
Die negativen Auswirkungen von Uni-Rankings
Darin erheben sie die Machbarkeit eines neuartigen Rankings "U-Multirank" für europäische Hochschulen und beleuchten die Mängel existierender Ranglisten - etwa die Übergewichtung von Forschung in Naturwissenschaften und Technik.
Das Buch:
"Multidimensional Ranking - The Design and Development of U-Multirank", herausgegeben von Frans A. van Vught und Frank Ziegele, ist im Springer Verlag erschienen.
Wie die drei großen Rankings ranken:
Auch wenn die Erhebung und Gewichtung der Daten sich bei den drei großen Uni-Rankings unterscheidet, werden laut den Autoren der "U-Multirank"-Studie bei allen international orientierte Forschungsuniversitäten mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften und Technik bevorzugt.
"Shanghai Academic Ranking of World Universities": 60 Prozent der Bewertung basieren auf der Zahl wissenschaftlicher Publikationen und Zitierungen, wobei Veröffentlichungen in den Magazinen "Science" oder "Nature" doppelt zählen. 30 Prozent des Ergebnisses beruhen auf der Anzahl der Nobelpreis- und Fields-Medaillen-Gewinner und zehn Prozent auf der Produktivität je Forscher.
QS University Rankings : 40 Prozent der Reihung hängen von den Ergebnissen einer weltweiten Umfrage unter Akademikern zum Ansehen von Hochschulen ab, weitere zehn Prozent von einer zusätzlichen Befragung unter Arbeitgebern. Je 20 Prozent der Wertung ergeben sich aus dem Zahlenverhältnis Studenten-Lehrende sowie der Forschungsleistung und je fünf Prozent aus dem Anteil an internationalen Studenten bzw. Forschern und Lehrenden.
Times Higher Education Ranking : Die Akademiker-Befragungen - unterschieden nach Forschung und Lehre - haben den stärksten Einfluss (34,5 Prozent) auf das Ergebnis, dazu werden bibliometrische Indikatoren mit 32,5 Prozent gewertet. Weitere Faktoren sind die Lernvoraussetzungen (ausgezeichnete Lehrende, Einkommen der Lehrenden etc.) mit insgesamt 15 Prozent, Umfang von und Einnahmen aus Forschung (10,5 Prozent), Internationalisierung (fünf Prozent) und anwendungsorientierte (industry-related) Forschung (2,5 Prozent).
Wirken sich auf Geldverteilung aus
Die Autoren stellen über die letzten Jahrzehnte weitreichenden Einfluss der Ranglisten auf die Verteilung des Budgets an und innerhalb von Unis und Forschungseinrichtungen und auf die Nachfrage der Studenten fest. So wurden in manchen Ländern wegen eines - aus Sicht der Politik - schlechten Abschneidens Reformen eingeleitet und in manchen Fällen auch das Budget aufgestockt.
Auch die Verteilung innerhalb der Unis wurde beeinflusst: Forscher, deren Bereich für ein gutes Gesamtergebnis besonders wichtig ist, nutzen die Rankings als Druckmittel für mehr Geld. Unileitungen investieren aber auch selbst gezielt in solche Bereiche.
Immer ähnlichere Schwerpunkte
Genau diese gezielten Investitionen würden aber dazu führen, dass die Unis sich immer ähnlicher werden und - unabhängig von bestehenden Stärken - den Schwerpunkt auf Forschung setzen, die in allen großen internationalen Vergleichen am stärksten gewichtet wird.
In Extremfällen könne das bis zu einem "Fetischismus jener speziellen Form von Wissen, Mitarbeitern und Forschungsergebnissen" führen, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eine gute Platzierung ermöglichen.
Kostenexplosion
Das Schielen auf Ranking-Ergebnisse hat auch zu anderen "Überreaktionen" geführt: Zwischen den Unis sei ein veritables Rennen um gute Platzierungen zu beobachten - mit teuren Folgen: Die Unis würden immer mehr Geld investieren, um die besten Studenten und Forscher für die in Rankings besonders stark gewichteten Bereiche anzuwerben, wodurch die Kosten für eine Hochschulausbildung etwa in den USA in den vergangenen Jahrzehnten explodiert seien.
"Wenn die Politik in anderen Ländern weiter dem US-Beispiel folgt und den Wettbewerb in einem System verstärkt, in dem das Ansehen der Hauptfaktor ist, muss dort mit ähnlichen Kostenexplosionen gerechnet werden", warnen die Autoren.
Ranggruppen statt Bestenlisten
Mit dem von der Europäischen Kommission initiierten "U-Multirank" hat sich ein internationales Forschungskonsortium die Entwicklung eines Rankings vorgenommen, das keine fixen Bestenlisten liefert. Stattdessen sollen die Benutzer selbst die für sie relevanten Indikatoren gewichten und damit ein Ranking erzeugen können, das ihren Bedürfnissen - wie etwa der Entscheidungshilfe bei der Studienwahl - entspricht.
Dabei werden Gruppen von vergleichbaren Unis identifiziert und innerhalb dieser dann eine Reihung durchgeführt. Wegen der mangelnden Aussagekraft wird auf Rangplätze verzichtet, stattdessen gibt es Ranggruppen.
Ab 2013 soll "U-Multirank" einen einheitlichen Vergleich der europäischen Hochschulen nach dem Angebot in Lehre, Forschung, Wissenstransfer, internationaler Orientierung und regionalem Engagement liefern. Danach soll es jährliche Aktualisierungen geben.
science.ORF.at/APA
Mehr zu dem Thema:


