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Die Maya-Pyramide "El Castillo" vor blauem Himmel mit weißen Wolken.

Wie die Mayas ihren Wasserbedarf deckten

Die Maya-Kultur ist für ihre kulturellen Höchstleistungen bekannt. US-Forscher beschreiben nun eines ihrer größten Wasserverteilungssysteme. Die Anlage versorgte 80.000 Menschen, ausgeklügelte Sand- und Bakterienfiltersysteme reinigten das Wasser und boten Trinkwasserqualität.

Archäologie 17.07.2012

Die Maya-Kultur entwickelte sich in den ersten Jahrhunderten vor und nach Christus in Zentralamerika, wo sie zwischen 650 und 800 n. Chr. zu einer Hochkultur gedieh. Berühmt sind die Maya nicht nur für ihren hoch entwickelten Kalender und ihre präzisen und farbenprächtigen Kunstobjekte, sondern auch für andere handwerkliche und wissenschaftliche Fähigkeiten wie zum Beispiel Mathematik, Astronomie und Agrartechnologie.

Das Lebensklima der Maya war durch regenreiche Sommer und trockene Winter gekennzeichnet, wodurch sie dazu gezwungen waren, effiziente Systeme zu entwickeln, um ihre Städte über die jährliche Trockenzeit hindurch mit Wasser zu versorgen.

Die Studie:

"Water and sustainable land use at the ancient tropical city of Tikal, Guatemala" erschien am 16. Juli 2012 im Fachmagazin PNAS. (doi: 10.1073/pnas.1202881109)

In der neu erschienenen Studie beschreiben Vernon L. Scarborough und Kollegen der Universität Cincinnati die ingenieurstechnischen Höchstleistungen eines der größten Wasserverteilungs- und Speichersysteme dieser Kultur.

Das System befand sich in Tikal, eine der ältesten und berühmtesten Maya-Städte im heutigen Guatemala. Es versorgte zur Hochkonjunktur der Stadt bis zu rund 80.000 Menschen mit Wasser. Mehrere Dämme mit Schleusen, eine Kläranlage, zahlreiche Reservoire, Kanäle und eine Schalt- und Umleitstation dienten zur Speicherung und Verteilung des kostbaren Nasses je nach saisonalem Gebrauch.

"Raffiniert konstruiert"

Modell: Wasserverteilungssystem der Maya
Wasserverteilungssystem in Tikal

"Das Wasserversorgungssystem war derart raffiniert konstruiert, dass es mehr als tausend Jahre lang die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung deckte", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Aufgrund der hochintelligenten Konstruktion sei es auch möglich gewesen, das System an die sich ändernden Umweltbedingungen anzupassen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Bewohner dank dieses ausgefeilten Systems, die plötzlich einsetzenden Trockenperioden länger überleben konnten, während andere Maya-Städte dadurch ihr plötzliches Ende fanden.

Scarborough und sein Team untersuchten im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten vor allem sechs Reservoire, die bis zum plötzlichen Untergang der Stadt im späten neunten Jahrhundert dem Wassermanagement dienten. Die Auffangbecken befänden sich auf vier unterschiedlich gelegenen Plateaus und bildeten ein zusammenhängendes Verteilungs- und Speichersystem, berichten die Forscher.

75.000 Kubikmeter Wasser

Laut Studie war das Bewässerungssystem von drei kleineren Flüssen durchzogen wurde, die nur zur Regenzeit Wasser führten. Der südlichste Wasserlauf wies die stärksten menschlichen Bearbeitungsspuren auf und verband drei von sechs Reservoiren miteinander.

Sie repräsentierten eine absteigende Kette von Auffangbecken, die jeweils durch Staudämme unterbrochen wurden. Diese drei Wasserbecken ermöglichten es, Wassermassen zu speichern und in Tanks zu leiten. Durch Vergrößerungsarbeiten der selbigen gewannen die Mayas Material, das sie als Bauschutt für die massiven Pyramiden und palastähnlichen Gebäude im Umfeld verwendeten.

Das größte dieser drei Becken stellt das sogenannte Palast-Reservoir dar, das 75.000 Kubikmeter Wasser fasste - das entspricht der Füllmenge von 25 olympischen Schwimmbecken.

Neben den Staudämmen dienten auch die in der Umgebung liegenden gepflasterten Plätze und Innenhöfe der Wasserversorgung. Sie sammelten in der Regenzeit die Niederschläge und leiteten das Wasser und die Feuchtigkeit direkt in die Reservoire. Mittels eigens konstruierten Sandbänken gelang es, das Wasser zu filtern und die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen.

Sand- und Bakterienkläranlage

Um diese hochkulturelle Leistung zu vollbringen, bauten die Mayas an den Ausflüssen der Tanks mehrere Absatzbecken für Schwebstoffe und Sandfilter ein. Somit war es möglich auch organische Verunreinigungen aus dem Wasser zu entfernen. Dies geschah durch die Beimischung von Maisgrieß, welcher einen Fermentierungsprozess ermöglichte. Unschädliche Bakterien zersetzten die organischen Reststoffe und reinigten somit das Wasser.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die "Steinzeittechnologie" zwar nicht modernen Bedürfnissen genügt, dennoch habe das höchst effektive System die vorhanden Ressourcen weitaus weniger ausgebeutet als die heutigen Agrartechnologien. Sie glauben, dass ihre Funde dabei behilflich sein könnten, nachhaltige und effiziente Wassermanagementsysteme für tropische Umgebungen zu entwickeln.

Aaron Salzer, science.ORF.at

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