweiz) hatten Königspinguine (Aptenodytes patagonicus) auf der dauerhaft bewohnten Insel Possession untersucht, die zum Crozet-Archipel im südlichen Indischen Ozean gehört. Viele der Tiere dort sind seit mehr als 50 Jahren an die Präsenz von Menschen gewöhnt.
Die Forscher wählten für ihre Analyse Vögel aus einem meist unbehelligten Koloniegebiet und solche aus einer Region, in der täglich Menschen auftauchen - etwa auf einer nahen Straße. Alle ausgewählten Pinguine hatten zwei Tage bis einen Monat alte Küken zu versorgen.
Der Stress der Tiere wurde über die Messung des Herzschlags erfasst. Die Pinguine wurden zwei milderen Stressfaktoren ausgesetzt: einem "Touristen", der sich auf zehn Meter näherte und dann für eine Minute stehen blieb sowie dem Geräusch aufeinanderprallender Metallstangen. Zudem wurden die Tiere für drei Minuten eingefangen - um das typische Vorgehen von Forschern zu simulieren.
An Menschen gewöhnte Tiere reagieren weniger
An tägliche Störungen gewöhnte Pinguine reagierten wesentlich gelassener auf die Versuche als ihre Artgenossen in sonst ruhigen Gegenden: Ihr Herzschlag beschleunigte sich bis zu 80 Prozent weniger, wenn ihnen ein Mensch nahe kam oder metallische Geräusche zu hören waren. Allerdings schnellte die über einen Transmitter registrierte Herzschlagrate auch bei ihnen um rund 40 Prozent in die Höhe, wenn sie eingefangen wurden. In allen drei Ansätzen beruhigten sich die an Menschen gewöhnten Pinguine deutlich schneller wieder.
Studien mit anderen Arten der Region hätten ähnliche Ergebnisse gebracht, schreiben die Autoren. Untersucht werden müsse nun, ob sich die Tiere über die Jahre an die menschlichen Besucher gewöhnten - oder ob es eine Auswahl hin zu stressresistenteren Tieren gebe.
Vor allem vor dem Hintergrund des massiv zunehmenden Tourismus in der Antarktis sei es eine wichtige Fragestellung, wie sehr der Mensch dort indirekt Einfluss auf die Entwicklung der Arten nimmt.
science.ORF.at/APA/dpa
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