
Amerika wurde in drei Wellen besiedelt
Das internationale Forscherteam entschlüsselte dafür 365.000 DNA-Proben von 69 indigenen Gruppen von Sibirien bis Lateinamerika. Die Bevölkerungsgruppen der amerikanischen Ureinwohner, die von Kanada bis zum südlichen Ende von Chile verbreitet sind, sind vor mehr als 15.000 Jahren über die Landbrücke "Beringia" aus Sibirien eingewandert.
Die Studie:
"Reconstructing Native American population history" von David Reich et al. ist in "Nature" erschienen.
Erste Einwanderungswelle am größten
Die Mehrheit der Ureinwohner sind Nachfahren der ersten Migrationswelle aus Asien. Zwei kleinere Einwanderungswellen folgten. Sie haben lediglich Spuren in arktischen Populationen hinterlassen, die zur Eskimo-aleutischen sowie zur kanadischen Na-Dene-Sprachgruppe gehören.
Doch sogar bei diesen Völkern lassen sich über 50 Prozent ihres Erbguts auf die erste Einwanderungswelle zurückführen, wie die Studie ergab. Dies bedeutet, dass die späteren Einwanderer sich mit den bereits ansässigen Ureinwohnern vermischten, als sie in Amerika ankamen.
Das Team, bestehend aus 64 Wissenschaftlern, konnte zusätzlich belegen, dass die Menschen in Amerika vorwiegend entlang der Küsten gewandert sind. Unterwegs spalteten sich einzelne Völker ab. Danach gab es so gut wie keinen Kontakt zwischen den einzelnen Gruppen.

Nur in zwei Fällen kam es zu einer Rückwanderung: Eine zentralamerikanische Gruppe hat sowohl Vorfahren in Nord- wie Südamerika. Und zweitens tragen gewisse sibirische Völker "Amerikaner-DNA". Arktische Nordamerikaner sind demnach zurück nach Asien gewandert. "Unsere Studie wirft somit erstmals auch Licht auf die Verbreitungsmuster innerhalb Amerikas", erklärt ein Co-Autor der Studie, Andres Ruiz-Linares vom University College London.
Neue DNA-Analysemethode
Diese äußerst genauen Aussagen sind dank der Analyse kleinster Erbgutbausteine möglich, den einzelnen Nukleotiden-Polymorphismen (SNPs). An ihnen lässt sich der Verwandtschaftsgrad zwischen und auch innerhalb unterschiedlicher Populationen bestimmen. Insgesamt haben die Forschenden 365.000 SNPs untersucht. Eine neue Analysemethode der SNPs war notwendig, um das europäische und afrikanische Erbgut, das nach der europäischen Besiedlung ab 1492 hinzugekommen war, herauszufiltern.
"Nur so konnten wir die drei Einwanderungswellen überhaupt bestimmen", betont Nicolas Ray, Bioinformatiker an der Universität Genf. Er trug insbesondere zur geographischen Lokalisierung der Populationen bei. Mit Hilfe des Geoinformationssystems (GIS) konnte Ray die Wanderungen der Völker modellieren. "Wir haben verschiedene Bewegungsmodelle angewendet und dabei hat sich der Weg entlang der Küsten als der günstigste erwiesen."
science.ORF.at/dpa


