
Wahlen: Der Zeitpunkt zählt
Die Wissenschaftler Alison Ledgerwood und Shannon Callahan von der amerikanischen University of California, Davis, hatten dazu mit Studenten zwei Studien durchgeführt. Bei der ersten Untersuchung mussten die Probanden eine Umfrage zu einer Verordnung für Fahrradlichter beantworten. Die Wissenschaftler veränderten dabei die Fragestellung, sodass einmal die Verordnung im nächsten Monat eingeführt werden sollte, und ein anderes Mal erst im nächsten Jahr.
In der zweiten Studie mussten die Studenten ihren Standpunkt zu Förderungsmaßnahmen für Minderheiten darlegen. Die Forscher fragten dazu zweimal unterschiedlich: nämlich abstrakt (warum sollten die Maßnahmen beschlossen werden) und konkret (wie sollten sie aussehen).
Die Studie in "Psychological Science":
"The Social Side of Abstraction: Psychological Distance Enhances Conformity to Group Norms" von Alison Ledgerwood und Shannon Callahan
Ledgerwood und Callahan fanden heraus, dass die Probanden von der Meinung der Gruppe stark beeinflusst waren, sofern über abstrakte Themen in ferner Zukunft abgestimmt wurde. Stand die Wahl aber kurz bevor, hatten die Ansichten von Freunden, Nachbarn oder Bekannten deutlich mehr Gewicht, schreiben die Forscher im Fachjournal "Psychological Science".
Mensch als soziale Kreatur
"Unsere Untersuchung zeigt, dass wir soziale Kreaturen sind", sagt Studienleiterin Alison Ledgerwood. "Wir wenden uns natürlich an andere Menschen, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Doch unsere Ergebnisse demonstrieren, dass wir unterschiedlichen Meinungen von Menschen folgen, je nachdem, ob es sich um baldige oder künftige Ereignisse handelt", so Ledgerwood.
Die Ergebnisse der Forscher rücken die häufig geübte Praktik der Umfragen vor Wahlen in ein neues Licht. Meinungsumfragen, die kurzfristig vor der Wahl erscheinen würden, hätten kaum einen Einfluss auf das Wahlverhalten, sagt Ledgerwood. Viel wichtiger sei die Meinung eines anderen Menschen. Und hier komme es auf das Timing an, ob die Gruppe oder der Einzelne einen Einfluss auf unser Wahlverhalten hätte.
David Donnerer, science.ORF.at


