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Mund eines Mannes mit Bart, aggressiv verzogen, Zähne fletschend

Wutanfall: Sei die Fliege an der Wand!

Der Blutdruck steigt, der Puls wird schneller und plötzlich muss all der Ärger einfach raus. Jeder kennt wohl Situationen, in denen man nach einem Ventil für die eigene Wut sucht. US-Psychologen raten anderes: Man solle sich vorstellen, die Fliege an der Wand zu sein und den eigenen Ärger aus dieser Perspektive betrachten.

Psychologie 01.08.2012

Sofort nehme die Intensität der eigenen Gefühle ab und die Situation entschärfe sich, schreiben Dominik Mischkowski von der Ohio State University und Kollegen. Den Ärger so richtig rauszulassen, was viele als erfolgreiche Strategie sehen, um das Gefühl abzubauen, führe hingegen zu einer weiteren Eskalation, heißt es in der Studie.

Die Studie:

"Flies on the wall are less aggressive: Self-distancing 'in the heat of the moment' reduces aggressive thoughts, angry feelings and aggressive behavior" ist im "Journal of Experimental Social Psychology" erschienen (DOI:10.1016/j.jesp.2012.03.012.

Probe aufs Exempel

Im Unterschied zu früheren Studien zum Thema "Wutmanagement" wollten die Forscher die Probe aufs Exempel machen und nicht nur mit Erinnerungen an ärgerliche Situationen arbeiten. Deshalb luden sie 95 Studierende zu folgendem Experiment ein: Die Versuchspersonen glaubten, an einem Test teilzunehmen, wie Musik die Problemlösungsfähigkeit beeinflusst. Während sie mit klassischen Klängen beschallt wurden, mussten sie in einer bestimmten Zeit knifflige Rätsel bewältigen und die Lösung über Lautsprecher einem Tester mitteilen.

Dieser gab aber vor, das Gesagte nicht zu verstehen, und wies die Studienteilnehmer an, lauter zu sprechen. Nach dem zweiten vergeblichen Versuch fuhr er die Testpersonen schließlich an: "Schauen Sie, jetzt sage ich es Ihnen zum dritten Mal: Sprechen Sie deutlicher! Können Sie das nicht oder wollen Sie nicht? Sprechen Sie lauter!"

Aggressionen loswerden

Gleich nach diesem Vorfall wurden die Testpersonen angewiesen, ihren eigenen Ärger zu reflektieren: Eine Gruppe sollte die Situation noch einmal aus der eigenen Perspektive durchleben. Die zweite Gruppe sollte hingegen das Vorgefallene durch fremde Augen betrachten - beispielsweise durch jene der Fliege an der Wand. Der dritten Gruppe wurden keine Vorgaben zur Reflexion gemacht.

Danach bekamen die Testpersonen eine Gelegenheit, ihren Ärger "rauszulassen": Sie durften in einem weiteren Test, der paarweise absolviert wurde, ihr Gegenüber für falsche Antworten bestrafen. Die Auswertung dieses Tests zeigte: Am wenigsten Drang, ihre Aggressionen auf diesem Weg loszuwerden, hatten jene Teilnehmer, die die ärgerliche Situation als Fliege an der Wand reflektiert hatten.

Die Fliege machen

Selbst-Distanzierung wirke demnach am besten, um Situationen nicht eskalieren zu lassen, schreiben die Forscher. Sofort auf Konfrontation zu gehen bringe hingegen nichts, weil der Ärger sich dadurch nur noch mehr aufschaukle. Auch der Gedanke an etwas ganz Anderes sei sinnlos, weil damit die Wut nicht aufgearbeitet, sondern nur kurzfristig überdeckt werde.

Ob es hingegen sinnvoll ist, einer bereits wütenden Person die Perspektive der Fliege ans Herz zu legen, diese Frage wird in der Studie nicht beantwortet. Aus Erfahrung kann man aber sagen: Wahrscheinlich hilft dann nur mehr, schnell abzufliegen.

science.ORF.at

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