
Europas Häuser sollen grüner werden
Bei "Nearly zero-energy-buildings", sogenannten Niedrigst-Energie-Häusern liegt der Energiebedarf fast bei null. Sie verfügen also über eine besonders gute Wärmedämmung und gewinnen ihre Energie fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen.
Das Projekt:
Mehr zum Projekt "Entranze" (ENforce the TRAnsition to Nearly Zero Energy buildings) gibt es auf www.entranze.eu
Doch nicht in jedem Land Europas muss ein solches Haus gleich gebaut sein, damit es diesen Ansprüchen genügt, sagt Lukas Kranzl von der Technischen Universität Wien: "Es sind einfach die klimatischen Bedingungen in Südeuropa ganz andere als in Nordeuropa. In Südeuropa steht das Kühlen im Vordergrund, in Nordeuropa das Heizen. Weiters ist der Gebäudebestand sehr unterschiedlich. Manche Länder haben thermisch einen sehr effizienten Gebäudebestand und eine sehr gute Gebäudequalität, während das in anderen Ländern noch nicht der Fall ist."
Gemeinsam mit Forschergruppen aus neun verschiedenen europäischen Ländern untersucht das Team rund um Lukas Kranzl deshalb welche Maßnahmen in welcher Region Europas am besten greifen, damit möglichst viele Gebäude zu Niedrigst-Energie-Häusern werden.
Ö1-Sendungshinweis:
Über das Forschungsprojekt berichtet auch Wissen Aktuell am 8.8. um 13:55.
Tausende Datensätze notwendig
Dazu muss Kranzls Forschergruppe genau aufzeichnen, wie die Häuser in einer Region beschaffen sind. Das führt zu einer riesigen Datenmenge. Tausende Datensätze werden gesammelt und gespeichert: "Wir unterscheiden verschiedene Gebäudekategorien. Angefangen von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, verschiedene Gebäude im Servicesektor - also Hotels, Büros, Geschäfte, etc. und unterscheiden dann weiter noch die verschiedenen Heizsysteme oder Kühl- und Warmwassersysteme, die in diesen Gebäudesegmenten installiert sind."
Entwicklung des Energieverbrauchs abschätzbar
Die Daten werden weiters in einem Computermodell abgebildet und in Tabellen und Bildern zusammengefasst. "Auf Basis dieser Abbildung simulieren wir die Entwicklung des Gebäudebestandes und des Heiz- und Kühlenergieverbrauches für ganz Europa.", sagt Kranzl. So könne man abschätzen welche Auswirkung eine Maßnahme auf den Energieverbrauch eines Landes hat. "Das heißt man sieht zum Beispiel folgendes: Wenn sich der Energiepreis so und so entwickelt und das Förderinstrument A implementiert wird und zusätzlich noch das Förderinstrument B, dann könnte sich der Energieverbrauch in die und die Richtung entwickeln."
Muss also mehr Geld in die Hand genommen werden, um das thermische Sanieren von Häusern attraktiver zu machen? Oder braucht es doch mehr Geld für den Umstieg auf Sonnenenergie? Auf Fragen wie diese sollen Politikerinnen und Politiker mit Hilfe von Kranzls Computermodell leichter eine Antwort finden. Mit den "Routenplaner", den das Team der TU Wien zur Verfügung stellt, kann jedes europäische Land seinen eigenen "Energie-Fahrplan" bis 2020 erstellen. Denn Ende 2020 sollen alle Neubauten in der EU Niedrigst-Energie-Häuser sein.
Florian Petautschnig, Ö1 Wissenschaft
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