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Graubruststrandläufer steht am Boden

Schlaflose Strandläufer balzen am besten

Wenig Schlaf macht nicht unbedingt schlapp, sondern kann sogar die Chancen bei der Partnersuche erhöhen, zumindest bei Graubruststrandläufer. Eine Studie zeigt: Nahezu schlaflose Tiere haben den größten Erfolg bei Weibchen.

Ornithologie 10.08.2012

Je weniger die Männchen in der Balzzeit schlafen, desto mehr Chancen haben sie bei den Weibchen und umso mehr Nachkommen zeugen sie, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im oberbayerischen Seewiesen berichten.

Fast kein Schlaf

Die Studie in "Science":

"Adaptive Sleep Loss in Polygynous Pectoral Sandpipers" von J.A. Lesku et al., erscheint am 9. August 2012.

Die Tiere seien in der Lage, eine hohe Leistung zu erhalten, obwohl sie während einer dreiwöchigen Balzperiode den Schlaf extrem reduzierten. Dabei waren sie praktisch 95 Prozent der Zeit aktiv. Das sei überaus bemerkenswert, da die Vögel gerade von ihrem langen Zug aus den Überwinterungsgebieten auf der Südhalbkugel in den Brutgebieten in Alaska ankamen, schreiben die Forscher um den Ornithologen und Institutsdirektor Bart Kempenaers.

Balzender Strandläufer:

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Mit dem Schlafverzicht erhöhen die Männchen ihre Chancen, auf empfängnisbereite Weibchen zu treffen - und konnten zugleich ihr Revier besser verteidigen. "Die Männchen müssen ständig Konkurrenten mittels Territoriumsverteidigung und Zweikämpfen abwehren und gleichzeitig Weibchen durch umfangreiches Balzgehabe überzeugen", so Studienleiter Kempenaers. Da im arktischen Sommer die Sonne nie ganz untergeht, seien die Männchen im Vorteil, die rund um die Uhr durchhielten. Die männlichen Strandläufer, die am wenigsten schliefen, konnten daher die meisten Nachkommen zeugen. Allerdings kümmern sich Strandläufer-Männchen auch nicht um ihre Brut.

"Power-Napping"

Die Forscher überwachten die Tiere mit Hilfe von GPS und Sendern, die sie den Tieren auf den Rücken klebten. Die Vaterschaft der Nachkommen bestimmten die Wissenschaftler aus DNA-Proben aller Männchen, Weibchen und Jungtiere im Untersuchungsgebiet.

Im Extremfall schliefen die Männchen pro Tag im Schnitt nur 2,4 Stunden, die Langschläfer unter den Tieren brachten es hingegen auf 7,7 Stunden. Erstaunlicherweise waren die Kurzschläfer trotzdem leistungsfähig. Der Trick: Sie fielen vom aktiven Wachstadium übergangslos in tiefen Schlaf, sparten somit die Einschlafphase. Zudem schliefen sie sehr fest und traumlos - so glichen sie offenbar den Schlafmangel aus. "Männchen, die am wenigsten schliefen, hatten den tiefsten Schlaf", sagt Co-Autor Niels Rattenborg, der in Seewiesen Schlafforschung betreibt.

Der Schlafmangel hatte offenbar keine gesundheitlichen Folgen - möglicherweise sei sogar das Gegenteil der Fall. Erfolgreiche Männchen kehrten jedenfalls öfter ins Brutgebiet zurück als Männchen mit weniger Nachkommen und zeugten auch im zweiten Jahr viele Junge.

Ein Rezept für Schlafersparnis beim Menschen haben die Forscher bisher nicht gefunden. Da nicht alle Männchen gleich gut mit dem Schlafmangel klarkamen, gehen die Forscher von genetischen Voraussetzungen aus. Die vorherrschende Ansicht, dass Schlaf zur Regeneration des Gehirns dient, wollten die Wissenschaftler auch nach der Studie vorerst nicht infrage stellen.

Von Sabine Dobel, dpa

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